Der deutsche Mittelstand steht vor einer der größten Herausforderungen der Nachkriegsgeschichte: dem anstehenden Generationenwechsel. Nach einer KfW-Studie werden bis 2027 circa 560.000 Mittelständler eine Nachfolgelösung benötigen. Das sind Unternehmen, bei denen es darum geht, die erfolgreiche Vergangenheit in die Zukunft zu übertragen. Der demographische Wandel, geopolitische Unsicherheiten und rasante technologische Veränderungen erhöhen den Anpassungsdruck. Hier rückt ein strategisches Instrument stärker in den Fokus, das lange börsennotierten Konzernen und Investoren vorbehalten war: Mergers & Acquisitions (M&A). Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen hält zunehmend Einzug in mittelständische Unternehmensstrategien und wird zum Hebel der Zukunftssicherung.

Nachfolge sichern – Kontinuität und Wachstumsimpulse kombinieren
Die Nachfolgeregelung gehört zu den wichtigsten und gleichzeitig komplexesten Aufgaben im Leben eines Familienunternehmens. Sie betrifft Menschen, Prozesse und Werteversprechen, aber sie ist vor allem eine unternehmerische Entscheidung: Sie soll das Unternehmen durch einen klar strukturierten Prozess in eine neue Phase führen und seinen Fortbestand sichern. Zwar stellt die familieninterne Nachfolge nach wie vor den von der Mehrheit bevorzugten Lösungsweg dar, der Anteil nimmt jedoch bereits seit einigen Jahren stetig ab. Scheidet der eigene Nachwuchs aufgrund von fehlendem Interesse oder mangelnder Eignung aus, müssen Unternehmer frühzeitig Alternativen finden. Hierfür bieten strukturierte M&A-Prozesse vielfältige Möglichkeiten. Sie öffnen den Blick für passende Nachfolger, strategisch ausgerichtete Investoren und Unternehmen, die das bestehende Geschäft nicht nur fortführen, sondern gezielt ausbauen können. Besonders für gut aufgestellte Unternehmen mit starker Marktposition bietet der Markt auch aktuell Chancen, die für die Zukunft den entscheidenden Vorteil mit sich bringen können.
„M&A können der erste Schritt in Richtung einer gezielten Weiterentwicklung sein.“
– Patrick Seip
Die Herausforderungen bei Nachfolgeregelungen sind häufig emotional geprägt. Sie betreffen das Loslassen eines über Generationen gewachsenen Lebenswerks und die gewissenhafte Übergabe an einen vertrauenswürdigen Partner. Eine frühzeitige Vorbereitung, eine passende Ansprache von Investoren und die souveräne Umsetzung unter anspruchsvollen Bedingungen sind Voraussetzungen für einen gelungenen Prozess. Das Resultat kann mehr sein als ein „einfacher Verkauf“: Häufig stellt es den Beginn einer gezielten Weiterentwicklung dar und ermöglicht den nächsten Wachstumsschritt.
Strategische Partnerschaften als Transformationsmotor
Auch jenseits der Nachfolge werden strategische Kooperationen und Übernahmen immer wichtiger. Sie helfen Unternehmen, sich schneller und gezielter Herausforderungen wie der Internationalisierung und Digitalisierung zu stellen. Ob durch den Aufbau von Technologie- und Innovationspotentialen, den gezielten Markteintritt in neue Absatzmärkte oder die Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten: Durch M&A werden Herausforderungen gezielt adressiert und Ressourcen schneller mobilisiert, als dies durch rein organisches Wachstum möglich wäre.
Info
Die Auswahl des passenden Partners erfolgt jedoch nicht allein durch Finanzkennzahlen, sondern maßgeblich durch strategische Überlegungen. Das gemeinsame Wachstum durch den Zusammenschluss erfolgreicher Geschäftsmodelle steht im Fokus. Im Rahmen einer strukturierten Due Diligence sind betriebswirtschaftliche Faktoren zwar die Bewertungsbasis, für die Investitionsentscheidung spielen jedoch auch technologische und kulturelle Aspekte eine wichtige Rolle. Strategische Partnerschaften beschränken sich nicht darauf, Kapital bereitzustellen. Sie stiften durch Synergieeffekte, Know-how-Transfer und zusätzliche Ressourcen echte Mehrwerte. Das Bild vom „fremden Käufer“ weicht immer öfter dem des „Partners auf Augenhöhe“, der das Unternehmen bei der Umsetzung von Wachstum und Transformation gezielt unterstützt.
Diversifizierung durch Zukauf – „Buy & Build“ im Mittelstand
Auch bei gezielten Wachstumsmaßnahmen werden M&A-Transaktionen zum Schlüsselwerkzeug. Das „Buy & Build“-Konzept – der Aufbau von schlagkräftigen und gut diversifizierten Unternehmensgruppen – ist schon seit Jahren bei Finanzinvestoren im Trend. Doch mittlerweile setzt eine wachsende Zahl mittelständisch geprägter Unternehmen ebenfalls darauf, sich durch wohlüberlegte Zukäufe gezielt Marktanteile zu sichern, Ressourcen zu bündeln und technologische Kompetenz schneller und zielgerichteter zu erwerben. Gerade in der aktuellen konjunkturellen Lage, in der die Gesamtwirtschaft stagniert oder sogar schrumpft, erreichen klassische organische Wachstumspfade schnell ihre Grenzen. Das verstärkt den Stellenwert von M&A zusätzlich: Wachstum ist für viele Unternehmen heute nur durch Übernahmen oder strategische Kooperationen möglich. Sie helfen, die eigene Marktposition zu stärken, Ressourcen effizient zu nutzen und Marktzugänge schneller zu sichern.
In fragmentierten und durch Konsolidierung geprägten Märkten tragen diese Transaktionen dazu bei, schneller zu skalieren und Synergien zu heben. Das Unternehmen kann dadurch zum Marktführer in seinem Segment werden und seinen Markenkern einerseits stärken und andererseits gezielt erweitern. „Buy & Build“ dient nicht nur dem kurzfristigen Wachstum von Umsatz und Gewinn, sondern auch der langfristigen Weiterentwicklung der Organisationsstruktur. Das neu geschaffene Unternehmen besteht aus mehr als der Summe der Einzelteile: Gezieltes Integrationsmanagement formt eine moderne und wettbewerbsfähige Einheit.
M&A als Wegweiser und Chance
Die wachsende Offenheit des Mittelstands gegenüber M&A ist Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels. Sie markiert das Ende eines „Entweder-oder“ und den Beginn eines „Sowohl-als auch“: Das Unternehmertum bleibt gewahrt, gewachsene Strukturen werden respektiert – und durch ausgewählte Transaktionen werden Chancen ergriffen und gleichzeitig Probleme gelöst. M&A dienen dabei nicht nur dem „Ausstieg“ des Unternehmers, sondern können der Auftakt zu einer neuen Etappe sein. Es geht darum, Zukunft langfristig zu gestalten und traditionelle Werte durch moderne Ressourcen, Menschen und Strukturen gezielt zu stärken.
Die Unternehmen, die diese Perspektive frühzeitig einnehmen und M&A nicht nur als Notlösung, sondern als strategisches Instrument betrachten, werden besser durch den Strukturwandel kommen.
