Der Ausgangspunkt für ein Investment des vom Unternehmen unabhängigen Familienvermögen ist meistens der gleiche: Wie lässt sich Kapitalzuwachs über Generationen sicherstellen, wenn Inflation, Steuern und volatile Märkte kontinuierlich an der Substanz nagen? Die Antwort liegt in einem systematischen Zugang zu den breiten Diversifikationsmöglichkeiten illiquider Anlageklassen: Private Equity, Private Credit und Infrastruktur. Dabei ist die Langfristperspektive entscheidend. Wer ein Unternehmen aufgebaut hat, denkt in anderen Zeithorizonten als ein Fondsmanager, der quartalsweise Rechenschaft ablegt.

Private Credit – also die direkte Kreditvergabe außerhalb des klassischen Bankensystems – kann eine bestehende Private-Equity-Allokation durch regelmäßige Cashflows, die zum Teil unabhängig vom Konjunkturzyklus sind, ergänzen. Investitionen im Infrastrukturbereich können dem Portfolio einen gewissen Inflationsschutz geben. Der Leitgedanke dahinter: Wer bereit ist, Kapital im Privatmarkt über Jahre zu binden, kann die sogenannte Illiquiditätsprämie vereinnahmen. Laut Studien ist dies der empirisch zu beobachtende Mehrertrag von etwa 2 bis 4 Prozentpunkten pro Jahr gegenüber öffentlichen Märkten.
Nischen jenseits der bekannten Strategien
Während die meisten Segmente innerhalb des Private-Equity-Universums mittlerweile allgemein bekannt sind, bieten sich insbesondere in den Anlageklassen Private Credit und Infrastruktur attraktive Nischen, die den meisten Investoren entweder unbekannt sind oder unzugänglich bleiben. Doch wie lebensnah diese sein können, zeigen die folgenden Beispiele:
Musikrechte: Musiker der verschiedensten Genres haben in der Vergangenheit Verwertungs- und Nutzungsrechte veräußert. Anleger können über spezialisierte Investmentvehikel an den Rechten künftiger Einnahmen partizipieren. Investments können also über eine Off-Market-Transaktion mit attraktiver Bewertung erfolgen.
Flugzeug-Leasing: Der Nachfrageüberhang nach Flugzeugen und die „Use it or lose it“-Regeln der Flughäfen machen Aviation-Leasing zu einem attraktiven Segment des Asset-backed Lendings innerhalb von Private Credit.
Kühllager: Die wachsende Nachfrage nach gekühlter Lagerung für Lebensmittel und Pharmazeutika schafft anhaltenden Investitionsbedarf. Investoren können Kapital für den Bau und Betrieb vollautomatisierter Großkühlhäuser bereitstellen – ein Investment in Infrastruktur mit hoher systemischer Relevanz.
Wie misst man Rendite in Private Markets?
Die Beispiele zeigen: Private Markets bieten viele unterschiedliche Investmentfelder. Die Komplexität von Private-Markets-Investments liegt darüber hinaus in der Grundfrage: Wie misst man Rendite – und wie stellt man sicher, dass das Kapital jederzeit effizient eingesetzt ist?
Wer in geschlossene Private-Markets-Fonds investiert, sieht sein Kapital nicht sofort vollständig arbeiten. Stattdessen wird es über mehrere Jahre hinweg in Tranchen abgerufen. In dieser Struktur ist die Internal Rate of Return (IRR) die gängige Kennzahl. Doch sie kann täuschen. Denn identische Endwerte können sehr unterschiedliche IRRs ergeben, abhängig davon, wann Kapital abgerufen wird und wann Rückflüsse erfolgen. Und für den Investor ist es daneben noch entscheidend, wie das nicht abgerufene Kapital investiert wird. Wenn das Kapital beispielsweise auf dem Tagesgeldkonto geparkt wird, ist es zwar sicher verfügbar, aber der Ertrag auf das Gesamtkapital ist deutlich geringer. Daher kann es sinnvoll sein, den Blick eher auf den Total Return zu richten und hier nach Wegen der Optimierung zu suchen, also die Wertsteigerung des gesamten zur Verfügung gestellten Kapitals als Ziel zu verfolgen.
Deal-Sourcing und Manager-Selektion
Der Zugang zu den besten Investmentmöglichkeiten ist im komplexen Private-Markets-Umfeld alles andere als selbstverständlich. Die meisten diesbezüglich relevanten Informationen zu Privatunternehmen sind nicht öffentlich zugänglich, und die attraktivsten Fonds sind häufig für neue Investoren geschlossen. Es gibt in Deutschland mittlerweile jedoch einige Unternehmerfamilien, die ihr Single Family Office geöffnet haben und somit Dritten die Möglichkeit bieten, gemeinsam mit einem unternehmerischen Ansatz zu investieren. Dabei bleibt die Familie Ankerinvestor, und gleichgesinnte Investoren können von den vorhandenen und bereits erprobten Strukturen profitieren. Dieses Konzept folgt einem Kapitalverständnis, das für Unternehmerfamilien charakteristisch ist: Investiert wird langfristig, substanzorientiert und mit „Skin in the Game“. Risikobereitschaft trifft auf einen langen Atem.
