Je größer ein verwaltetes Vermögen ist, desto mehr sollte es entlang langfristiger Werte und Ziele strukturiert sein. Ein Family Office dient als Scharnier für große Gesellschafterkreise, und digitale Tools sorgen für transparenten Zugriff.

Wer aktuell Vermögen verwalten und möglichst gewinnbringend anlegen möchte, erlebt unruhige Zeiten: In der Ukraine herrscht Krieg, die Inflation steuert auf zweistellige Werte zu, und die Niedrigzinsphase nähert sich langsam, aber sicher dem Ende. Die Folge: Aktienmärkte sind weltweit auf Talfahrt, und das Schreckgespenst der Rezession geht um.

Stephan Gerwert, Leiter Family Office Services, PwC Deutschland

Stephan Gerwert, Leiter Family Office Services, PwC Deutschland / Foto: PwC

Für Unternehmerfamilien sind die Rahmenbedingungen dadurch nicht weniger komplex: Mit steigendem Alter ihres Unternehmens wächst der Gesellschafterkreis und mit ihm oftmals die Internationalität der Mitglieder. Dazu kommt, dass viele Unternehmerfamilien ihr Vermögen erfolgreich mehren konnten und nun vor der Frage stehen, wie sie dieses strategisch sinnvoll, langfristig und möglichst nachhaltig anlegen können: Aktien und Anleihen oder Direktinvestitionen in Immobilien oder Start-ups? Gold oder Krypto?

Es gibt viele attraktive Anlageklassen, auf die sich das Vermögen aufteilen lässt. Wichtig ist, das Portfolio systematisch und zielgerichtet zu strukturieren und dabei nicht alles auf eine Karte zu setzen. Liquide Anlagen in Aktien oder Anleihen sind flexibel und schnell aufgebaut, unterliegen aber einer hohen sichtbaren Volatilität – gerade in Krisenzeiten kann das gefährlich sein. Investitionen in Immobilien oder Private Equity sind andererseits weit weniger flexibel, bringen aber Ruhe ins Portfolio. Gold ist in Zeiten negativer Realzinsen eine sichere Bank, wirft allerdings keine Rendite ab. Und auch Allokationen in ausgewählte Kryptowährungen können trotz des hohen Risikos sinnvoll sein – mit der wichtigen Einschränkung, dass die Größe der Investition auf das Gesamtvermögen abgestimmt sein muss.

Gerade in turbulenten Zeiten ist es wichtig, die Zusammensetzung des Portfolios zu diversifizieren und das Vermögen durchdacht, strategisch und langfristig zu strukturieren. Sonst droht die Gefahr, in falschen Aktionismus zu verfallen. Denn Emotionalität ist der größte Feind des Anlegers.

Digitales Vermögenscontrolling

Kluge Anleger stellen sicher, dass sie jederzeit einen umfassenden Einblick in ihr Gesamtvermögen haben, Risiken schnell ermitteln und – falls nötig – beseitigen können. Dafür braucht es ein digitales Vermögensreporting und -controlling und das möglichst in Echtzeit.

Frank Kosner, Tax-Partner, PwC Deutschland

Frank Kosner, Tax-Partner, PwC Deutschland / Foto: PwC

Digitale Lösungen sind Excel-Spreadsheets – wie sie aktuell in vielen Unternehmerfamilien genutzt werden – in vielerlei Hinsicht überlegen und ein elementarer Baustein eines modernen Vermögensreportings. Denn wer keinen zeitnahen Zugriff auf eine Analyse seines Gesamtvermögens hat, wird im schlimmsten Fall Fehlentscheidungen treffen. Dabei soll das digitale Vermögensreporting-Tool nicht nur Mittel zum Zweck sein. Vielmehr soll es die verfügbaren Daten umfassend nutzbar machen, etwa für automatisiertes Accounting, Bewertungen von Investments und Grundvermögen oder zur Darstellung der latenten Erbschaftsteuerbelastung.

Auch eine steuerlich und rechtlich saubere Strukturierung ist bei der Verwaltung von Großvermögen unentbehrlich. Fehler in der zugrunde liegenden Konstruktion, etwa beim Aufbau einer Family-Office-Struktur, können teuer werden. Auch eine erstklassige Vermögensverwaltung kann einen solchen Fauxpas nicht ausgleichen

Family Office stärkt Zusammenhalt

Immer mehr Unternehmerfamilien und wohlhabende Privatpersonen setzen bei der Verwaltung ihres Vermögens auf ein eigenes Single Family Office oder die Unterstützung von ausgewählten Spezialisten zu den angesprochenen Themen. Ein durchdachtes Family-Office-Set-up bietet gleich mehrere Vorteile: Es hilft bei der weitsichtigen Vermögensstrukturierung und sichert damit den Fortbestand des Unternehmens- und Familienvermögens. Zudem fungiert es als Scharnier, das die Familie zusammenhält. Und nicht zuletzt bietet es der jungen Generation die Chance, sich einzubringen und ihre eigenen Visionen zu verwirklichen. So setzt die NextGen beispielsweise häufig ihren Schwerpunkt auf nachhaltige Investitionen.

Die Basis für den Aufbau eines Family Offices bildet die Vision der Familie. Nach intensiven Diskussionen über die Werte, konkreten Erwartungen und Ziele für ein Family Office kommt es im ersten Schritt darauf an, die Machbarkeit eines solchen Vorhabens zu definieren. Im nächsten Schritt stehen Diskussionen über die Family Governance an, über Risiken sowie steuerliche und rechtliche Aspekte. Darauf aufbauend lässt sich die konkrete Struktur eines Family Offices definieren und implementieren.

Das Set-up bestehender Family Offices sollte in regelmäßigen Abständen auf die oben genannten Aspekte überprüft werden. Denn ein Family Office muss stets zur Familie und ihren Bedürfnissen passen und die familieninternen Dynamiken ebenso wie die steuerliche und rechtliche Situation berücksichtigen.

Info

So sichern Sie den Vermögensaufbau in unsicheren Zeiten

  • Strategisch planen und diversifizieren: Implementieren Sie eine durchdachte Vermögensallokation, um eine klare Richtung zu verfolgen und impulsive Entscheidungen zu verhindern.
  • Professionelle Unterstützung: Wenn das Vermögen einen bestimmten Schwellenwert überschreitet und für viele Mitglieder gemeinsam verwaltet werden soll, ist die Unterstützung durch ein Family Office ratsam.
  • Digitale Lösungen: Nutzen Sie innovative Tools, um Ihr Reporting und Controlling zu optimieren und um die einmal gewonnenen Daten weiter zu nutzen.
  • Steuern und Recht: Besonders, wenn der Familienstamm wächst und internationale Verflechtungen zunehmen, kommt es darauf an, langfristig tragfähige rechtliche und steuerliche Strukturen aufzubauen und regelmäßig zu überprüfen.
  • Die NextGen involvieren: Binden Sie die nachfolgende Generation frühzeitig aktiv ein. So erhalten Sie nicht nur frische Impulse, etwa rund um Impact-Investing, sondern verhindern auch, dass im Erbfall alles auf den Kopf gestellt wird.
  • Risiken ernst nehmen: Unternehmerfamilien sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, für die persönliche Sicherheit der exponierten Personen zu sorgen und sich vor weiteren Risiken, etwa Angriffen aus dem Cyberspace, zu schützen.

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