Barbie, Birkenstock, Börsengang

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Wer „Barbie Film“ in die Suchmaschine Google eingibt, staunt nicht schlecht: Die Startseite der Suchmaschine ändert die Farbe, blinkt wild und wird pink. Der Hype schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Über eine Milliarde Dollar hat der Film an den Kinokassen eingespielt. Profitieren könnte durch den Barbie-Streifen auch ein ehemaliges deutsches Familienunternehmen: Birkenstock.

Im Film haben Birkenstocks– natürlich in pinker Farbe – ihren großen Auftritt, als die Titel-Figur ihre traditionellen High Heels gegen deutsche Gesundheitsschuhe umtauscht. Der deutschen Marke gelingt damit ein PR-Coup, denn Barbie-Fans aus aller Welt wollen es der Leinwandfigur gleichtun und Birkenstocks kaufen.

Birkenstock und Barbie: Pink gefärbt an die Wall Street?

Schon lange kursieren Gerüchte, dass die neuen Mehrheitsgesellschafter die deutsche Traditionsmarke an die Wallstreet bringen wollen. „An der Börse verkauft man schließlich seine Zukunftsvision“, sagt Dr. Julian Schulze De la Cruz, Co-Leiter der Praxisgruppe Kapitalmarktrecht und Partner am Frankfurter Standort der Wirtschaftskanzlei Noerr. Birkenstock will sich in den kommenden Jahren im höherpreisigen Segment etablieren. Da sei der Auftritt in Barbie ein Coup für die Marke, denn der Barbie-Lifestyle passe genau zu dieser Strategie.

Laut Handelsblatt könnte das IPO schon im September vonstattengehen. Wenn man sich die Bewertungen von Birkenstock im Moment anschaut, die vom prominenten Auftritt im Film und der folgenden Nachfrage geprägt sind, wäre das sehr gutes Timing. Anfang Juli, ein paar Wochen vor Filmstart, schätzte Bloomberg das Volumen eines Birkenstock-IPO auf rund 6 Milliarden Euro. Vier Wochen später und unter dem Eindruck des Filmauftritts der Marke sprechen die Finanzexperten von Bloomberg schon von 8 Milliarden, die an der Wall Street möglich seien. Mancherorts findet man sogar zweistellige Prognosen.

„Die Beteiligten haben sicherlich darauf gehofft, dass die Marke im Film vorkommt und das der Bewertung hilft, aber dass so ein Hype ausbricht, damit konnte niemand rechnen“, sagt Schulze De la Cruz. Perspektivisch plane man einen Börsengang circa 1 bis 1,5 Jahre im Vorlauf. Da die Dreharbeiten des Films im März 2022 begannen, konnte man zu dieser Zeit noch nicht absehen, dass der der Film ein derartiger Erfolg sein würde.

Catterton, LVMH und Birkenstock

Geht es bald an die Börse, wird die Unternehmerfamilie hinter der 1774 gegründeten Marke nur noch mit einem kleinen Anteil profitieren. Vor knapp zwei Jahren haben die Vertreter der Familie Birkenstock – Alexander und Christian Birkenstock, der dritte Bruder war schon ausgestiegen – die Mehrheit der Gesellschafteranteile an den Unternehmer Bernard Arnault und an die französisch-amerikanische Beteiligungsgesellschaft L. Catterton verkauft. Arnault selbst ging den Deal über seine Familienholding Financière Agache ein, ist aber auch an Catterton beteiligt.

Man könne davon ausgehen, dass L. Catterton als PE-Investor typischerweise daran interessiert sein dürfte, seine Anteile beim oder nach dem Börsengang komplett zu veräußern, prognostiziert Schulze De la Cruz. „Als Private-Equity-Investor ist man üblicherweise daran interessiert, den mit dem Investment angestrebten Gewinn bereits beim Exit-Event oder im unmittelbaren Nachgang zu realisieren.“

Was machen die Familienunternehmer?

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, wie Privatier Arnault und die Birkenstocks selbst mit potenziellen Verkaufsmöglichkeiten über die Börse umgehen. Schulze De la Cruz kann sich vorstellen, dass die deutschen Familienunternehmer perspektivisch weiterhin beteiligt bleiben. Eventuell könnte man den Börsengang aber auch dazu nutzen, um zumindest teilweise von einer möglicherweise attraktiven Bewertung der Aktie zu profitieren.

Was Arnault selbst angeht, kann ebenfalls nur spekuliert werden. Wenn sich Birkenstock tatsächlich im höherpreisigen Segment etablieren will, würde die Marke gut ins Portfolio der börsennotierten Holding LVMH passen. Daran hält die Unternehmerfamilie rund 48 Prozent der Anteile, aber durch eine besondere Regelung im französischen Börsenrecht knapp 64 Prozent der Stimmrechte.

Der Name Birkenstock würde dann in der Holding des französischen Milliardärs neben Titeln wie Bulgari, Hennessy, Moët & Chandon, Louis Vuitton und auch Givenchy laufen. Letztere Marke hat 1999 eine limitierte Barbiepuppe im Stil des Designers auf den Markt gebracht. Die Puppe trägt unter dem langen Kleid High Heels. Die Barbiepuppe der Zukunft vielleicht aber – wie im Film – Gesundheitsschuhe made in Germany.

Hat Internationalen Journalismus in Magdeburg studiert. Schrieb schon davor für die Südwest Presse in seiner Heimat Ulm. Sammelte zudem Auslandserfahrung bei der Allgemeinen Zeitung in Windhoek, Namibia, sowie bei Kwanza TV in Daressalam, Tansania. Seit 2017 Redakteur bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA und Mitglied im Redaktionsteam des wir-Magazins.