Why the German Mittelstand needs an English Rebrand

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Der deutsche Mittelstand lahmt. Es sieht schlecht aus für die hiesige Wirtschaft. Die internationale Konkurrenz läuft uns davon, die Stimmung ist daher deutsch-gründlich depressiv. Aber wer ist schuld? Politik? Konsumenten? Veraltete Strategien? Nein: Eponyme. Ja, tatsächlich. Für alle, die jetzt schon ins Stutzen geraten: Das sind Bezeichnungen, die sich aus Eigennamen ableiten.

Und die sind schädlich. Denn Unternehmen, die so heißen wie die Familie, die dahintersteckt, schmieren ab. Das sagt zumindest die Studie mit dem vielsagenden Titel „Organizational identity and performance: An inquiry into nonconforming company names“. Die Experten wissen: Berner, Bahlsen, Oetker, Müller – das zieht nicht im internationalen Geschäft. Unternehmen, die sich weitaus coolere Namen gegeben haben, outperformen jene, die sich aus einem Eigennamen oder der Familie ableiten. Es ist ganz einfach: Deutsche Wörter sind internationalen Stakeholdern schlicht nicht vermittelbar. Schadenfreude bei Amazon und Co.?

Zeit also, mit dem neu gewonnenen Wissen Deutschland als Wirtschaftsstandort zu retten. Wir kärchern und dübeln nicht mehr – sondern googeln die Erfolgskandidaten und sehen: Wir müssen nur das English embracen. Das verstehen nämlich die meisten People auf der Welt mehr oder minder.

Was heißt das aber in der Praxis? Oder besser: What does it mean in the doctor’s office? Statt zum Bäcker an der Ecke gehen wir ab jetzt zu Baking Master Inc. Der Fischhändler muss zwingend als Aqua Harvesting Intelligence tituliert werden. Der Fleischer kann nur unter dem Namen Prime Cuts Provider Bestand haben, der Glaser wird indes zum Clear View Establisher, und die kleine Schneiderei setzt als Individual Fashion Apparel Manufacturer zum international gefeierten IPO an.

Mittelstand international schmackhaft machen

Zack, fertig! A second Wirtschaftswunder. Es kann eigentlich nur noch an einer Sache failen: Wie nur machen wir den Begriff „Deutscher Mittelstand“ international etablierten Geldgebern schmackhaft? Wie fassen wir in ihm all das zusammen, was in so vielen Familien und Generationen erarbeitet und ertüftelt wurde und das Vertrauen ausdrückt, das irgendwie dann doch mit „Made in Germany“ zusammenhängt? Wir sind clueless. Aber wenn Sie Ideen haben, please contact us. Hold on to your Telefonbuch, the German economy is on the line. In jeder Hinsicht.

Hat Internationalen Journalismus in Magdeburg studiert. Schrieb schon davor für die Südwest Presse in seiner Heimat Ulm. Sammelte zudem Auslandserfahrung bei der Allgemeinen Zeitung in Windhoek, Namibia, sowie bei Kwanza TV in Daressalam, Tansania. Seit 2017 Redakteur bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA und Mitglied im Redaktionsteam des wir-Magazins.