Thomas Riedel: Von Wuppertal in die Welt

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Thomas Riedels Geschichte als Unternehmensgründer hat viele Facetten. Zu viele, um sie in einem Text unterzubringen. Allein der Unternehmenssitz von Riedel Communications wäre eine ganze Story wert. Dieser befindet sich in Wuppertal. Immer noch. Aber nicht mehr im Haus seiner Eltern, wo alles begann, sondern auf dem ehemaligen Gelände der Quante AG, einem Telekommunikationsunternehmen, das vor allem durch seine Telefonzellen bekannt war. Die Villa der Unternehmerfamilie Quante, ebenfalls auf dem Areal, ist heute Unterkunft, Fernsehstudio sowie Hub für Workshops und kreative Treffen von Riedel Communications. Ein Sinnbild für den Wandel in Wuppertal – Telefonzelle raus, Mediennetzwerke zur Signalübertragung von Video, Audio und Daten rein. Aber dies sei hier nur eine Randnotiz.

Genauso wie der Aspekt, dass der Betrieb des berühmten Kölner Kellers, dessen Videobeweise so manchen Fußballfan in Deutschland auf die Palme bringen, und auch die Kommunikation zwischen Schiedsrichtern von Riedel Communications organisiert und gewährleistet werden. Und das in einem Sendeumfeld, in dem durch viele Geräte rund um den Fußballplatz Handynetze regelmäßig zusammenbrechen.

Von Wuppertal in den Kölner Keller: Thomas Riedel im Remote Operations Center (ROC). Von diesem werden aus dem Riedel Hauptsitz Live-Events und Sportveranstaltungen weltweit ferngesteuert und überwacht. / Foto: Henning Ross

Riedel Communications macht mit Medien-, Sport- und Unterhaltungsproduktionen und diversen Hard- und Software-Tools heute einen Umsatz von über 250 Millionen Euro und beschäftigt mehr als 1.000 Menschen an 30 Standorten. Die Wachstums- und Unternehmensstrategie, die Thomas Riedel von einem Organisator von Events in den 1980er-Jahren zu einem Kommunikationsunternehmer gemacht hat, füllt Seiten und Podcasts.

Was macht diese Serie anders? Sie erzählt sieben Kurzgeschichten. Denn Thomas Riedel und seiner Unternehmergeschichte nähert man sich nicht durchs große Ganze, sondern induktiv durch den Blick auf das Besondere, auf die Feinheiten. Diese erste Episode zeigt die Reaktion auf die größte PR-Krise der Unternehmensgeschichte.

„Die Panne“

Wir schreiben das Jahr 2011. Die Firma Riedel Communications hat sich zu einem bekannten Unternehmen gemausert. Geschäftsführer Thomas Riedel wurde vom Beratungshaus Ernst & Young als einer der „Entrepreneure des Jahres“ geehrt. Die Produktion vom „Red Bull Air Race“ gewann zudem zwei Emmy-Awards. Vor allem als Dienstleister im Bereich Kommunikationstechnik hat sich Riedel einen Namen gemacht – beispielsweise bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, den Olympischen Sommerspielen 2004 oder dem Eurovision Song Contest (ESC) 2010. Trotz allem behauptet Thomas Riedel, dass er seit der Unternehmensgründung 1987 noch nie eine Pressekonferenz gegeben hat. Das ändert sich im Mai 2011.

Was ist passiert? Beim ersten Halbfinale des ESC 2011 sitzen Millionen von Zuschauern verdattert vor den Empfangsgeräten. Stille herrscht in den Wohnzimmern Deutschlands. Zumindest zwischen den Songs, denn die Musik ist zu hören, aber die Einordnungen und Informationen, die Peter Urban und Steven Gätjen zusammengetragen haben, sind nicht zu hören. Und das nicht nur in Deutschland. Kommentatoren aus mehr als zehn Ländern, die das Event in der jeweiligen Landessprache begleiten, sind minutenlang stumm.

Hinter den Kulissen herrscht Stress. Und das nicht nur beim NDR, der für die ARD überträgt, sondern auch bei Riedel Communications. Das Wuppertaler Unternehmen liefert das technische Herzstück des Events. Nach knapp 20 Minuten, die sich für die Beteiligten im Hintergrund angefühlt haben müssen wie Stunden, ist das Problem behoben.

Heute kann Thomas Riedel darüber schmunzeln, weil es „zum Glück nur das Halbfinale war und die ‚Bild-Zeitung‘ sich erst einmal medial auf die Telekom als Schuldigen gestürzt hat und nicht auf uns“. Trotzdem hat er sich damals entschieden, zum ersten Mal mit einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit zu gehen – und damit seine Karriere aufs Spiel zu setzen. Hätte man das nicht dezent unter den Teppich kehren können? Nein, sagt Thomas Riedel. „Wir sind ganz offen damit umgegangen und haben genau erklärt, welches Gerät hinter dem Fehler steckte und was wir in Zukunft machen, um solche Ausfälle zu verhindern“, blickt Riedel zurück. Fehler-Kommunikation sei auch Marketing und jeder Fehler eine Chance.

Nach dem ESC, der beim zweiten Halbfinale und dem Finale ohne Zwischenfälle auf technischer Seite ablief, wurde Thomas Riedel zum verantwortlichen NDR-Direktor zitiert. „Ich machte mir Sorgen, dass es da einen ordentlichen Einlauf geben würde – was auch berechtigt gewesen wäre“, erinnert sich Riedel. „Aber stattdessen hat der Direktor unsere offene Kommunikation gelobt. Dass wir uns nicht verkrochen und sofort Verantwortung übernommen hätten, sei ein Zeichen dafür, dass wir auch für die Zukunft ein verlässlicher Partner sein könnten.“ Was man aus der Geschichte lernen kann: Wer offen kommuniziert, der kommt weiter als der, der still bleibt. Dem Motto bleibe er bis heute treu, sagt Thomas Riedel, denn: „Wer nicht kommuniziert, der gibt Spekulationen Raum.“

Der Nachtclub

„Wie das Berghain, aber in freundlich“, titelte „Die Zeit“ im September 2025. Ein paar Monate zuvor fragte „Der Spiegel“: „Der beste Klub Europas ist in – Wuppertal?“ Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ legte im Oktober 2025 nach und schrieb: „Der beste Sound der Welt“. Es geht um den Wuppertaler Club Open Ground, auf dessen Webseite sich im Impressum ein bekannter Nachname findet: Markus Riedel. Hat sich da jemand verschrieben? Für den Musik- und Eventbereich steht in Wuppertal doch Thomas Riedel. Richtig ist: Der Club ist ein Projekt der Brüder Thomas und Markus Riedel. Beide bringen ihre jeweilige Expertise ein: Thomas die Technik und Markus den Techno. Doch während Thomas sich schon nach der Schule selbständig gemacht hat, wagte Markus erst im Jahr 2023 mit über 60 diesen Schritt. Mit seinem Bruder Thomas im Rücken.

Der Blick nach oben: Nicht nur beim Sound bietet der Club Open Ground in Wuppertal Spektakel. / Foto: Chris Parkinson

Markus Riedel zog es nach der Schule in Richtung Berlin. Dort war er unter anderem mit Mark Ernestus am Aufbau des Labels „Hard Wax“ beteiligt, einem der ganz großen Namen der elektronischen Musik. Markus Riedel agierte dort eher im Hintergrund, auch bei anderen Projekten und Labels. Nach gut 20 Jahren in Berlin zog es ihn 2008 zurück nach Wuppertal. Dort hatte sein Bruder Thomas eine Firma für Kommunikationstechnologie gegründet.

Der Zufall bringt die Brüder 2018 unternehmerisch zusammen: Die Stadt Wuppertal schreibt den Bunker unter dem Hauptbahnhof zur kulturellen Nutzung aus. Ein Club sei für die Stadt ideal, heißt es. Thomas Riedel sieht Potential und weiß, wen er als Geschäftsführer haben will. Einen, der sich in der Welt der Musik und Clubs auskennt und eigentlich schon immer den heimlichen Wunsch hatte, einen Club zu betreiben: seinen Bruder Markus.

Der hatte sich bei vielen Locations immer am Sound gestört und weiß, wie es besser geht. Der Sound mit seiner Qualität soll im Mittelpunkt stehen, nicht dessen Lautstärke. Im Open Ground sei der Sound so gut, es rühre einen fast zu Tränen, sagte der Drum’n’Bass-DJ Mantra dem britischen „Guardian“.

Solch gut Ding will Weile haben und braucht Kapital: Sieben Jahre dauerte der Umbau. Alles von Thomas Riedel finanziert. Ein Herzensprojekt, das sich noch nicht refinanziert habe, ja, aber es sei nicht ohne strategische Komponente, sagt Thomas Riedel: „Wenn sich so ein Club in Wuppertal etabliert, wird die Stadt attraktiver, und wir als lokal dort verwurzeltes Unternehmen profitieren ebenfalls.“ Mittelgroße Städte bräuchten Leuchtturmprojekte – auch wenn sie tief unter der Erde schlummerten.

Der DJ im Mittelpunkt, aber der Sound soll nicht vergessen werden: der Club Open Ground in Wuppertal. / Foto: Zillian Mouraki & Jonas Mokosch

Das Marktglück

Um erfolgreicher Unternehmer zu sein, braucht es Timing und manchmal auch eine Prise Glück. Wie oft sind gute Ideen gescheitert, weil sie zu früh am Markt waren oder die Wirtschaftslage nicht passte? Auch der Erfolg von Thomas Riedel hat mit Timing und Glück zu tun. Ende der 1990er Jahre erwarb der Elektronikzubehörkonzern Vitec das US-Unternehmen Clear-Com, einen Anbieter für Live-Kommunikationssysteme, sowie dessen britischen Konkurrenten Drake Electronics, der ebenfalls im Broadcast-Bereich tätig war. Der deutsche Konkurrent Thomas Riedel beäugte den Deal kritisch. Würde die Transaktion die erhofften Synergieeffekte bei der Entwicklung neuer Lösungen bringen? Dann würde es für ihn im Markt schwer.

Aber im Markt für Funk- und Intercom-Technik zählt nicht nur die Größe, weiß Thomas Riedel: „Viele Aufträge kommen nicht durch klassischen Vertrieb zustande, sondern eher durch Empfehlungen. Es geht darum, die eine Chance zu nutzen und dann konstant zu liefern.“ Denn die geschlossenen Partnerschaften hielten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte.

Das Unternehmen Riedel überzeugte mit dem hauseigenen System, während Konkurrent Vitec die großen M&A-Deals nicht zu seinem Vorteil nutzen konnte. Durch die misslungene Integration der beiden Konkurrenten ging Thomas Riedel, wie er sagt, im Markt als der lachende Dritte vom Platz.

Um zu illustrieren, wie lange Partnerschaften halten, lohnt sich der Blick auf einen Kunden, den Thomas Riedel schon früh für sich gewinnen konnte. Der Auftrag, die Kommunikationslösungen für die Formel 1 in der Saison 1993 bereitzustellen, öffnete damals so einige Türen. Heute beliefert das Wuppertaler Unternehmen nicht nur die Formel 1, sondern auch die DTM, Indy-500-Teams oder die Rallye-Weltmeisterschaft. Von den Olympischen Spielen im Sommer wie im Winter ganz zu schweigen.

Der Segelsport

Seit 2019 gibt es die „SailGP Championship“. Hochleistungs-Katamarane gleiten hierbei eine Saison lang weltweit um die Wette. Die Besonderheit: Die Boote sind einheitlich gestaltet. Das soll Wettrüsten verhindern. Zudem sind die Distanzen kurz – am ersten Tag finden gleich mehrere Rennen statt, und das Event gipfelt am zweiten Tag mit dem Match-Race-Finale der besten drei Teams.

Mit sechs Booten startete die erste Saison 2019. Seit 2023 gibt es bei der „Formel 1 auf dem Wasser“, wie die SailGP auch oft beschrieben wird, ein Team aus Deutschland. Mit an Bord – zumindest auf Gesellschafterseite – ist Unternehmer Thomas Riedel. Aber das nicht allein. Er hat eine bunte Gruppe von Co-Investoren versammelt: Dazu gehören etwa Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, der Gründer der heutigen Electronic Sports League, Ralf Reichert, der Initiator des Wacken-Festivals, Holger Hübner, und seit neuestem auch der Familienunternehmer Max Viessmann.


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In den vier Jahren vor der Gründung des deutschen Teams war Riedel Communications als Technologiepartner für die Übertragung und Kommunikation der SailGP zuständig. Mit der Saison 2023 lernte Thomas Riedel das Drumherum von einer anderen Seite kennen: „Das ist für mich ein ganz neuer Aspekt. Ich blicke jetzt nicht mehr nur als Dienstleister, sondern als Gesellschafter auf ein Team und somit natürlich auch auf die Liga-Interessen.“

Thomas Riedel hat also zwei Hüte auf, manchmal auch gleichzeitig. So hat sein Unternehmen eine neue Kameralösung mit einer Art ferngesteuertem Scheibenwischer entwickelt, der die Übertragung von den Booten ermöglicht. Der TV-Regisseur drückt im Ü-Wagen auf einen Knopf, und auf dem Schiff – im Salzwasser, bekanntlich Pest für alle Technik – wischt ein Wischer die On-Board-Kamera wieder sauber. So sehen die Zuschauer wieder, was auf den Booten passiert. Und auch Riedel bekommt einen Überblick, was sein Steuermann und zweifacher Olympia-Dritter im Segeln, Erik Kosegarten-Heil, auf dem Wasser so treibt.

Die Schulzeit

Thomas Riedel und die Schule? Diese Beziehung kann man wohl am besten mit dem guten, alten Facebook-Status beschreiben: „Es ist kompliziert.“ Als grauenhaft soll der Unternehmer einst seine damaligen Englischkenntnisse beschrieben haben. Im Wuppertal der späten 1970er und frühen 1980er ließen sich zudem einige Lehrkräfte zum Fazit hinreißen: Aus dem jungen Thomas werde nichts. Zweimal blieb er sitzen. Durch das Abitur schlitterte er mit Ach und Krach. Durchschnittsnote am Ende: eine annehmbare, aber sicher keine überzeugende 3,9. Wobei die Schulzeit auch ihre Sonnenseiten hatte: Bei Schulpartys war Thomas Riedel, so erzählt man sich, immer dabei. Nicht unbedingt unter den Feierwütigen, sondern als Organisator der Licht- und Tontechnik.

Heute sind seine Englischkenntnisse mehr als akzeptabel, hat Riedel Communications doch Geschäftspartner aus aller Herren Länder. Und dass man trotz kriselnder Beziehung zur Schule erfolgreicher Unternehmer werden kann, zeigt nicht nur das Beispiel Thomas Riedel. Was er persönlich aus seiner Schulzeit mitgenommen hat: Unter dem Dach seines Unternehmens sollen sich verschiedene Berufsgruppen und Bildungswege mischen, genauso wie sich in den unterschiedlichen Schultypen Menschen verschiedenen Alters, Nationalitäten und Lebensgeschichten mischen.

Und für die einst bei ihm unbeliebte Schullandschaft in Wuppertal und Umgebung setzt sich Thomas Riedel heute unternehmerisch ein. 2022 übernahm er den Internet-Service-Provider -Tal.de, der unter anderem Schulen im Bergischen Land mit Internet versorgt. Die Digitalisierung solle in großen Schritten vorangetrieben werden, sagte Thomas Riedel damals, um Wuppertal als Standort für Unternehmen, aber auch für internationale Veranstaltungen attraktiver zu machen. Und vielleicht auch, damit auf den Schulpartys heutzutage die Musik nicht stockt.

Der Blumenladen

Feiertage bei Familie Riedel aus Wuppertal waren immer ein bisschen stressiger als bei anderen Familien. Wenn man wie die Eltern von Thomas Riedel einen Blumenladen besitzt, kommt neben der eigenen familiären Dimension an Weihnachten und Ostern noch eine weitere dazu. „Man arbeitet, wenn andere entspannen“, beschreibt Riedel die Gemengelage seiner Jugend. Seine Eltern, vor allem sein Vater, verbrachten die Zeit an und vor Feiertagen bis tief in die Nacht im Laden. Diese Hingabe suchte ihresgleichen, findet der Sohn. „Es ging immer darum, länger schön auszusehen als die Konkurrenz, weil das auf die eigene Reputation einzahlt.“ Selbstredend, dass er als kleiner Knirps Kunden die Tür aufhält, weil Familie Riedel mehr verkauft als nur Blumen. Den Spirit nimmt sich der kleine Thomas zu Herzen – und tritt als Jugendlicher als Zauberer auf. Vor allem in der Gemeinde weiß er zu beeindrucken. „Dabei war das nichts Spektakuläres. Als Zauberer verkauft man sich selbst mehr als die eigentlichen Tricks“, findet Thomas Riedel.

Das habe ihm in der Anfangszeit auch im Unternehmerischen geholfen: sich selbst gut zu verkaufen. Obwohl das Selbstverständnis seiner Eltern in manchen Situationen auch hinderlich gewesen sei, wie er zugibt. Riedel Communications ist seit jeher aus Gewinnen selbst finanziert. Das kommt, weil Thomas Riedel das Unternehmen wie einen Blumenladen führt. Denn von Beteiligungskapital und Ähnlichem wusste er lange nichts. „Wenn man was braucht, kann man von der Bank Geld holen, wie es meine Eltern getan haben, das war mein Ansatz“, sagt Riedel. „Ich dachte einfach, man hat gar keine andere Möglichkeit für Wachstum, als immer Gewinne wieder zu investieren. Die Private-Equity-Welt war mir lange Zeit komplett fremd.“

Heute weiß er mehr. Ab und an klopft ein Investor an, der ihm etwas von seinen Unternehmensanteilen abnehmen möchte, erzählt er. Aber: „Dieses Exit-Denken und das Kurzfristige an diesem Finanzierungsmodell passt nicht auf mich“, sagt Riedel. „Ich hätte es bestimmt einfacher haben können, wenn ich jemanden von außen in den Gesellschafterkreis geholt hätte, als es die eine oder andere Hürde gab. Aber das kann großen Einfluss auf das Selbstverständnis und die Gangart haben.“

Die Unternehmensnachfolge

Thomas Riedel möchte, dass Riedel Communications auf jeden Fall in den Händen seiner Familie bleibt. „Ich habe bei einem befreundeten Unternehmer gesehen, wie ein Verkauf schmerzen kann und die Familie aus der Bahn wirft“, erzählt er in seinem Büro in Wuppertal. Eines ist ihm aber wichtig: Er möchte das Unternehmen im Operativen von sich unabhängiger machen.

Was die Kapitalseite und die Vermögensnachfolge angeht, wird es schon schwieriger. Thomas Riedel, der sich als einer der wenigen Unternehmer in Deutschland als schwul bezeichnet, hat zwei Adoptivsöhne, die beide im Unternehmen arbeiten. Aber beide haben bereits das Erbe ausgeschlagen und verzichten auf ihren Pflichtanteil. „Sie wollten nicht, dass die Adoption falsch verstanden werden kann“, sagt Riedel. Seine Söhne stammen nicht aus Deutschland.

Was wird also mit den Gesellschafteranteilen passieren? Alles, nur nicht der Verkauf, ist sein Mantra. Eine Stiftungslösung könne er sich als Vehikel auf der Vermögensseite vorstellen. Aber in einer Form, in der der Einfluss der Familie auf die Unternehmensstrategie gewahrt werden könne, sagt Riedel, der vier Geschwister hat. Und was, wenn die Großfamilie doch die Unternehmensanteile, die die Stiftung dann hält, abgeben will? Dafür hat der Unternehmer schon eine Lösung parat: Verkauf nur, wenn Einstimmigkeit herrscht. „Sich auf etwas Konkretes zu einigen, das werden die alle nicht hinbekommen“, sagt Thomas Riedel und lacht.

Hat Internationalen Journalismus in Magdeburg studiert. Schrieb schon davor für die Südwest Presse in seiner Heimat Ulm. Sammelte zudem Auslandserfahrung bei der Allgemeinen Zeitung in Windhoek, Namibia, sowie bei Kwanza TV in Daressalam, Tansania. Seit 2017 Redakteur bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA und Mitglied im Redaktionsteam des wir-Magazins.