Dirk Möhrle: Abenteuer statt Routine

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Ein Satz aus dem Interview im Jahr 2014 mit dem „wir“-Magazin begleitet mich im Grunde bis heute: „Ich investiere dann, wenn mir nur genügend Leute davon abraten.“ Das scheint bis heute mein Programm zu sein. Mich interessieren Projekte, die in Ordnung gebracht werden müssen und in Schwierigkeiten stecken. Wenn etwas schon fertig entwickelt ist, wenn ein Invest einfach nur vor sich hinwächst und verwaltet werden soll, dann schwindet mein Interesse. Ich saniere gern, ich entwickle neu, will kreativ sein.

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Den Text über die gescheiterte Rettung von Max Bahr und Dirk Möhrles Einstieg beim Suhrkamp Verlag aus dem Jahr 2014 lesen Sie hier: Dirk Möhrle: Gegen den Strom.

Weitere Artikel zu unserem Jubiläum: 20 Jahre „wir-Magazin“ – Wie überdauern Familienunternehmen?

So war das beispielsweise auch bei den Immobilien. Nach der Wende habe ich marode Häuser in Ost-Berlin gekauft, persönliche Ideen, zeitliche und finanzielle Ressourcen eingebracht, sie entwickelt und erhebliche Wertzuwächse geschaffen, über die ich mich heute freuen darf. Wenn ich an einem der Objekte entlangspaziere, sehe ich, was daraus geworden ist. Das ist ein gutes Gefühl. Ich bin zwar Investor, aber keiner, der seine Investments schnell wieder verkaufen will. Im Gegenteil: Ich behalte lieber alles, was ich aufgebaut habe. Ich identifiziere mich damit.

Keine Investments mehr in Berlin

Im Interview im Jahr 2014 wusste ich noch nicht so genau, wie ich alle meine Aktivitäten organisieren soll. Das Problem ist gelöst. Ich bin heute sehr gut organisiert und dankbar für starke Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mich voranbringen. Allerdings habe ich in Berlin als Investor für Immobilien keine großen Pläne mehr. Das hängt mit den ideologischen Vorstellungen der Gesellschaft zur Wohnungspolitik zusammen. Das schreckt mich ab. Ich lasse das, was da ist, weiterlaufen, aber meine Leidenschaft ist abgeklungen.

Anstelle dessen ist es zur Übernahme des Suhrkamp Verlages gekommen. Damals im Interview habe ich gesagt: „Verlag kann ich zwar nicht. Aber ich bin flexibel genug, Chancen zu erkennen und zu ergreifen.“ Jetzt bin ich stolz darauf, dass ich diese Chance ergreifen konnte. Als Alleininhaber gebe ich dem Verlag Sicherheit und Stabilität, damit er sich als unabhängiger Verlag höchsten literarischen Ansprüchen stellen kann. Suhrkamp bleibt ein bedeutender Buchverlag, ein Haus mit Geschichte, mit ergreifender Tradition, ein Verlag hoher Kunst und brillanter Autoren.

Suhrkamps Auftrag

Ich habe vor, den Verlag unter Wahrung seiner Identität und seiner Alleinstellung behutsam in die Zukunft zu bringen. Mit dem Verleger Jonathan Landgrebe ist er perfekt aufgestellt. Der Suhrkamp Verlag hat große soziale Verantwortung. Wir schaffen die geistige Grundlage für eine gesunde, kluge und gebildete, aufgeklärte Gesellschaft.

Bücher sind so spannend. Was mich an der Branche immer wieder erstaunt: Bei allem Gejammere erscheinen gerade in dieser Zeit unglaublich viele gute Bücher. Es gibt so viele Novitäten wie noch nie. Auch die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt sind stark frequentiert, und es kommen sehr viele junge Menschen. Das macht Hoffnung.

Dirk Möhrle: Vom Vater geprägt

Ich bin 62 und merke, was mir besonders wichtig ist. Mir ist klar, was mir wirklich Freude bereitet. Es ist der Umgang und die Zusammenarbeit mit Menschen, das Kennenlernen, die Begegnungen, die Kooperation und der gemeinsame Erfolg. Das beflügelt mich und gibt mir Kraft.

Ich merke auch, wie stark ich von meinem Vater Peter Möhrle geprägt bin. Das war mir früher nicht in dem Maße bewusst. Ich sehe, ich mache vieles ähnlich wie er. Seine Denkweise und seine Tatkraft habe ich übernommen.

Ob meine Kinder sich für meine unternehmerischen Aktivitäten interessieren oder diese sogar übernehmen werden, weiß ich nicht. Alle fünf studierten oder studieren BWL. Voraussichtlich fallen die Äpfel nicht weit vom Stamm.

Ich freue mich über das 20-jährige Jubiläum des „wir“-Magazins. Ihr seid ein starkes Team! Herzlichen Glückwunsch!