Eine Studie des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) aus 2022 zeigt, dass Familienunternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad eine signifikant höhere Profitabilität und ein schnelleres Umsatzwachstum als ihre Wettbewerber verzeichnen. Doch trotz dieser Potentiale herrscht bei vielen Familienunternehmen Nachholbedarf. Die Effizienzpotentiale, die die Weiterentwicklung der Prozesse und der Einsatz digitaler Tools bieten, werden keinesfalls voll ausgeschöpft. Dies gilt für alle Unternehmensbereiche und besonders für die Produktionsdigitalisierung.
Die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) bieten an vielen Stellen der Wertschöpfungskette große Effizienzpotentiale. Prozesse können radikal beschleunigt, gesamtheitlich gesteuert und qualitativ verbessert werden. Digitalisierungsprojekte zeigen immer Ertragssteigerungen und eine Erhöhung der Ressourceneffizienz. Das macht Unternehmen im Ergebnis resilienter.

Mehr Resilienz
Das aktuelle wirtschaftliche Umfeld führt hingegen eher dazu, dass Digitalisierungsprojekte verschoben oder gar gestoppt werden. Das ist grundsätzlich verständlich, wenn in Zeiten hoher Unsicherheiten Investitionen zurückgefahren werden. Aber die Digitalisierung fördert nachweislich Krisenfestigkeit. Durchgängige Informationsflüsse und institutionalisiertes Wissen erhöhen die Handlungsfähigkeit und die Flexibilität, Risiken können früher erkannt werden und Unternehmen passen sich schneller an endogene Ereignisse an.
Es braucht somit eine kluge Abwägung, ob die Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung zukunftssichernde und zumeist strategisch verankerte Projekte verzögern dürfen. Das ist keine leichte Entscheidung, wenn Rentabilität und Liquidität unter Druck sind. Die Digitalisierung ist Eigentümersache und somit ein Teil der strategischen Ausrichtung. Die digitale Prozessoptimierung mit geeigneten Technologien und KI bringt für Familienunternehmen erhebliche Chancen auf Ertragsverbesserungen durch geringere Kosten, mehr Produktivität und neue Geschäftsmöglichkeiten.
Positive Auswirkungen auf die Effizienz
Die mittelständische Praxis zeigt viele Ansätze zur Weiterentwicklung der Prozesse, die mit der Digitalisierung und KI umgesetzt wurden. So übernehmen in der Teeindustrie digitale Systeme in der Warenannahme das Entladen, die Prüfung und die Erfassung von Rohstoffen. Die Warenverfügbarkeit hat sich deutlich verbessert und zur Unterstützung eines nachhaltigen Wachstums geführt. Ein Lackhersteller hat die Produktion vollständig digitalisiert und automatisiert. In der Folge hat sich die Produktionsleistung vervielfacht und die Belegschaft ist deutlich gewachsen.
„Der Erfolg der Digitalisierung hängt entscheidend vom Engagement der Inhaberfamilie ab.“
Solche Lösungen sind unabhängig von der Größe eines Unternehmens: Ein nach der Zahl der Mitarbeitenden eher kleines Unternehmen hat seine Buchhaltung vollständig digitalisiert. Die Rechnungserstellung und Zahlungskontrolle laufen bei Bedarf und nicht nach den Arbeitszeiten. Das automatisierte Mahnwesen führte zu einem Rückgang der offenen Forderungen von rund 80 Prozent. Statt eine Vielzahl von Aktenordnern im Schrank hat das Unternehmen weniger gebundene Liquidität. Eine Schreinerei hat in ein Roboterfräszentrum investiert und dieses in die Fertigung integriert, um Holz- und Kunststoffteile effizienter und ressourcenschonender zu produzieren. Zeit- und Materialeinsatz wurden deutlich reduziert. Ob die Reduktion von Stillstandzeiten, die Vermeidung von Papier in Büro und Fertigung, die Verminderung von Ausschüssen oder die Schonung unterschiedlicher Ressourcen – digitale und automatisierte Prozesse haben signifikant positive Auswirkungen auf die Effizienz und leisten wertvolle Beiträge zum Unternehmenserfolg. Familienunternehmen können diese Effekte erreichen, indem sie eine klare Digitalisierungsstrategie verfolgen und planvoll in der Umsetzung vorgehen. Die Grundlage stellt die Definition eines klaren Nutzens oder eines Use-Cases dar: Das Warum ist im Zweifel entscheidender als das Wie. Auch ganzheitliches Denken ist wichtig: Prozesse werden durchgängig digitalisiert und vernetzt, um bestehende Insellösungen aufzulösen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Dafür müssen aber auch alle Beteiligten ins Boot geholt werden. Indem die Mitarbeitenden in den jeweiligen Bereichen frühzeitig eingebunden sind, können auch das Wissen und die Erfahrungen dieser Menschen einbezogen werden, die vielfach bestehende Engpässe sehr genau benennen können.
In Familienunternehmen hängt der Erfolg der Digitalisierung aber vor allem entscheidend vom Engagement der Inhaberfamilie ab. Denn je aktiver und kundiger Mitglieder der Eigentümerfamilie die digitale Transformation des Unternehmens unterstützen, desto höher wird der Erfolg in einzelnen Digitalisierungsschritten sein. Und über die bloße Unterstützung hinaus können Mitglieder von Unternehmerfamilien die Digitalisierung auch vorleben.
