Das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik ist ein gemeinnütziger Think-Tank. In Zusammenarbeit mit dem Friede-Springer-Stiftungslehrstuhl für Unternehmensethik und Controlling an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat das Zentrum eine Studie zum Thema „Demokratie unter Druck – Wirtschaft in der Verantwortung?“ veröffentlicht. Die Studie ist Teil eines größeren Forschungsprojekts.
Sollen Unternehmen sich gesellschaftspolitisch engagieren? Zu dieser Frage hat das Zentrum in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut infas quo zwischen November und Dezember 2025 mehr als 2.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragt, darunter über 500 Führungskräfte. 39 Prozent dieser Befragten beantworteten die Frage mit Ja, 30 Prozent mit Nein. Auffällig ist dabei der Unterschied zwischen Arbeitnehmern allgemein und Führungskräften: Von letzteren antworteten 49 Prozent mit Ja, und nur 28 Prozent der Führungskräfte fanden, dass Unternehmen sich nicht gesellschaftspolitisch engagieren sollten. 41 Prozent der Führungskräfte erwarteten positive Reaktionen von Kundinnen und Kunden auf das gesellschaftspolitische Engagement ihres Arbeitgebers.
Einen auffälligen Effekt fand das Zentrum bei denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern heraus, die gesellschaftspolitisches Engagement ihres Arbeitgebers tatsächlich schon einmal erlebt haben. 40 Prozent fühlen sich in ihrer Haltung zur Demokratie eher bestärkt, und 14 Prozent sind sogar deswegen wählen gegangen (was sie laut eigener Angabe sonst nicht getan hätten). Bei der Frage, welche Maßnahmen das Unternehmen im Einzelnen ergreifen sollte, hatte der Aufruf, wählen zu gehen, auch die höchsten Zustimmungswerte (50 Prozent). Zu jeweils 49 Prozent befürwortet wurden „Förderung von Organisationen, die sich für Demokratie einsetzen“ und „Förderung von Orten zivilgesellschaftlichen Austauschs (z.B. Vereine)“. Es wurde auch gefragt, was inhaltlich passieren, also was genau das Statement sein soll. Dabei hat der Einsatz für die „Werte der Demokratie“ eine deutlich höhere Zustimmung erfahren (37 Prozent) als die Abgrenzung von demokratiefeindlichen Akteuren (16 Prozent) oder konkrete politische Forderungen (10 Prozent).
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Befragt wurden auch Vertreter von Familienunternehmen. Dabei fällt auf, dass sie im Vergleich zu börsennotierten und staatlichen Unternehmen diejenigen sind, die gesellschaftliches Engagement von Unternehmen am stärksten ablehnen (28 Prozent). Am wenigsten Zustimmung bekommt die Aussage „Unternehmen sollten sich nicht gesellschaftlich engagieren“ hingegen bei Stiftungen und Non-Profit-Organisationen (14 Prozent). Bei der Abgrenzung von demokratiefeindlichen Akteuren hat die Zustimmung unter Angestellten von Familienunternehmen einen besonders niedrigen Wert (15 Prozent, im Gegensatz zu jeweils 21, 17 und 20 Prozent bei börsennotierten Unternehmen, staatlichen Unternehmen und Stiftungen/ Non-Profit-Unternehmen).
Hat an der Uni Bamberg Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin am Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Bei dem Magazin brand eins in Hamburg entdeckte sie ihre Liebe zum Wirtschaftsjournalismus, der sie seit März 2023 beim wir-Magazin frönen darf.

