Trox GmbH: 24 Jahre Übungszeit

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Der Tod des Patriarchen Heinz Trox am 1. Oktober 2015 traf Kollegen und Mitarbeiter unerwartet, aber nicht unvorbereitet. Unerwartet, weil der 81-jährige Heinz Trox bis zuletzt im Unternehmen präsent war und die Leitlinien bestimmte. Noch für den 2. Oktober hatte er Termine im Kalender stehen. Nicht unvorbereitet, weil der Eigentümer frühzeitig Vorkehrungen für seine Nachfolge getroffen hatte.

Die Produkte der Trox GmbH sind allgegenwärtig, ihr Name aber nur in Fachkreisen bekannt. 1951 von Heinrich Trox gegründet, ist aus einem kleinen Betrieb für Lüftungsgitter ein global aufgestellter Spezialist für Lüftungsanlagen geworden. Knapp 4.000 Mitarbeiter weltweit erwirtschaften einen Umsatz von etwa 480 Millionen Euro. 1960 traten Heinz und Klaus Trox in den väterlichen Betrieb ein und übernahmen 1968 die Geschäftsführung. 1988, nach dem Tod des Bruders, wurde Heinz Trox alleiniger Geschäftsführer. Später zahlte er die Familie des Bruders aus und wurde somit auch alleiniger Gesellschafter.

Keine Kinder als Nachfolger

Schon früh war klar, dass das Unternehmen ein Nachfolgeproblem hatte. Heinz Trox’ Ehe mit Brigitta Trox blieb kinderlos. 1991 entschied das Ehepaar daher, eine Stiftung zu gründen und dieser zunächst nur wenige Prozent am Unternehmen, im Todesfall von Heinz Trox aber das gesamte Vermögen zu übertragen.

„Oberster Wille meines Mannes war es, das Unternehmen mit dem Markennamen Trox langfristig zu erhalten“, so Brigitta Trox, die Mitglied im Stiftungsrat ist. „Wenn es zum Beispiel um Standortschließungen gehen würde, würden wir gerade im Stiftungsrat lieber einmal mehr darüber nachdenken, ob sich nicht eine andere Lösung findet.“ Denn Heinz Trox verstand sich als sozialer Unternehmer.

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Mitglieder des Stiftungsrates (v. l.):Prof. Dr. Hans Fleisch (Vorsitzender), Brigitta Trox, Yves Meili, Marie-Luise Fasse, Prof. Dr. Stephan Schauhoff.

Foto: Trox GmbH

Ein wichtiger Beweggrund zur Gründung seiner Unternehmensstiftung war, Arbeitsplätze am traditionsreichen Standort Neukirchen-Vluyn am Niederrhein zu erhalten. Eine Übernahme durch Wettbewerber oder gar Finanzinvestoren wollte er ausschließen – „Heuschrecken kriegen meine Firma nicht!“, wird er in der „Neue Ruhr Zeitung“ (NRZ) zitiert.

„Eine Unternehmensstiftung zu gründen war damals noch längst nicht so weitverbreitet wie heute“, weiß Prof. Dr. Hans Fleisch, der bis 2015 Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Stiftungen war. Der Jurist – von Heinz Trox berufen – übernahm mit dessen Tod den Vorsitz des Stiftungsrates der Heinz Trox-Stiftung. Fleisch hat heute eine machtvolle Position: Als Stiftungsratschef ist er gleichzeitig Mitglied im Aufsichtsrat und weder einer Altersgrenze noch einer Wiederwahl unterworfen.

Direkt nach dem Tod des Firmenlenkers hatten Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Stiftungsrat harte Entscheidungen zu treffen. Denn Trox hatte den Umsatz seit 2010 in wenigen Jahren aggressiv in Richtung 500 Millionen Euro getrieben. „Die Rentabilität hat in den vergangenen Jahren unter dem rasanten Wachstum etwas gelitten“, gibt Hans Fleisch zu. Ein Sparprogramm wurde initiiert, um sinkende Renditen zu kompensieren.

Nach dem Tod des Hauptgesellschafters haben die Verantwortlichen in Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Stiftung auch bei kritischen Fragen als Gremien zusammengearbeitet. Dass dies so gut gelang, hatte auch damit zu tun, dass die Struktur schon lange angelegt war. „Mein Mann hat gern gesagt: ‚Stiftung muss man üben.‘“, sagt Brigitta Trox. Doch Hans Fleisch spricht auch aus, was vielleicht nicht jeder geschäftsführende Eigentümer gern hören möchte: „Die Stiftungsstruktur hat zu einer Rationalisierung der Entscheidungsfindung geführt.“ Verantwortung und Entscheidungskompetenz würden nun verteilt statt monopolisiert. Die Unternehmenskultur entwickle sich zunehmend hin zu mehr Transparenz und klaren Strukturen.

Gerade in der Zeit, als der Patriarch sich im Jahr 2001 formal in den Aufsichtsrat zurückgezogen hatte, aber de facto die Geschicke der Firma weiter lenken wollte, war dies nicht immer so. Wie gewohnt wandten sich vor allem alte Weggefährten immer noch gern an den Eigentümer, wenn es um wichtige Entscheidungen ging. Verweildauer und Erfolgsaussichten der eingesetzten Geschäftsführer waren in der Folge meist gering, eine Emanzipation des Unternehmens vom Unternehmer kaum möglich.

Radikale Veränderung der Stiftungsarbeit

„Seit die Heinz Trox-Stiftung den Großteil der Unternehmensanteile hält, haben wir einen ganz klaren Fokus auf nachhaltige, kalkulierbare Erträge“, sagt Fleisch. Dieser Fokus auf nachhaltiges Wachstum bei stabiler Rendite erklärt sich nicht zuletzt aus der Stiftungsstruktur. Denn die Rolle der Stiftung hat sich mit der Erbüberlassung der Anteile von Heinz Trox fundamental verändert. Von 1991 bis 2015 hatte die Stiftung in Summe gut 2,5 Millionen Euro an Fördermitteln vergeben – im Schnitt 100.000 Euro pro Jahr. Heute liegt ihr jährliches Budget, gespeist aus den Ausschüttungen der Trox GmbH, bei etwa 1 Million Euro.

Mehr Budget und Einfluss verlangten von der Stiftung aber auch eine Neuausrichtung ihrer Aktivitäten. Daher nahm 2016 die Heinz Trox Wissenschafts gGmbH ihre Arbeit auf. In enger Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen wird hier Grundlagenforschung für Lüftungs- und Brandschutztechnologien der Zukunft betrieben. „Die Übernahme des Thermostatherstellers Nest durch Google war erst der Anfang eines Trends, der sich als Smart Air bezeichnen lässt“, so Fleisch.

Die Umbrüche in der Branche sind die eine große Herausforderung für die Zukunft. Die zweite Herausforderung besteht darin, dass sich die Macht- und Entscheidungsverhältnisse ganz im Sinne des Unternehmens festigen. Das Machtvakuum, das Heinz Trox hinterlassen hat, wird jetzt von Hans Fleisch gefüllt.

Info

Trox: Transparenz schaffen

Die Trox GmbH stellt Systeme zur Belüftung und Klimatisierung von Räumen her. Das Unternehmen aus der Region Niederrhein in Nordrhein-Westfalen ist mit seinen Produkten in über 70 Ländern präsent, 3.370 Mitarbeiter setzten 2016 etwa 480 Millionen Euro um. Mit dem Tod von Heinz Trox im Jahr 2015, dem Sohn des Unternehmensgründers Heinrich Trox, gingen 94 Prozent der Unternehmensanteile in die Heinz Trox-Stiftung über, die 1991 gegründet worden war. Die restlichen 6 Prozent wurden auf ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm übertragen. Die beiden Geschäftsführer Thomas Mosbacher und Udo Jung sind bereits viele Jahre bei Trox tätig und werden vom Aufsichtsrat kontrolliert, dessen Vorsitzender Prof. Rainer Kirchdörfer ist. Über dem Aufsichtsrat sitzt der Stiftungsrat, der mit seinem Vorsitzenden Prof. Dr. Hans Fleisch darüber wacht, ob das Unternehmen dem Stifterwillen entsprechend handelt.