Aus Fehlern lernen

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Wenn Stiftungen Quellen der Innovation sein wollen, dann müssen sie auch Quellen des Irrtums und des Scheiterns sein,“ sagt Dr. Christof Eichert, Vorstand der Herbert Quandt-Stiftung. Ob Stiftungen konstruktiv mit Fehlen umgehen, das hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen in seiner aktuellen Studie „Aus Fehlern lernen – Potenziale für die Stiftungsarbeit“ untersucht. Das Bewusstsein für Kritikfähigkeit und den Umgang mit Fehlern ist zumindest vorhanden: Über zwei Drittel der 273 befragten Stiftungen sind bereit, auch öffentlich über Fehler zu sprechen. Dabei spielt der Lerneffekt eine besonders große Rolle. Denn 95 Prozent aller Teilnehmer geben an, dass in ihren Stiftungen Fehler zum Anlass genommen werden, zu lernen und besser zu werden.

Fehleranalyse und Ursachenforschung scheuen die Stiftungen in der Regel nicht. Allerdings geben auch einige der Befragten Mängel in der Fehlerkultur zu. Vor allem über Hierarchiegrenzen hinweg, sprich mit Vorgesetzten, ist es nicht immer möglich, über Fehler zu sprechen. Der Bereich, den die Befragten als den am fehleranfälligsten einschätzen, ist die interne Kommunikation. Ungefähr jeder Vierte sieht den realen Kapitalerhalt, die Rechnungslegung, die Öffentlichkeitsarbeit, die Verwaltung von Adressdaten/den Datenschutz sowie den Entscheidungsprozess über die Förderung von Projekten problematisch. Interessant ist, dass diese Einschätzung je nach Position variiert. Die Wahrnehmung der Vorstände, Geschäftsführer und Mitarbeiter ist zum Teil sehr unterschiedlich. Während für den Vorstand der reale Kapitalerhalt und die Öffentlichkeits – arbeit am fehleranfälligsten sind, ist es für die Geschäftsführung und die Mitarbeiter die interne Kommunikation.

Auf welche Weise Stiftungen die Fehler dazu nutzen, sich weiterzuentwickeln, beschreibt Eichert: „Es bedarf des Wissens auf allen Seiten, dass Fehler willkommen sind, aber dafür Regeln eingehalten werden, damit man aus ihnen lernt. Das bedeutet eine ausgeprägte Kommunikationskultur über die konkrete Arbeit und deren Bedingungen.“ Die Umfrage bestätigt diese Einschätzung. Mit Abstand wichtigstes Instrument im Umgang mit Fehlern sind regelmäßige Besprechungen (80 Prozent). Verwunderlich und besorgniserregend zugleich ist allerdings, dass nur ein Viertel angibt, über ein Controllingsystem zu verfügen.

Auf Basis der Studie hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen Empfehlungen zum Umgang mit Fehlern erarbeitet. Fehlermanagement muss als Führungsaufgabe gesehen werden. Eine Gesprächskultur über Fehler sollte etabliert werden, gemeinsame Reflektion stattfinden. Auch unabhängiges Know-how kann eingebunden werden. Externes Wissen sollte auch im Bereich Finanzen herangezogen werden – vor allem bei Stiftungen, die keine eigenen Fachleute in diesem Bereich beschäftigen. Weiterhin wird empfohlen, der Evaluation einen hohen Stellenwert einzuräumen. Außerdem hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen „Grundsätze Guter Stiftungspraxis“ aufgestellt, die Orientierung bieten.