MCI Internationale Hochschule GmbH in Innsbruck hat eine Studie durchgeführt: Zwölf qualitative Interviews wurden anhand von drei theoretischen Modellen daraufhin untersucht, was eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger im Familienunternehmen ausmacht.
Sozio-emotionaler Wohlstand (socioemotional wealth, kurz SEW) misst nicht-materielle Prioritäten von Familienunternehmen, wie etwa Reputation, Netzwerke oder den Verbleib des Unternehmens in Familienhand. Solche Ziele bilden oft den strategischen Kern von Entscheidungen, die in Familienunternehmen getroffen werden, und erklären Unterschiede zwischen familiengeführten und nicht-familiengeführten Unternehmen. SEW wurde in der Studie herangezogen, um die familiären Werte zu erklären und zu analysieren.
Was ist Nachfolgern wichtig?
Für die individuellen Werte der Nachfolgerin oder des Nachfolgers hingegen wurden zwei verschiedene Modelle genutzt: Zum einen die Selbstbestimmungstheorie (self-determination theory, kurz SDT), die 1985 von Richard M. Ryan und Edward L. Deci an der Universität von Rochester, USA, entwickelt wurde, und zum anderen die Wertetheorie (value theory) von Shalom E. Schwartz aus dem Jahr 1994. Die Selbstbestimmungstheorie besagt, dass drei grundlegende psychologische Bedürfnisse erfüllt sein müssen, um optimal zu funktionieren: Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit. Die Erfüllung dieser drei Bedürfnisse entscheidet über intrinsische und extrinsische Motivation. Und die Wertetheorie von Schwartz ist ein komplexes Modell, das auf den beiden Spannungsfeldern zwischen Selbststärkung und Selbsttranszendenz einerseits und zwischen Bewahren und Offenheit andererseits beruht.
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Die Studienautoren kommen zu folgendem Ergebnis: Ob ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin bereit ist, im Familienunternehmen Verantwortung zu übernehmen, hängt sowohl von familiären als auch von individuellen Werten ab. Offenheit für neue Erfahrungen und Gewissenhaftigkeit zahlen auf die Nachfolgeabsicht ein, ebenso wie das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Kreativität (Selbstbestimmung) und das Bedürfnis, für Nahestehende zu sorgen (Wohlwollen). Aber mehr noch als diese Persönlichkeitsmerkmale, die auf dem Wertemodell von Schwartz beruhen, ist die Erfüllung von psychologischen Grundbedürfnissen entscheidend: Wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin das Gefühl hat, autonom, kompetent und als Teil eines Ganzen im Familienunternehmen Verantwortung zu übernehmen, wird er oder sie das wahrscheinlich auch tun.
Darüber hinaus sind die Bedürfnisse nach der Selbstbestimmungstheorie auch Faktoren, die die Unternehmerfamilie beeinflussen kann, wohingegen Persönlichkeitsmerkmale nach Schwartz zumindest teilweise angeboren sind. Von Seiten der Familie spielen sozioemotionale Werte eine ebenso wichtige Rolle wie wirtschaftliche Überlegungen. Die Chancen auf eine gelungene Nachfolge stehen laut Studie am besten, wenn zwischen diesen Ausgewogenheit besteht und die Bedürfnisse der Nachfolgerin oder des Nachfolgers nach Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit ernstgenommen werden.
Hat an der Uni Bamberg Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin am Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Bei dem Magazin brand eins in Hamburg entdeckte sie ihre Liebe zum Wirtschaftsjournalismus, der sie seit März 2023 beim wir-Magazin frönen darf.

