Gemeinsam mit anderen Familien zu investieren kann viele Vorteile haben. Dennoch sind Club Deals eher die Ausnahme als die Regel.

Club Deals sind in aller Munde. Viele Single Family Offices sind derzeit auf der Suche nach gleichgesinnten Partnern für Direktinvestitionen. Vor allem Vermögensinhaber mit einem unternehmerischen Hintergrund möchten vermehrt unternehmerisch investieren und auf die Entwicklung ihres Investments Einfluss nehmen. „Früher haben die Unternehmer ihr Geld in Private-Equity-Fonds gesteckt, heute machen sie es lieber selbst“, sagt Dr. Kai Kunze, Single Family Officer der Peter Möhrle Holding (ehemals Eigentümer der Baumarktkette Max Bahr).

Seit 2010 investiert Kunze für die Familie Peter Möhrle in mittelständische Unternehmen und Immobilien. „Wir wollen gestalten und aktiv mit dem Management zusammenarbeiten“, sagt Kunze. Er würde gern auch gemeinsam mit anderen Familien investieren, denn so ließen sich größere Transaktionen realisieren. Zudem ist es aus Risikogesichtspunkten sinnvoll, mit Partnern zu investieren, die im Idealfall über ein komplementäres Netzwerk und Erfahrung in der entsprechenden Branche verfügen. Letztlich sprechen für Club Deals auch geringere Kosten für die Transaktion und das Management der Direktinvestments. Doch bislang hat Kunze weder das geeignete Unternehmen noch die richtigen Partner für einen Club Deal gefunden.

Investitionshürden

„Alle reden über Club Deals, aber tatsächlich umgesetzt werden nur wenige“, sagt Alexander von Boehm-Bezing vom Multi Family Office Tresono. Von Boehm-Bezing hat zuletzt zwei Club Deals mit Mandaten durchgeführt. Als ehemaliger Mitarbeiter einer Bank, die Club Deals initiiert, weiß er um die Hürden des gemeinsamen Investierens: Die Hauptschwierigkeit sei, Investoren zu finden, die möglichst homogen seien. Diese sollten sich nicht nur finanziell auf gleicher Augenhöhe begegnen, sondern müssten sich auch beim Thema Haltedauer und Risiko einig sein. „Jeder Investor hat seine eigenen, ganz konkreten Vorstellungen“, sagt von Boehm-Bezing. Häufig sorge auch die Frage, wer das Sagen haben soll, dafür, dass eine Transaktion nicht zustande komme. Thorsten Gohlke von Gohlke Family Equity nennt das die „Alphatier-Problematik“. Er verwaltet unternehmerische Direktbeteiligungen für Unternehmerfamilien und sieht die Herausforderung von Club Deals vor allem in den Themen Mitbestimmung und Exit: Wie sieht es mit den Mitspracherechten des Minderheitsinvestors aus? Wer darf unter welchen Voraussetzungen verkaufen und zu welcher Bewertung? Wie sieht es mit den Kapitalnachschusspflichten aus? „Werden diese Fragen nicht von vorneherein im Rahmen der Transaktionsstruktur beantwortet, sind Probleme programmiert“, sagt Gohlke.

Idealtypus: Family and Friends

Einer, der gute Erfahrungen mit Club Deals gemacht hat, ist Patrick Zimmermann von Zimmermann-Investment (Familie Zimmermann, ehemalige Inhaber des Wurstherstellers Zimbo). 2005 haben die Zimmermanns ihren ersten Club Deal gemacht. Zuvor hatten sie bereits einige Erfahrung mit Direktbeteiligungen gesammelt. Vor acht Jahren ergab sich dann die Gelegenheit, gemeinsam mit Bekannten aus dem direkten Umfeld ein größeres Investment zu tätigen – zunächst als Mehrheitsinvestor, später als Minderheitsinves – tor. Sie gründeten eine Grundstücks- und eine Betreibergesellschaft und kauften nach und nach Grundstücke in Rumänien zur landwirtschaftlichen Nutzung. „Es hat sich gelohnt“, sagt Zimmermann. „Wir sind heute einer der größten Landbesitzer in Rumänien.“

Inzwischen hat Zimmermann-Investment vier Club Deals gemacht. Wurden die ersten Transaktionen noch ausschließlich mit „Family and Friends“ abgeschlossen, so haben die Zimmermanns ihre Co-Investoren für die jüngsten Transaktionen über einen spezialisierten Corporate- Finance-Berater gefunden. Für die Familie Zimmermann ist es kein Problem, die Rolle eines Minderheitsinvestors zu übernehmen: „Wichtig ist uns, dass wir an der Entwicklung des Unternehmens teilhaben können und unsere Meinung und Empfehlungen berücksichtigt werden“, sagt Zimmermann, der die Beteiligungen gemeinsam mit seinem Vater, seinem Bruder und drei Mitarbeitern managt. Gleichzeitig müsse man sich aber auch seiner Grenzen bewusst sein, sagt er. Das bedeutet: Das letzte Wort hat der Mehrheitsinvestor, und sich ins Tagesgeschäft einzumischen ist tabu. Auch einen erfolgreichen Exit kann die Familie schon vorweisen. An einem Exit-Szenario für die Grundstücksgesellschaft in Rumänien wird demnächst gebastelt. Zimmermann könnte sich einen Fonds vorstellen, der auch von anderen Inves – toren gezeichnet werden kann.


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Entwicklung des Club-Deal-Interesses

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Quelle: Brückner, Y. (2013). Family Office der Zukunft: Direktanlagen und Club Deals. BW-Bank.

 


Investieren mit Multi Family Offices

Da nur die wenigsten Investoren in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis die richtigen Partner finden, haben sich viele Unternehmerfamilien unter dem Dach von Investmentvehikeln zusammengeschlossen, dass können beispielsweise Multi Family Offices (MFO) sein. Das hat den Vorteil, dass nicht bei jeder Investmentgelegenheit neue Co-Investoren gesucht werden müssen. Zudem übernimmt das Management des MFO die Identifizierung der Targets, die Vorselektion und Strukturierung des Prozesses sowie das Management der Beteiligungen. Beispielsweise haben sich unter dem Dach einer Münchner Holding, die namentlich nicht genannt werden möchte, acht traditionsreiche Unternehmerfamilien aus unterschiedlichen Branchen zusammengeschlossen, um gemeinsam in Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 30 Millionen und 300 Millionen Euro zu investieren.

Dabei können die Familien bei jedem einzelnen Investment entscheiden, ob und in welcher Höhe sie sich beteiligen wollen. Für jedes Investment wird eine eigene Gesellschaft gegründet, das MFO tritt dabei als Lead-Investor auf. Bislang sind auf diesem Wege vier Transaktionen zustande gekommen. Wann und zu welcher Bewertung sich die Unternehmerfamilien aus den Investments zurückziehen können, ist nicht ausdrücklich geregelt. Ziel ist es, die Unternehmen über Generationen zu halten.

Co-Investments mit Private Equity

Ganz anders geht es zu, wenn Private Equity mit im Spiel ist. Die Investitionsprozesse werden von Anfang an klar strukturiert und Exit-Zeiträume und -szenarien festgelegt. Gohlke hat zwei Club Deals unter der Einbindung von Private- Equity-Investoren umgesetzt. Er findet die Kombination aus Private-Equity-Geber und Unternehmerfamilien ideal, wenn die Familie keine eigene Verantwortung für das Investment übernehmen will: Der Private-Equity-Investor könne als Profi die Transaktionsbedingungen mit dem Verkäufer viel besser verhandeln als ein in dieser Sache unerfahrenes Single Family Office, auch im Hinblick auf die Rechte des Minderheitsinvestors. Die Unternehmerfamilien, vertreten durch ihre Single Family Offices, seien auf der anderen Seite Experten, wenn es um Branchenwissen gehe. Zudem sei es für einen Private-Equity-Investor häufig einfacher, entsprechende Zielunternehmen zu identifizieren, da er über die notwendigen Kapazitäten und das Know-how verfüge.

Doch viele Unternehmerfamilien wollen sich nicht gern in die Rolle des passiven Minderheitsinvestors begeben, die in der Regel bei Private-Equity-geführten Beteiligungen vorgesehen ist. Sie wollen selbst entscheiden und mitbestimmen. Das ist für sie der besondere Mehrwert eines Club Deals. Die Kehrseite der Medaille: Die Frage der Mitbestimmung kann schon im Vorfeld zum größten Hindernis werden, so dass es erst gar nicht zum Abschluss einer Transaktion kommt. Außerdem ist das Auffinden, Selektieren und Bewerten potentieller Zielunternehmen und potentieller Co-Investoren zeit- und kapitalintensiv.

Dass sich diese Hürden dennoch immer wieder überwinden lassen, machten im April dieses Jahres die Familien Reimann (Deutschland), Van Damme (Belgien) und Santo Domingo (Kolumbien) vor. Sie beschlossen unter der Federführung des Investmentvehikels der Familie Reimann Joh. A. Ben ckiser, kurz JAB, den niederländischen Kaffee- und Tee hersteller D.E Master Blenders 1753 für einen Kaufpreis von 7,5 Milliarden Euro zu übernehmen. Gemeinsam wollen die Käufer knapp 5 Milliarden Euro an Eigenkapital aufbringen.

Info

Studie: Family Offices wollen Club Deals

Das Interesse von Family Offices an Club Deals nimmt zu. Zu diesem Ergebniss kommt eine aktuelle Studie zum Thema Direktinvestments und Club Deals, die Yvonne Brückner, Professorin für Finanzwirtschaft an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg mit Unterstützung der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank) durchgeführt hat. Die Analyse basiert auf den Antworten von 60 Family Offices (davon 22 Single Family Offices), die an dem von Brückner 2010 initiierten Family Office-Panel teilnehmen. Über 80 Prozent der Befragten haben bereits praktische Erfahrungen mit Club Deals gesammelt, vor allem mit Immobilieninvestments (67 Prozent) und unternehmerischen Direktbeteiligungen (62 Prozent), aber auch mit Agrarinvestments (23 Prozent). Für die Mehrheit (53 Prozent) der Panel-Mitglieder hat sich das gemeinsame Investieren bislang generell gelohnt, für 27 Prozent zumindest teilweise. Lediglich eine kleine Minderheit von 3 Prozent hat schlechte Erfahrungen mit Club Deals gemacht.

Vor allem die im Vergleich zu geschlossenen Fonds höhere Transparenz, die Nähe zum Anlageobjekt und den weitreichenden Gestaltungsspielraum schätzen die Investoren. 29 Prozent der Befragten übernehmen gern die Rolle des Lead-Inves tors, 5 Prozent machen dies sogar zur Bedingung. Über die Hälfte der Family Offices (53 Prozent) hat keine generelle Präferenz im Hinblick auf ihre Investorenrolle. Eine Hauptschwierigkeit für Direktanlagen und Club Deals sieht die Autorin der Studie auf absehbare Zeit im effizienten Matching von Käufern und Verkäufern einerseits sowie von Investmentpartnern andererseits.

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