Studie Ifo-Institut: Stimmungsbild im europäischen Vergleich

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Eine neue Studie des Ifo-Instituts fragt nach der Stimmung in Familienunternehmen in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Grundlage sind rund 2.000 Interviews mit Führungskräften. Die Analyse beruht auf einer großen Unternehmensbefragung: Edelman Data & Intelligence befragte im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen vom 28. Mai bis 7. Juli 2025 Führungskräfte online: Eigentümer, Gründer, Geschäftsführer, Vorstände oder Mitglieder der obersten Leitungsebene. Die Interviews fanden in der jeweiligen Landessprache statt. Jedes der vier Länder ist mit 600 Unternehmen vertreten, und 83  Prozent der befragten Firmen ordnen sich selbst als Familienunternehmen ein. Die Unternehmen haben jeweils mindestens zehn Beschäftigte. Die FamData des ifo Instituts bietet die vollständigen Studienergebnisse. Forschende können dort die Daten zu Familienunternehmen einsehen und nutzen.

Dabei zeigt sich: 67 Prozent blicken langfristig moderat optimistisch nach vorn – trotz unterschiedlicher Konjunktur in den vier Ländern. Die größten Risiken sehen sie im Fachkräftemangel, schwankende Energiepreise und Cyberangriffen. Mit der EU-Wirtschaftspolitik sind 46 Prozent zufrieden. 70 Prozent fühlen sich als Wirtschaftsfaktor nicht ausreichend anerkannt. Absolute Priorität haben weniger Bürokratie und klarere Verfahren. Mehr als zwei Drittel sehen darin den wichtigsten Hebel für mehr Wettbewerbsfähigkeit.

Insgesamt sind Italien und Deutschland bei den hier gezeigten vier Fragestellungen recht nah beieinander und bilden tendenziell das Mittelfeld. Spanien klingt optimistischer, Frankreich pessimistischer als die anderen. Konkret zeigt sich das zum Beispiel in der Frage nach der wirtschaftlichen Entwicklung in den nächsten zwölf Monaten beziehungsweise den nächsten fünf Jahren: Langfristig sind alle Familienunternehmer optimistischer als in Hinblick auf das nächste Jahr, aber selbst bei der Frage nach der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung in fünf Jahren antworten 17,7 Prozent der französischen Unternehmer mit „schlechter“. Der Durchschnitt ist mit 14,4 Prozent deutlich weniger pessimistisch, und in Spanien rechnen sogar fast drei Viertel der Unternehmer damit, dass es in fünf Jahren „besser“ sein wird (Italien: 66,9 Prozent; Deutschland: 65,7 Prozent; Frankreich: 62,5 Prozent). Für die kurzfristige Entwicklung sehen rund 18 Prozent der Franzosen schwarz, im Gegensatz zu rund 12 Prozent jeweils in Deutschland und Spanien und knapp zehn Prozent in Italien.


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Heiter bis wolkig

Bei der Bewertung der EU-Wirtschaftspolitik durch europäische Unternehmer herrscht weitgehend Einigkeit: Deutsche, Italiener, Spanier und Franzosen blicken kritisch bis verhalten positiv auf die Arbeit der europäischen Institutionen. 46  Prozent der befragten Unternehmen bewerten die EU-Wirtschaftspolitik in den vergangenen fünf Jahren als „eher gut“ oder „sehr gut“, während 24 Prozent sie eher negativ und 30 Prozent sie neutral sehen. Überdurchschnittlich viele Bestnoten für die EU kommen aus Deutschland (12,1 Prozent „sehr gut“).


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In der Studie wurden Familienunternehmerinnen und -unternehmer außerdem gefragt, ob sie sich als Wirtschaftsfaktor ausreichend wahrgenommen fühlen. Rund 70 Prozent der befragten Unternehmen finden: Familienunternehmen gelten in Europa als unterschätzte Treiber der Wettbewerbsfähigkeit. Etwa 12 Prozent widersprechen. Gut 17 Prozent bleiben neutral. Dieses Ergebnis steht in einem gewissen Widerspruch zu der eher positiven Bewertung der EU-Wirtschaftspolitik, könnte aber darauf zurückzuführen sein, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer anders auf die Wirtschaftspolitik ihrer jeweiligen Länder blicken. Dann jedoch überrascht die weitgehende Einigkeit der vier verschiedenen Länder in ihrer Einschätzung. Leicht abweichend ist in Frankreich der Anteil derjenigen, die keine Zustimmung äußern: mit 16  Prozent ist er etwas höher ist als in den übrigen Ländern. Deutsche Familienunternehmer fühlen sich am wenigsten gesehen, knapp 75  Prozent stimmen der Aussage zu.


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In der Studie wird auch nach den größten Risiken für Familienunternehmen gefragt: Fachkräftemangel und Energiepreise dominieren die Sorgen. „Steigende beziehungsweise volatile Energiepreise“ erzielen mit über 962 Nennungen die höchste Häufigkeit der Risiken, die Familienunternehmerinnen und -unternehmer für die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen sehen. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften folgt anschließend mit gut 920 Nennungen. In allen vier Ländern führen diese beiden Themen die Liste an. Auch Cyberrisiken werden mit Sorge betrachtet, besonders in Frankreich und Spanien.

Was kann die EU besser machen?

Den befragten Unternehmerinnen und Unternehmern wurde eine Liste mit möglichen Maßnahmen vorgelegt, die die EU jetzt ergreifen könnte, um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Familienunternehmen zu stärken. Zur Auswahl standen Reduktion
administrativer Lasten, individuelle Complianceberatung, schnellere und transparente Verfahren, Anpassung regulatorischer Schwellen, vereinfachte Nachhaltigkeitsberichte, ein zentrales digitales Behördenportal, neue Regeln mit Testphase (Sunset-Klausel) und ein erweiterter Zugang zu Vergaben. Fast alle Vorschläge fanden große Zustimmung: Bei fast jeder Reformoption gaben zwischen 50 und 70  Prozent der Befragten an, dass sie ihre Wettbewerbsfähigkeit „leicht“ oder „deutlich“ verbessern würde.


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Hat an der Uni Bamberg Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin am Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Bei dem Magazin brand eins in Hamburg entdeckte sie ihre Liebe zum Wirtschaftsjournalismus, der sie seit März 2023 beim wir-Magazin frönen darf.