Die Erbschaftsteuer wird derzeit vom Bundesverfassungsgericht geprüft. Sollten die Richter in Karlsruhe zu dem Schluss kommen, dass das geltende Recht verfassungswidrig ist, muss der Gesetzgeber reagieren. Welche Möglichkeiten gibt es, die Erbschaftsteuer zu reformieren? Und welche Auswirkungen hätten die verschiedenen Szenarien auf Steueraufkommen und Steuerzahler? Alle Vorschläge, Entwicklungen und neue Erkenntnisse im News-Ticker zur Erbschaftsteuer-Reform.
22. Januar 2026
IFO-Institut schlägt Maßnahmen zur Reform der Erbschaftssteuer vor
Ziel der vorgeschlagenen Reform: ein vereinfachtes, gerechteres Erbschaftsteuersystem.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen beinhalten:
- Die Abschaffung von Steuervergünstigungen
- Einheitlicher Steuersatz
- Standardisierung der Freibeträge
Genaueres nachzulesen in dem entsprechenden Aufsatz im „ifo Schnelldienst“:
https://www.ifo.de/DocDL/sd-2026-01-zdg-fuest-etal-erbschaftsteuerreform.pdf
13. Januar 2026
Gabriel Zucmans „Reichensteuer – Aber richtig!“ erscheint auf Deutsch
Auch in Frankreich wird über die Erbschaftsteuer diskutiert. Unter dem Stichwort „Taxe Zucman“ macht Piketty-Schüler Gabriel Zucman einen Vorschlag, der auch in Deutschland Aufmerksamkeit erregt. Im Januar 2026 erscheint sein Buch „Reichensteuer – Aber richtig!“ auch auf Deutsch.
Zur Rezension des Buches in der F.A.Z.: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/gabriel-zucmans-reichensteuer-warum-milliardaere-kaum-steuern-zahlen-accg-200705033.html
9. Dezember 2025
Das wir-Magazin veröffentlicht einen Podcast zum Thema Erbschaftsteuerreform
Sarah Bautz vom wir-Magazin spricht mit Alexander Fleischer von Grant Thornton im Podcast zum Thema Erbschaftsteuer. Dabei wird geklärt, was genau vom Bundesverfassungsgericht entscheiden werden soll und welche Entscheidung welche Konsequenzen hätte.
Die ganze Folge können Sie anhören unter:
12. November 2025
Wirtschaftsweise sprechen Empfehlungen zur Erbschaftsteuer-Reform aus
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (oft „Wirtschaftsweise“ genannt) hat in seinem Jahresgutachten 2025/ 2026 Empfehlungen zur Reform der Erbschaftsteuer formuliert. Dabei wägen die Wirtschaftsweisen ab zwischen der Stärkung der Staatsfinanzen und potenziellen negativen Effekten auf Unternehmensnachfolge und Investitionen.
Ihre Empfehlung lautet wie folgt: „Um die Besteuerung aller Vermögensarten gleichmäßiger zu gestalten und so stärker am Leistungsfähigkeitsprinzip auszurichten, sollte die Erbschaftsteuer reformiert und die steuerliche Begünstigung von Betriebsvermögen erheblich reduziert werden. Eine großzügige Stundung der Steuerlast könnte die Liquiditätsbelastung von Betrieben verringern.“
Zum Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen geht es hier entlang:
https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/jahresgutachten-2025-pressemitteilung.html
5. November 2025
Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) Berlin veröffentlicht Szenario-Analyse zur Reform der Erbschaftssteuer
Das DIW hat in einer Studie verschiedene Szenarien zur Erbschaftsteuer-Reform durchgerechnet. Dabei steht die Steigerung des Steueraufkommens im Vordergrund, die besonders durch folgende Maßnahmen erreicht werden soll:
- Abschaffung bestehender Steuervergünstigungen
- Einführung einer einheitlichen „Flat Tax“
- Kombination aus höherem Freibetrag und progressiven Steuersätzen.
Dabei sollen die neuen Freibeträge breite Teile der Bevölkerung entlasten und Liquidität von Unternehmenserben durch die Streckung der Steuerzahlung über längere Zeiträume gewährleistet bleiben.
Genaueres nachzulesen in dem entsprechenden Paper:
https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.995991.de/26-4-1.pdf
November 2022
Klage vor dem Bundesverfassungsgericht
Vor dem Verfassungsgericht ist unter dem Kürzel 1 BvR 804/22 eine Klage anhängig. Geklagt hatte der Erbe des privaten Vermögens seiner Tante, weil er sich gegenüber den Erben von Betriebsvermögen benachteiligt fühlt. Regelungen wie die Verschonungsbedarfsprüfung würden gegen das Gleichbehandlungsgesetz verstoßen. Das Bundesverfassungsgericht prüft die Klage. Das Urteil, das ursprünglich für 2025, jetzt für 2026 erwartet wird, wird darüber entscheiden, ob die Erbschaftsteuer in ihrer jetzigen Form in Deutschland verfassungsgemäß ist. Kommt das Bundesverfassungsgericht zu dem Schluss, dass sie es nicht ist, muss der Gesetzgeber die Erbschaftsteuer entsprechend reformieren. Während das Urteil mit Spannung erwartet wird, ist die Diskussion schon in vollem Gange. Parteien und wirtschaftswissenschaftliche Institutionen stellen Vorschläge zur Reform der Erbschaftsteuer vor; und in den Medien wird lebhaft diskutiert. Von einer Reform würden Familienunternehmerinnen und -unternehmer besonders betroffen sein. Hier im Ticker in umgekehrt chronologischer Reihenfolge: Ein Überblick über die Diskussion im zeitlichen Verlauf.
Hat an der Uni Bamberg Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin am Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Bei dem Magazin brand eins in Hamburg entdeckte sie ihre Liebe zum Wirtschaftsjournalismus, der sie seit März 2023 beim wir-Magazin frönen darf.

