„Verlag, kann ich zwar nicht, aber ich bin flexibel genug, Chancen zu erkennen“, sagte Dirk Möhrle in einem Interview mit dem wir-Magazin 2014. Offenbar hat Möhrle nun seine Chance beim bedeutenden Suhrkamp Verlag ergriffen: Ab November übernimmt er sämtliche Anteile und wird damit neuer Alleininhaber. Die Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung, unter dem Vorsitz von Ulla Unseld-Berkéwicz, und die Familie Ströher (Wella-Erben), scheiden als Aktionäre der Suhrkamp Verlag AG aus.
Dirk Möhrle ist bei Suhrkamp kein Unbekannter. Bereits seit 2015 hält er 39 Prozent der Anteile. Nach dem Tod von Hans Barlach, dem früheren Minderheitsgesellschafter, hatte Möhrle dessen Anteile übernommen. Barlach hatte sich über viele Jahre mit der damaligen Verlagschefin Unseld- Berkéwicz einen zerstörerischen Rechtsstreit geliefert und war darüber in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Möhrle griff seinem Freund unter die Arme und erhielt im Gegenzug die Beteiligung an Suhrkamp als Pfand.
Suhrkamp soll unabhängig bleiben
Auch der Verlag hatte unter den Auseinandersetzungen im Gesellschafterkreis stark gelitten. Der neue Eigentümer will Suhrkamp weiterentwickeln. Ein Weiterverkauf komme für ihn nicht infrage. Zur Bekräftigung seiner guten Absichten plane er eine Kapitaleinlage, ließ Möhrle kürzlich in einem F.A.Z.-Interview wissen.
Der gebürtige Hamburger hat sein Vermögen vor allem mit Immobilien gemacht, besitzt aber auch ein kleines Flugzeugcharterunternehmen und ist am Wirtschaftsverlag „Impulse“ beteiligt. Möhrles Karriere begann im familieneigenen Baumarktunternehmen Max Bahr. Nach Differenzen in der Familie über den geplanten Verkauf von Max Bahr gab er die Geschäftsführung ab und schied 2004 aus dem Gesellschafterkreis aus. Fortan konzentrierte sich Möhrle auf die Aktivitäten seiner Investmentgesellschaft Möhrle Group. Die Baumarktkette ging zwei Jahre später an den Konkurrenten Praktiker, der Max Bahr 2013 mit in die Insolvenz riss. Ein Rettungsversuch von Dirk Möhrle, der das Familienunternehmen aus der Insolvenz herauskaufen wollte, scheiterte.
