Familienunternehmen besitzen seit jeher Purpose – sprechen aber eher von Werten und Kultur. Um in Zukunft zu bestehen, müssen sie vor allem mehr über den Sinn und die vielfältige Wirkung ihres wirtschaftlichen Handelns sprechen, meint Frank Stührenberg, CEO von Phoenix Contact.

Wie alles, was im Trend liegt, neigt auch der Begriff Purpose dazu, zum Modewort zu verkommen. Das wäre fatal, denn in der Sache ist das, was mit diesem Wort gemeint ist, enorm wertvoll – im Grunde für Unternehmen sogar unverzichtbar. Allerdings ist es auch nicht unbedingt etwas Neues. Hat doch Simon Sinek, Shooting-Star der weltweit populären TED-Talks, das von ihm propagierte „Why“ – also den Urgrund, warum Unternehmen tun, was sie tun – wahrhaftig nicht erfunden. Sein großer Verdienst ist vielmehr, dass er auf sehr plakative Weise den Blick darauf gelenkt hat.

Denn das „Why“ gab es in der Welt der Arbeit schon immer. Vor Jahrzehnten war die Sicherung des Lebensunterhalts in der Regel Antwort genug. Je mehr sich aber unsere (west-)deutsche Wohlstandsgesellschaft entwickelte, desto blasser wurde die sinnstiftende Wirkung der vollen Lohntüte. Ein gutes Einkommen war irgendwann die Norm. Auch die Formel „Gutes Geld für gute Produkte“ reichte uns bei Phoenix Contact nicht mehr. Wir erkannten den Wert eines sinnstiftenden Ansporns und beschlossen, für unsere Kunden weltweit zur „Most Trusted Brand“ zu werden. Vertrauensvolle, langfristige Kundenbeziehungen waren unseren Gesellschafterinnen und Gesellschaftern stets wichtiger als Gewinnmaximierung. Die Wertebasis unseres „Why“ wurde deutlicher sichtbar – auch für alle Mitarbeitenden.

Heute stehen wir vor globalen Herausforderungen und Krisenentwicklungen. Werteorientiertes Handeln und langfristiger wirtschaftlicher Erfolg sind mehr denn je miteinander verknüpft. Es ist die Verbindung eigener wirtschaftlicher Interessen mit einem wirksamen Beitrag für die Gesellschaft, die heute Sinn stiftet. So haben wir uns bei Phoenix Contact mit dem Zukunftsbild der Al-Electric-Society zur Ausrichtung unserer Aktivitäten im Sinne einer nachhaltigen Zukunft verpflichtet. Die bewusste Herausarbeitung dieses sinnstiftenden Zielbildes hat das Unternehmen erneut auf breiter Basis inspiriert und in Bewegung gebracht.

Unsichtbar und ohne Purpose geht das Familienunternehmen zu Grunde

Ich kenne viele Familienunternehmen, die ihre sinnstiftende Orientierung in ganz ähnlicher Weise ausrichten. Allerdings: Ich sehe das, weil ich weiß, wo ich hinschauen muss. Denn besonders sichtbar wird Purpose gerade bei Familienunternehmen in der Arbeitgebermarke oft genug nicht. Nicht, weil er fehlen würde – im Gegenteil. Sondern weil gerade Familienunternehmerinnen und -unternehmer zu großer Zurückhaltung in Sachen Selbstdarstellung neigen. Ich weiß, wovon ich rede. Die „lippische Bescheidenheit“, die Gesellschafterinnen und Gesellschafter unseres Unternehmens par excellence verkörpert, ist sprichwörtlich. Lange galt bei Phoenix Contact, dass am liebsten nur unsere Produkte für uns sprechen sollen.

Doch Sichtbarkeit, gerade auch mit unsichtbaren, immateriellen Stärken, wird für Familienunternehmen immer mehr zur Existenzfrage. Im großen Wettbewerb um Fachkräfte entscheiden zunehmend weiche Faktoren. Familienunternehmerinnen und -unternehmer, für die das „Why“ oder Purpose nicht nur ein Produkt smarter Agenturen und Beratungsfirmen ist, sondern etwas, das sie aus Überzeugung vertreten, können in diesem Werben um Talente enorm punkten. Denn die sinnsuchende junge Generation hat dafür feine Antennen.

Mit unternehmerischem Handeln Sinn stiften – und darüber reden: Das ist eher eine kleine Neujustierung als ein Stilbruch. Aber gewiss zukunftsrelevant. Ich kann es nur empfehlen.

Info


Frank Stührenberg ist seit 1992 bei der Phoenix Contact GmbH & Co KG tätig. 2001 wurde Frank Stührenberg in die Geschäftsführung des Familienunternehmens berufen. Vier Jahre später wurde er zum Vorsitzenden der Geschäftsführung berufen. Frank Stührenberg ist zudem Vorstandsmitglied und Schatzmeister des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI).

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