Hans Schöpflin, die Schöpflin-Stiftung engagiert sich unter anderem für Suchtprävention bei Jugendlichen. Warum?
Unser Sohn wurde ein Drogenopfer: Er starb 1995 an einer Überdosis. Zu diesem Zeitpunkt war ich als Unternehmer in den Vereinigten Staaten erfolgreich. Plötzlich musste ich mir die Fragen stellen: Wie erfolgreich bin ich wirklich? Was ist der Sinn des Geldes, das ich verdiene? In der Folge habe ich zwei Stiftungen gegründet: zuerst die Förderstiftung Panta Rhea Foundation in Kalifornien, 2001 dann in Deutschland die Schöpflin-Stiftung, gemeinsam mit meinen Geschwistern Heidi und Albert. Unser Ausgangspunkt war das Thema Prävention, also das Eingreifen, bevor es überhaupt zur Abhängigkeit kommt. Inzwischen haben wir die Arbeit der Schöpflin-Stiftung auch auf die Bereiche Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement erweitert.

Die Verbindung ist für mich vor allem ideell. Als Unternehmersohn war ich immer darauf vorbereitet worden, die Leitung der Firma zu übernehmen. Der Unternehmensverkauf änderte das, und ich ging nach Amerika, um eine neue Aufgabe zu finden. Ich bin meinen Großeltern dennoch sehr dankbar: Sie haben mit nichts angefangen, hart gearbeitet und sind erfolgreich geworden – das war für mich ein wichtiger Ansporn. Erst später kam die Erkenntnis hinzu, dass Geld kein Selbstzweck ist. Der finanzielle Grundstock für die Stiftung stammt von mir, nicht aus dem Verkauf von damals. Meine Geschwister, die auch im Beirat der Stiftung sitzen, haben zugestimmt, ihre Anteile am Anwesen unserer Eltern einzubringen.
Sie haben kürzlich bekanntgegeben, in Kooperation mit dem Recherchebüro Correctiv das „Haus des gemeinnützigen Journalismus“ zu unterstützen. Wie passt das zu den bisherigen Projekten der Stiftung?
Wir waren und sind seit langem Förderer von Correctiv. Zu unserem Engagement im Bereich Zivilgesellschaft gehört auch die Frage: Was braucht eine funktionierende Demokratie? Und dazu gehört gemeinnütziger, investigativer Journalismus. Wir wollen jungen Menschen dabei helfen, ein waches, kritisches Bewusstsein für die Welt zu entwickeln. Zudem habe ich mit der Panta Rhea Foundation in Amerika viel Erfahrung in der Unterstützung von NGOs gesammelt. Da lag es nahe, auch unsere Projektarbeit bei der Schöpflin-Stiftung damit zu ergänzen.
Hat Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte in Mainz und Paris studiert. Kam über die Kulturberichterstattung zur Tageszeitung. Seit 2007 Redakteurin in der F.A.Z.-Gruppe, seit 2015 fester Teil der wir-Redaktion, wo sie die Produktion des Magazins, das Programm der „wir-Tage“ und den Podcast verantwortet.

