Familienverfassung: Mehr Zusammenhalt für unsichere Zeiten

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Wie viele Unternehmerfamilien in Deutschland haben eine Familienverfassung, auch Familiencharta genannt? Intes und Pricewaterhouse Coopers haben mit Hilfe der Digital Business University of Applied Sciences (DBU) 175 Unternehmerfamilien befragt, von denen 41 Prozent angeben, keine Familiencharta zu haben. 23 Prozent der im Jahr 2026 befragten Unternehmerfamilien planen, ein solches Dokument zu erstellen. Und 36 Prozent haben bereits eine Familienverfassung.  


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Die Studie führt weiter aus, dass der Anteil der Unternehmerfamilien mit Familienverfassung im Jahr 2011 noch bei 25 Prozent lag. Besonders größere und ältere Familienunternehmen setzen laut Studie auf eine Familienverfassung; auch eine externe Geschäftsführung scheint Unternehmerfamilien dazu zu motivieren.  

Nach den Gründen gefragt, geben die Familien mit Familienverfassung am häufigsten (70 Prozent) die „Professionalisierung der Inhaberfamilie“ an. Erst mit großem Abstand folgt der zweithäufigste Grund: Konfliktprävention (57 Prozent). Fast gleichauf mit 51 liegt „Generationswechsel“ als Grund für die Erstellung einer Familiencharta.


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Eine Familienverfassung „ersetzt weder gesellschaftsrechtliche Regelungen noch unternehmerische Strategiearbeit, ergänzt diese jedoch ideal,“ steht in der Studie. Inhaltlich stehen Governance-Regeln, familiäre Werte und die Rollenverteilung zwischen den Eigentümern im Mittelpunkt eines solchen Dokuments. Die Familienverfassung regelt also keine einzelnen Themen und Konflikte, gibt aber Leitplanken vor, an denen sich die Unternehmerfamilie orientieren kann. Und die Erstellung an sich ist schon ein Prozess, der Familien zusammenbringt und Konflikten vorbeugen kann. Dem entsprechend gestaltet sich auch das „outcome“ bei denjenigen Unternehmerfamilien, die sich für die Erstellung einer Familienverfassung entschieden haben: 72 Prozent berichten von einem „stärkeren Familienzusammenhalt“, 66 Prozent von einer „besseren Führungs- und Kontrollstruktur“ und 61 Prozent von „mehr Frieden und Stabilität“.


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Besonders attraktiv ist die Erstellung einer Familienverfassung also für größere und ältere Inhaberfamilien, die mittelfristig vor strukturellen Herausforderungen stehen. Um kommende Umbrüche besser bewältigen zu können, ist es sinnvoll, sich vorher über gemeinsame Grundwerte zu verständigen, um den Familienfrieden zu sichern. Nicht geeignet ist die Familienverfassung hingegen als Instrument zur unmittelbaren Konfliktlösung, auch wenn sie von 11 Prozent der befragten Unternehmerfamilien dafür eingesetzt wird (s. Abb. 2).

Hat an der Uni Bamberg Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin am Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Bei dem Magazin brand eins in Hamburg entdeckte sie ihre Liebe zum Wirtschaftsjournalismus, der sie seit März 2023 beim wir-Magazin frönen darf.