Fast genau vor 50 Jahren, also im Jahr 1976, wurde ich in den Gesellschafterausschuss gewählt, dem ich 33 Jahre lang angehörte, bevor ich 2009 ausschied. Zu meiner Nachfolgerin als Vorsitzende des Gesellschafterausschusses sowie als Vorsitzende des Aufsichtsrats der Henkel AG & Co. KGaA wurde Dr. Simone Bagel-Trah gewählt, zu ihr habe ich nach wie vor ein sehr gutes vertrauensvolles Verhältnis. In der ersten Zeit nach 2009 war ich ihr als Ratgeber eng verbunden. Das hat sich natürlich mit der Zeit gewandelt.
Eine offizielle Funktion in den Gremien unserer Unternehmerfamilie und des Unternehmens habe ich nicht mehr. Ich nehme jedoch nach wie vor an allen Familien- und Stammesbesprechungen teil. Derweilen bin ich – zusammen mit einer Cousine – das älteste Familienmitglied; wir beide haben das 90. Lebensjahr vollendet.
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Die Entwicklung von Henkel verfolge ich natürlich nach wie vor sehr interessiert. Zu aktuellen Unternehmensfragen äußere ich mich bewusst nicht: Hierfür fehlen mir die entsprechenden Unterlagen, die ich in meiner heutigen Rolle naturgemäß nicht mehr erhalte. Und ehrlich gesagt, wäre es mir heute auch zu aufwendig und kompliziert, diese eingehend zu studieren.
Natürlich hatte ich gehofft, nach meinem Ausscheiden noch um Rat gefragt zu werden. Ich trage ja einen großen Erfahrungsschatz aus meinen drei Jahrzehnten im Gesellschafterausschuss in mir. Das hat sich nun auch so ergeben: Innerhalb der Familie werde ich zu vielen Aspekten um Rat gefragt. Der Umgang in der Familie ist freundschaftlich und kameradschaftlich. Natürlich gibt es auch Meinungsverschiedenheiten; diese werden professionell abgearbeitet.
Wie war es früher bei Henkel, Albrecht Woeste?
Als Mitglied der vierten Generation habe ich nicht nur ein gutes Verhältnis zur fünften, sondern auch zur sechsten Generation. Oft werde ich gefragt: „Wie war das denn früher?“, oder: „Wie wurde das damals geregelt?“ Vieles wird den jüngeren Familienmitgliedern erst durch meine Erzählungen verständlich. Selbst der Vorstand wendet sich gelegentlich an mich, wenn es darum geht, einzelne Entwicklungen der Vergangenheit besser zu verstehen, etwa warum sich ein bestimmter Auslandsstandort so und nicht anders entwickelt hat. Das Interesse an der Geschichte des Unternehmens scheint vor allem dann zu entstehen, wenn Berichte aus der Vergangenheit dazu beitragen, die aktuelle Situation besser zu verstehen.
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Die Familie ist nach wie vor in drei Stämmen organisiert, und der Stimmrechtsbindungsvertrag besteht weiterhin. Die drei Stämme tagen dreimal im Jahr gemeinsam in der sogenannten Familienbesprechung, und jeder Stamm trifft sich zusätzlich dreimal vorab. Ich bin Mitglied des anteilsmäßig kleinsten Stammes, zahlenmäßig sind wir jedoch die größte Gruppe. Langeweile kenne ich nicht. Manchmal denke ich: „Jetzt mache ich erstmal nichts mehr, sollen sich doch die anderen darum kümmern.“ Aber dann rufe ich doch den einen oder anderen Gesellschafter an, um mit ihm anstehende Fragen zu erörtern. Die Arbeit und der Umgang mit der Familie und der Firma bereiten mir noch immer große Freude. Beide wachsen erfolgreich in die Zukunft.
