Gerade in unserer Branche geht Beruf oft ins Private über. Wir Auktionatoren beschäftigen uns mit den schönen Dingen der Welt. Das Kunsthaus Lempertz ist das älteste Auktionshaus der Welt in Familienbesitz, und ich bin Teil der sechsten Generation. Vom Netzwerk der Generationen profitieren wir natürlich. Mit vielen Sammlerfamilien sind wir über Generationen verbunden, und zahlreiche Werke wurden schon von meinem Großvater oder Urgroßvater versteigert. Es ist immer eine besondere Freude, aber auch sehr alltäglich, dass wir Briefe oder Berichte über Freundschaften zum Hause Lempertz oder der Familie lesen oder hören. Gerade im Bereich der Kunst ist Vertrauen ein wichtiges Thema. Das Netzwerk eines Familienunternehmers ist sicherlich sein größtes Pfund, und eine der größten Herausforderungen ist es, dieses durch die enge Zusammenarbeit in der Familie an die nächste Generation weiterzugeben.
Doch so, wie ein Unternehmer sein Netzwerk stetig aufbaut, muss dies auch der Nachfolger tun. Denn das ist der zweite Teil der Gleichung: Die Übergabe des Netzwerks gepaart mit der Fähigkeit, eigene Bindungen zu knüpfen, ist der Schlüssel zu unserem Erfolg. Als Kombination ist das übrigens ein Prozess, der viel Zeit benötigt und der daher nie zu früh angefangen werden kann.
Ganz bewusst bin ich zum Einstieg nicht ins Stammhaus nach Köln gegangen. Es war mein zweites Zuhause: Dort hätte ich ein Heimspiel gehabt. Trotzdem war es mir wichtig, eine eigene Position aufzubauen. Meine Eltern waren noch sehr jung, als ich anfing, voll bei Lempertz tätig zu sein. Ich wollte nicht als die Tochter wahrgenommen werden, sondern mir ein eigenes Standing aufbauen. Mein Start im Familienunternehmen begann daher vor 16 Jahren in München. Einige Zeit war ich dann als Repräsentantin in der Schweiz, bevor ich 2012 die Leitung des Berliner Standortes übernahm. Was für ein spannender Kunst-Ort Berlin ist! Hier habe ich den Standort und ein eigenes Netzwerk aufgebaut. Das war am Anfang viel Arbeit, macht aber in einer Stadt wie Berlin mit ihrer offenen Gesellschaft sehr viel Freude, und heute bin ich stolz auf die Stellung unseres Unternehmens in der Hauptstadt.
