Eine neue Studie analysiert das philanthropische Engagement von Familienunternehmen in 21 Ländern. Welche Formen der Philanthropie verfolgen sie? Wie wird Wirkung gemessen? Wie schlagen sich deutsche Familienunternehmen im internationalen Vergleich? Ein detaillierter Blick in die Ergebnisse lohnt.

Dem Wates-Clan gehört eine der größten britischen Immobilien- und Baufirmengruppe. Und auch sonst ist er eine ganz normale Unternehmerfamilie: 1966 errichteten die drei Söhne des Gründers eine Stiftung für die öffentliche Wohlfahrt, die seither mehr als 100 Millionen Pfund an von Familienmitgliedern ausgewählte Empfänger im Süden Englands ausgeschüttet hat. 2008 ist mit „Wates giving“ ein weiteres Förderprogramm hinzugekommen, für das auch die Beschäftigten des Konzerns Vorschläge machen können. In knapp zehn Jahren ihres Bestehens hat diese Organisation auch schon fast 10 Millionen Pfund vergeben. Und jetzt hat es die Wates-Familie mit ihrem Einsatz als Musterbeispiel in die Studie „Family business philanthropy“ der Universität St. Gallen und der Unternehmensberatung EY geschafft.

Die Autoren der Studie listen auf: Im Vereinigten Königreich steuern die 100 größten Familienunternehmen und ihre Stiftungen pro Jahr für gesellschaftliche Belange 908 Millionen Pfund bei, und in Deutschland stecken Familienstiftungen jährlich 490 Millionen Euro in wohltätige Projekte. Um das Phänomen genauer zu ergründen, haben die Forscher Antworten von jeweils 25 Unternehmen aus 21 Ländern verarbeitet. Etwa zwei Drittel der so berücksichtigten 525 Firmen haben bis zu 5.000 Beschäftigte, die übrigen sind noch größer. Ein Ergebnis der Analyse: Die vergleichsweise neue Idee des Social Impact Investing spielt neben traditioneller Wohltätigkeit inzwischen schon eine für die Autoren überraschend große Rolle, vor allem in Asien, in Europa sowie im Nahen Osten. Dort werden jeweils 3,4 bis 3,5 Prozent des Familienvermögens in einschlägige Projekte investiert, während es in Nordamerika lediglich 2,8 und in Südamerika sogar nur 1,7 Prozent des Familienvermögens sind.

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Zugleich stellen die Forscher fest, dass sich viele Familienunternehmer noch hin- und hergerissen fühlen zwischen herkömmlichen Formen des Spendens und dem Social Impact Investing. Ein Kriterium könnte dabei die Frage sein, ob soziales Engagement auch einen finanziellen Ertrag bringen soll. Besonders wichtig ist diese Erwartung der Studie zufolge den Unternehmern in Japan, Frankreich, Südkorea und Belgien, eine besonders kleine Rolle spielt der Gedanke hingegen in Deutschland, Italien, China und der Schweiz. Einen Nutzen haben spendenfreudige deutsche Unternehmer ohnehin schon: Sie sagen zu 92 Prozent, dass ihnen der Staat ihr Engagement mit steuerlichen Vergünstigungen dankt. Das ist für die in der Studie erfassten Länder der höchste Wert, auf dem zweiten und dritten Platz folgen Frankreich und Brasilien, während auf den hintersten Rängen mit Zustimmungsanteilen zwischen 30 und 40 Prozent Indonesien, die Golfstaaten und Australien landen.

Ob sich engagierte Familienunternehmer von ihrem jeweiligen Staat beim Social Impact Investing ähnlich gefördert fühlen wie in klassischer Wohltätigkeit, hängt von länderspezifischen Faktoren ab. Aber global betrachtet gilt immerhin: 62 Prozent meinen, sie würden bei beiden Varianten steuerlich ähnlich profitieren; 28 Prozent denken sogar, sie kämen beim Social Impact Investing besser weg. Doch die Autoren der Studie meinen: Mit dieser Einschätzung dürften die Unternehmer oft falsch liegen. Denn bislang habe lediglich das Vereinigte Königreich versucht, die neuere Form der Wohltätigkeit mit Anpassungen im Steuerrecht zu unterstützen. Die Unzufriedenheit mit den steuerlichen Bedingungen für Social Impact Investing wachse, sobald es an Bedeutung gewinne, so die Autoren der Studie. Als Beispiel führen sie die Niederlande an, aus denen sie Antworten bekamen, die in diesem Punkt besonders unzufrieden ausfielen: „Es könnte sein, dass der kritischere Blick der Niederländer mit einer größeren Erfahrung mit dieser Form des Investments zusammenhängt.“

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Doch ob und wie sehr sich Familienunternehmer der Wohltätigkeit widmen, hängt längst nicht nur von Steuergesetzen ab. Die Autoren der Studie folgern: Je wichtiger es Familienunternehmern ist, dass auch künftige Generationen die Betriebstradition fortsetzen, desto stärker sind sie auch sozial engagiert. Dafür sehen die Forscher zwei Gründe: Wer sich um das Wohlergehen seiner Nachkommen sorgt, der sorgt sich auch um den Zustand von Gesellschaft oder Umwelt. Und: Das Engagement kann auch jüngere Familienmitglieder ans Unternehmen binden. Schließlich gehe es ihnen oft nicht in erster Linie ums Geldverdienen, meinen die Autoren der Studie, sondern um Fairness und Work-Life-Balance. Wohltätigkeit könne daher eine gute Plattform sein, damit sie ihren eigenen Idealen folgen und trotzdem ins Geschäft eingebunden werden. Allerdings hält die Studie auch fest, dass die karitative Arbeit doch ganz überwiegend an denjenigen hängenbleibt, die auch fürs Geschäft zuständig sind: In mehr als 40 Prozent der Familienunternehmen sind die Vorstandsvorsitzenden ins Management des sozialen Engagements eingebunden, in weiteren 40 Prozent mischen Vorstandsmitglieder mit. Und nur in etwa 15 Prozent der untersuchten Firmen kümmern sich solche Familienmitglieder um die Wohltätigkeit, die ansonsten nicht ins Unternehmen eingebunden sind.

Doch als Vehikel für die Weitergabe von Familientradition durch die Generationen hindurch scheinen karitative Aktivitäten trotzdem zu funktionieren. Das haben die Forscher überprüft, indem sie nach der Bedeutung der Werte des Firmengründers gefragt haben. Diese nimmt beim Übergang von der zweiten zur dritten Generation etwas ab und spielt da nur für 63 Prozent der Familienmitglieder eine wichtige Rolle – vermutlich, meinen die Autoren, weil in dieser Generation typischerweise darum gestritten wird, was das familiäre Erbe überhaupt ausmacht. Doch wenn diese Schwelle erst einmal überschritten ist, steigt der Respekt für den Gründerwillen wieder: bis auf 89 Prozent in der sechsten Generation.

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