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Das ELA-Welcome Center im Harener Industriegebiet im Emsland sieht aus wie ein American Diner. Schwarze und weiße Fliesen im Schachbrettmuster, ein bisschen Art Déco, ein bisschen Pop Art, eine Harley links, eine rechts, Blechschilder von der Route 66 und Sitzgruppen wie in einer Eisenbahn aus den fünfziger Jahren. Was hat das mit Seecontainern zu tun, fragt man sich im ersten Moment. Nun, American Diner entstanden einst aus ausrangierten Speisewagen der Eisenbahn, die zu mobilen Imbissbuden umgebaut wurden und deren Betreiber dadurch den Standort einfach wechseln konnten. Und verfolgt man die Geschichte von ELA, begreift man, was beide verbindet. Es geht um bewegliche Räume. Und nicht nur das.

Alles beginnt damit, dass am 6. Mai 1966 mit dem Frachtschiff „Fairland“ das erste Vollcontainerschiff im Bremer Überseehafen einläuft. Die genormten Container, die samt Inhalt nahtlos vom Schiff auf Lkw oder Züge verladen werden, revolutionieren nicht nur den Güterverkehr, sie bringen auch Bernhard Albers auf eine Idee. Der junge, 27-jährige Mann, damals selbständig im Stahlbau, sieht in den Seecontainern nicht nur eine temporäre Herberge für Waren, die von einem Ende der Welt ans andere transportiert werden. Nein, diese Container würden sich doch wunderbar als einbruchsichere Geräteboxen auf Baustellen machen, findet er. Gedacht. Getan.

1972 kauft er nach langem Suchen einen ausgemusterten Container, bringt ihn nach Haren und verjüngt dort diesen alten, angerosteten Kasten mit Handflex, Drahtbürste, Hammer und Farbrolle. „Wenn wir einen pro Woche verkaufen, können wir davon leben“, sagt Bernhard Albers damals. Welche Ausmaße seine Idee haben würde, hätte er vermutlich nicht zu träumen gewagt. Noch im September des gleichen Jahres gründet er die Firma „ELA Gesellschaft für Handel und Vermittlung GmbH & Co. KG“ mit seiner lieben Frau Elisabeth als Namensgeberin.

Schnelle Expansion

Die Bauunternehmer scheinen auf so eine Idee nur gewartet zu haben, denn bis dahin waren ihre hölzernen Baracken nachts eine Einladung für Langfinger. Bernhard Albers’ Arbeit spricht sich herum, und bald kommt er mit Frachtcontainern aus Rotterdam, Antwerpen, Hamburg, Bremen und Bremerhaven nach Haren. Die brauchen Platz. Albers kauft ein fast 6.000 Quadratmetern großes Grundstück, und eine Geschichte nimmt ihren Lauf. Von einem kleinen Handwerksbetrieb hin zu einem international agierenden Mittelständler mit zwölf Niederlassungen von Europa bis nach Qatar, mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro im Jahr 2015 und über 500 Mitarbeitern, mit über 22.000 Mietcontainern sowie einer eigenen Flotte mit 60 Lkw. Doch der Reihe nach:

Die Baubranche fragt Mitte der siebziger Jahre nicht nur nach Lagercontainern, sondern sucht nun auch Unterbringungsmöglichkeiten für die Bauarbeiter. Also baut Bernhard Albers probeweise zwei Seecontainer zu Aufenthaltsräumen um. Er verkleidet die Wände mit Styropor, dämmt das Dach mit Mineralwolle, verlegt einen PVC-Fußbodenbelag, bringt eine Elektroinstallation an, Innenbeleuchtung, Steckdosen, Elektroheizung und zwei Aluminium- Schiebefenster. Und wieder landet er einen Hit.

Es folgen Büro-, Mannschafts- und Sanitärcontainer und erste Konstruktionen als Imbissbuden und Pförtnerhäuschen. In dieser Zeit häufen sich auch die Anfragen, ob man einen Container denn nicht auch mieten könne. Und natürlich bekommt Bernhard Albers auch das gelöst. Obwohl es aufgrund der hohen Investitionskosten und der dazu relativ geringen Mieten finanziell beinah nicht möglich war. „Aber schon bald sagte mein Vater stolz: ,Mensch, jetzt haben wir schon 200 Container im Mietpark‘ “, erzählt Günter Albers (48). Er ist der Sohn des Firmengründers und verantwortet Strategie, Vertrieb und Marketing. Er teilt sich die Geschäftsleitung mit seinen beiden Geschwistern: Tim Albers (53) arbeitet eng mit den Kunden zusammen und ist somit u.a. die Schnittstelle zwischen Vertrieb und Kundenmanagement, Liesel Albers-Bentlage (50) ist die Finanzchefin. Das Geschäftsleitungsbüro befindet sich auf dem mittlerweile 200.000 Quadratmeter großen ELA-Gelände und ist – natürlich – auch in einer Containeranlage untergebracht. Nur erkennt man das nicht. Okay, fast nicht.

An Ideen mangelt es nicht

„Das ist es ja“, sagt Günter weiter, und fast überschlägt er sich beim Erzählen, „uns sind keine Grenzen gesetzt. Man kann alles aus den Containern zaubern!“ Und irgendwie scheint das nicht nur Marketing- Sprech zu sein. Denn eine Kleintierpraxis mit OP-Bereich, eine Surfschule und eine Pizzabäckerei kamen in den Containern schon genauso unter wie Bankfilialen, Kindergärten, Schulgebäude, eine Kunstgalerie und sogar eine Kirche. Und das sind nur die kleinen Beispiele. „Wir haben ein Containerhotel aus 1.250 Einheiten als temporäre Unterkunft für eine Großbaustelle gebaut“, erzählt er weiter. Vor dem Reichstag in Berlin stehen ELA-Container als Sicherheitsschleuse, mit hochsensiblen Scannern, speziellen, erschütterungsfreien Fundamenten und lichtdurchfluteten Warteräumen. In Angola installierte ELA Raummodule für einen aus dem Nichts entstandenen Verlade- und Logistikstützpunkt der Petroindustrie, mit Klimatisierung, Heizung, Brandmelde- und Notstromsystemen. Im minus 50 Grad kalten Sibirien wurden Container zum Wohnen für Ölarbeiter aufgestellt, Wäscherei und Fitnessräume inklusive. Für ein Offshore-Projekt auf hoher See lieferte der Mobilraumspezialist 54 Container als komplette Mannschaftsunterkunft, die auf einem Schiff eingesetzt wurde.

„ELA hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht“, braust Günter Albers weiter fort. Vor genau zehn Jahren – im Jahr 2005 – zog sich Vater Bernhard Albers aus dem operativen Geschäft zurück und übergab das Ruder an seine drei Kinder zugleich, die sich alle bereits bewiesen hatten: 15 Jahre lang hatten sie bereits gemeinsam mit ihrem Vater Seite an Seite gearbeitet. Als Geschäftsführende Gesellschafter führen sie die Firma seitdem nicht weniger ehrgeizig. „Mindestens 10 Prozent wachsen jedes Jahr, das ist unsere eigene Messlatte! Der Markt ist hart umkämpft. Es gibt eine Handvoll große, aber eben auch sehr viele kleine Marktbegleiter. Da muss man richtig gut sein“, sagt Günter Albers und bringt die Herausforderung, die der Markt an ELA Container stellt, auf den Punkt.

Info

Mobil in Europa: ELA Container GmbH

Das Familienunternehmen aus dem Emsland bietet für Kunden verschiedenster Branchen mobile Raumlösungen an. Der Containerpark umfasst derzeit etwa 22.000 Mietcontainer, die in ganz Europa im Einsatz sind, ganz gleich ob in Schulen, Baufirmen oder in der Petroindustrie. Bernhard Albers hat die Firma im Jahr 1972 gegründet. Heute ist er Vorsitzender des Beirats, während seine drei Kinder Liesel, Günter und Tim als Geschäftsführende Gesellschafter das Unternehmen leiten. ELA Container beschäftigt über 500 Mitarbeiter und setzt etwa 100 Millionen Euro um.

Mit „richtig gut sein“ meint Günter Albers aber auch sich selbst und seine Geschwister im Miteinander. Vater Bernhard wirkt als Vorsitzender im Beirat, der dreimal im Jahr zu den „Big Points“ tagt, als Integrationsfigur immer noch im Familiengefüge mit. Das, was der Vater jahrzehntelang allein entschieden hat, müssen die drei Geschwister heute gemeinsam entscheiden, den Übergang vom gründer- zum geschwistergeführten Unternehmen gemeinsam bewältigen. Sie seien sehr unterschiedliche Typen, sagt Günter Albers, sicher keine Ja-Sager, und man müsse bisweilen viel Kommunikationsarbeit leisten, um Ängste abzubauen und alle in ein Boot holen zu können und um letztlich zu verhindern, dass Konflikte die Existenz des Unternehmens aufs Spiel setzen. Dafür braucht es einen Rahmen.

Und dieser heißt Familienverfassung. „Was sind unsere Werte? Wie gehen wir mit Wachstum um? Unter welchen Bedingungen kann die nächste Generation ins Unternehmen einsteigen? Sind wir noch ein Familienunternehmen, wenn wir Fremdgeschäftsführer haben? Um nur einiges zu nennen“, sagt er, „es ist ein richtig dickes Buch geworden.“ In der Schublade nützt die Familienverfassung allerdings wenig. Sie muss auch kommuniziert und gelebt werden. Draußen in der Vitrine hinter dem Welcome Center steht ein Staffelstab aus Keramik. Der soll symbolisieren, dass die zweite Generation das Unternehmen nur „geliehen“ hat und gesund an die nächste weitergeben will. Neun Kinder gibt es inzwischen in der dritten Generation. „Da ist durchaus Potential dabei“, lacht Günter Albers. Doch noch rufen Studium und die weite Welt, bevor der Stab von den „jungen Wilden“ übernommen werden kann. Noch scheint der Pioniergeist aus der Anfangszeit ungebrochen. Ob das „dicke Buch“ diesen Geist auch in die dritte Generation weiterträgt, bleibt abzuwarten.