Stoschek verordnet Brose-Führung eine Radikalkur

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Einen gründlichen Umbau seiner Chefetage hat Michael Stoschek bei der Brose SE vorgenommen. Der 76 Jahre alte Gesellschafter und Enkel des Firmengründers Max Brose setzte sich von der Spitze des Aufsichtsrats in den Vorsitz des Verwaltungsrats. Sohn Maximilian Stoschek wird auch im neuen Gremium Stellvertreter seines Vaters, zudem bleibt er Vorsitzender der Gesellschafterversammlung. Ausdrücklich weist Brose auf den Wechsel der SE vom dualistischen (mit Vorstand und Aufsichtsrat, ähnlich wie bei einer AG) zum monistischen Modell hin – hier leitet der Verwaltungsrat das Unternehmen.

Das hat zur Folge, dass die Vorstände von Brose zu Geschäftsführenden Direktoren ihrer Ressorts umbenannt wurden. Mit dieser Konstruktion war Vorstandschef Dr. Philipp Schramm nicht einverstanden, er hatte die Bestellung zum Vorsitzenden der Geschäftsführenden Direktoren abgelehnt. Seit dem 2. Oktober gehört er nicht mehr der Geschäftsführung an. Zu seinem Nachfolger als CEO des Unternehmens wurde nun Stefan Krug bestellt. Er übernimmt neben seinen Aufgaben als Geschäftsführender Direktor Produktion auch die Gesamtleitung des Unternehmens. Stefan Krug ist seit 1998 für Brose tätig und war auch Assistent Michael Stoscheks.

In einer persönlich gezeichneten Erklärung bezeichnet Michael Stoschek als Gründe für die Änderung „die mangelnde Führungs- bzw. Entscheidungsfähigkeit durch das fehlende Weisungsrecht der Eigentümer gegenüber dem Vorstand und des Vorstandsvorsitzenden gegenüber den übrigen Vorstandsmitgliedern. Diese Bürokratie lähmte die Organisation und die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Gesellschaftern und Geschäftsführung.“

Stoschek kämpft mit schwieriger Marktlage

Die Ursache der Umorganisierung des Unternehmens dürfte in der wirtschaftlichen Krise der Automobilzulieferer zu finden sein. Bereits 2023 hatte Michael Stoschek die unzureichende Rendite bei Brose beklagt. In der Folge ersetze er den damaligen CEO Ulrich Schrickel durch den jüngst ausgeschiedenen Dr. Philipp Schramm. Dieser sollte das Unternehmen „in schwierigen Zeiten wieder auf Erfolgskurs“ bringen.

Auch das Kontrollgremium blieb nicht verschont. Nach nur zwei Monaten im Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Brose SE hatte bereits Anfang Juli 2024 Dr. Rolf Breidenbach sein Mandat niedergelegt. Michael Stoschek übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat. Als Grund für den Wechsel wurden unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens genannt. Breidenbach gehörte dem Beirat des Familienunternehmens seit 2022 an.

Die Brose SE mit Hauptsitz in Coburg zählt mit einem Umsatz von rund 8 Milliarden Euro und 32.000 Mitarbeitern zu den zehn größten Automobilzulieferern in Deutschland. Das Unternehmen ist weltweit in 24 Ländern vertreten. Allerdings befand sich, wie vom Unternehmen vergangenes Jahr selbst kommuniziert, die Umsatz- und Kapitalrendite mit 1,1 beziehungsweise 1,7 Prozent auf einem „absolut unbefriedigenden Niveau“.