Dr. Helga Breuninger, Sie sind in mehreren Stiftungen aktiv. Warum?
Die Breuninger Stiftung wurde von meinem Vater 1968 gegründet, mit der Helga Breuninger Stiftung begann ich 1980 – gerade mal sechs Monate bevor mein Vater unerwartet starb. Deshalb habe ich zunächst beide Stiftungen zusammengeführt und sie erst 2010 getrennt und in ihren Profilen geschärft. 2008 habe ich die Stiftung Paretz gegründet, die als Treuhandstiftung der Breuninger Stiftung fungiert. Allen drei Stiftungen haben sich von der „Projektitis“ verabschiedet. Sie sind Gastgeber und bringen ihre Beteiligungskompetenzen für den gesellschaftlichen Wandel ein. Sie organisieren Plattformen und schaffen Orte der Begegnung für Menschen aus allen drei Sektoren. Nachhaltige Lösungen entstehen dann, wenn Bürger mit Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft gemeinsam Lösungen entwickeln und umsetzen. Ohne ehrenamtliches Engagement und Finanzierungshilfen aus der Wirtschaft ist Politik mit der Umsetzung neuer Lösungen überfordert.

Eine neue Lösung zur Integration von Flüchtlingen ist an einem „Runden Tisch“ der Bürgerstiftung Stuttgart entstanden. Dieses Beteiligungsformat hat die Breuninger Stiftung in die Bürgerstiftung eingebracht. Es gibt in Stuttgart viele unbesetzte Ausbildungsplätze und rund 4.500 Flüchtlinge unter 25 Jahren. Wie bringen wir beides zusammen? Neben der Verwaltung, der IHK, den Wohlfahrtsverbänden und der Handwerkskammer haben wir Personalverantwortliche großer Unternehmen wie Daimler, Bosch oder Porsche an den Runden Tisch eingeladen. Das Ergebnis ist ein Ausbildungscampus, wo Flüchtlinge auf zuständige Behörden und Personalverantwortliche aus dem Mittelstand treffen. Sie werden beraten, qualifiziert und von einem Paten begleitet. Die Bürgerstiftung hat die Mittel eingeworben, die Stadt übernimmt die Miete.
Ihre Stiftungsgruppe ist durchweg in der Rechtsform einer „Stiftung GmbH“ organisiert. Warum ist das so?
Mein Vater hat eine nicht gemeinnützige Stiftung als einzige Gesellschafterin einer gemeinnützigen GmbH gegründet. Diese Konstruktion habe ich auch für meine eigene Stiftung übernommen. Sie erlaubt es den Stiftungen, das Vermögen zu verbrauchen. Müsste ich nur von den Erträgen leben, wären wir nicht mehr handlungsfähig, und ich müsste mein großartiges Team – mein eigentliches Stiftungskapital – entlassen. 37 Jahre Stiftungsmanagement haben mich ermutigt, in Menschen statt in abgesicherte Prozesse zu investieren. „Neues“ lässt sich nicht absichern.
Info
Hat Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte in Mainz und Paris studiert. Kam über die Kulturberichterstattung zur Tageszeitung. Seit 2007 Redakteurin in der F.A.Z.-Gruppe, seit 2015 fester Teil der wir-Redaktion, wo sie die Produktion des Magazins, das Programm der „wir-Tage“ und den Podcast verantwortet.

