„Ohne Vermögensstrategie geht es nicht“

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Wie sieht das Vermögensmanagement der Familie Oetker aus?

Wir haben kein Family Office, wie es einige andere Unternehmerfamilien vielleicht haben. Grundsätzlich verbleibt die Masse unseres Vermögens im Unternehmen. Das Motto der Familie lautet Diversifikation, sowohl im Unternehmen als auch in Bezug auf das private Vermögen. Das kommt aus unserer Historie. Mein Vater leitete das Unternehmen fast 40 Jahre. Der Gewinn blieb auf seinen Wunsch hin bis auf kleine Summen immer im Unternehmen. Dort fand auch der Risikoausgleich statt. Das ist im Wesentlichen bis heute so geblieben. Die Vermögensdiversifikation findet bei uns also nicht privat, sondern im Unternehmen statt.

Also gibt es keine gebündelte Anlagestrategie der Familiengesellschafter?

Nein, die gibt es nicht. Es gibt eine Familienverfassung, die ganz klar vorschreibt, dass das Unternehmen im Vordergrund steht und dass Stabilität und Unabhängigkeit sehr wichtige Unternehmensziele sind.


Das Bankhaus Lampe verwaltet also im Grunde gar nicht das Vermögen der Oetker-Familie?

Das Bankhaus Lampe nimmt bei vielen Familiengesellschaftern eine zentrale Rolle in der Vermögensverwaltung des freien privaten Vermögens ein. Nur ist das im Verhältnis zum Unternehmensvermögen der Familie gering, und das ist auch so gewollt.


Wie ist es um die Risikostruktur der Unternehmensgruppe bestellt?

Unser unternehmerisches Risiko wird allein schon durch die verschiedenen Sparten mit ganz unterschiedlichen unternehmerischen Aktivitäten minimiert. Zu unserer Gruppe gehören Schiffe, Nahrungsmittel- und Getränkeunternehmen, Hotels, Chemieunternehmen, ein Verlag und eben das Bankhaus Lampe. Sie alle folgen teilweise unterschiedlichen Zyklen. Insofern haben wir in der Oetker-Gruppe eine gute Risikodiversifikation. Risiken, die auch wir natürlich in Abhängigkeit von der jeweiligen wirtschaftlichen Entwicklung haben, können zumindest teilweise von den anderen Branchen aufgefangen werden.


Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat aber auf alle Branchen durchgeschlagen …

Nicht im gleichen Maße. Die Entwicklung, die man im europäischen Nahrungsmittelkonsum gesehen hat, ist in keiner Weise mit dem deutlichen Einbruch in der Schifffahrtindustrie vergleichbar. Unsere diversifizierte Struktur hat sich in dieser Krise bewährt. Auch innerhalb des Nahrungsmittelsegments sind wir diversifiziert. Wachstum ist im Moment in kaum einer Branche zu sehen, aber die Einbrüche sind unterschiedlich stark.


Haben Sie Ihre persönliche Anlagestrategie im Zuge der Finanzkrise geändert?

Ich habe meine langfristige Strategie in der Vergangenheit immer wieder angepasst. Dabei habe ich mir grundsätzliche Fragen gestellt: Was will ich eigentlich mit meinem Privatvermögen erreichen? Was für ein langfristiges Ziel verfolge ich? Wie ist meine Familienplanung? Auf meine Asset-Allokation hatte meine Hochzeit im vergangenen Jahr mehr Einfluss als die Finanzkrise. Ich bin außerdem vor kurzem nach Düsseldorf gezogen. Ich habe vorher in der Niederlassung in Hamburg gearbeitet. In Hamburg war ich Mieter, in Düsseldorf habe ich ein Haus gekauft, weil ich die nächsten Jahre hier verbringen möchte. Das war eine eindeutige Veränderung in meiner Asset-Allokation, die sonst nicht stattgefunden hätte – Finanzkrise hin oder her.

Info

Ferdinand Oetker und das Familienunternehmen

Ferdinand Oetker ist der jüngste Sohn von Rudolf-August Oetker, dem Urenkel des Firmengründers, der die Oetker-Gruppe entscheidend geprägt hat. Beim Bankhaus Lampe kümmert Ferdinand Oetker sich als Generalbevollmächtigter um die Vermögensverwaltung ausgewählter Unternehmerfamilien. Der 36-Jährige arbeitet seit 2004 für das konzerneigene Bankhaus. Die Dr. August Oetker KG macht einen Umsatz von 9,2 Milliarden Euro (2008) und hält unter ihrem Dach rund 400 Firmen mit insgesamt 24.700 Mitarbeitern. Die Geschäftsbereiche sind in Nahrungsmittel, Bier und alkoholfreie Getränke, Sekt, Wein und Spirituosen, Schifffahrt und Weitere Interessen unterteilt. Die Schifffahrt machte noch im Jahr 2008 48 Prozent des Gesamtumsatzes und mit 65 Prozent den Hauptanteil der Investitionen aus. Das Vermögen der Oetker-Gruppe ist hauptsächlich in Grundstücken, Betriebsanlagen, Schiffen und Containern investiert. Die Eigenkapitalquote liegt bei 20 Prozent.

Würden Sie Ihr Vermögen anders anlegen, wenn Sie kein Oetker-Gesellschafter wären?

Meine Vermögensstruktur sieht anders aus als die meiner Kunden. Durch die Struktur der Oetker-Gruppe ist es natürlich klar, dass ich bestimmte Branchen nicht abdecke. Ich investiere beispielsweise nicht in Schiffsbeteiligungen. Ich bin als Oetker-Gesellschafter über die Hamburg-Süd an einer Reederei beteiligt. Für Kunden aus schifffahrtsfernen Branchen, wie z.B. einen Maschinenbauunternehmer, können Schiffsbeteiligungen aber durchaus Sinn machen, weil es eine gute Diversifikation des Vermögens ist.


Wie sieht es mit Ihrer Liquiditätsplanung aus?

Sicherlich habe ich auch beim Thema Liquidität andere Präferenzen. Die Deutschen lieben Steine und Immobilien. Daher ist das Vermögen häufig auch sehr illiquide angelegt. Das ist bei mir anders. Als Gesellschafter der Oetker- Gruppe ist der Hauptteil meines Vermögens schon illiquide. Deswegen möchte ich in meinem kleinen Privatvermögen einen gewissen Anteil an Liquidität behalten. Außerdem war ich immer der Ansicht, dass mein Geld, solange ich keine Kinder habe, arbeiten soll, damit ich später meiner Familie hoffentlich einen gewissen Lebensstandard bieten kann. Das bedeutet, es war mehr oder weniger alles investiert. Eine Art „Angstkasse“ hatte ich nie. Bei Investoren, die ihre Ruhe haben wollen, spielt dieser Sicherheitsaspekt aber oftmals eine größere Rolle.


Im Zuge der Finanzkrise hat sich gerade bei Familienunternehmen gezeigt, wie wichtig es ist, Vermögen liquidieren zu können, wenn es im Unternehmen eng wird.

Im Rahmen der Finanzkrise ist das Thema Liquidität und Liquidierbarkeit von Vermögensgegenständen verstärkt auf den Tisch gekommen – vor allem in den neuen Asset-Klassen. Vor 24 Monaten haben wir noch geglaubt, dass ein Geldmarktfonds wie Festgeld ist. Jetzt sind wir schlauer. Die Geldmarktfonds waren teilweise geschlossen. Nun hatten die Anleger eine angeblich völlig liquide Asset-Klasse, kamen aber nicht an ihr Geld. Das betraf auch zeitweise viele festverzinsliche Wertpapiere. Plötzlich waren Pfandbriefe nicht mehr handelbar. Das war ein Schock, nicht nur für den Mittelstand, sondern auch für die gesamte Wirtschaft.


Beobachten Sie derzeit einen Trend, dass zugunsten von liquiden Anlagen umgeschichtet wird?

Ich habe nicht den Eindruck, dass die Unternehmer nun verstärkt in liquide Anlageprodukte gehen. Die Fragen, die derzeit viele umtreiben, sind: Wem können wir noch trauen? Wie sichern wir unser Vermögen vor Inflation? Wohin entwickelt sich die Weltwirtschaft?


Vertrauen Sie auf die Zahlungsfähigkeit des deutschen Staates?

Die deutsche Staatsanleihe ist im Moment ein sehr sicheres, aber kein renditestarkes Produkt. Doch selbst mit Bundesanleihen kann man Geld verlieren, wenn die Inflation über ein gewisses Niveau steigt. Aber das ist in all den Jahren sinkender Zinsen in Vergessenheit geraten. Eine Lösung ist die Investition in Unternehmen oder in weitere real existierende Werte wie Immobilien, Schiffe, Flugzeuge etc. Unternehmer sind sicherlich jetzt auch bereit, Aktien zu kaufen – aber nur von Unternehmen, die sie kennen und zu denen sie Vertrauen haben, z.T. auch aus der eigenen Branche.


Wie haben sich die Unternehmerfamilien in der Finanzkrise geschlagen?

Die größten Fehler wurden nicht in der Taktik gemacht, sondern in der Investmentstrategie. Man muss sich erst einmal überlegen: Was will ich mit meinem Vermögen eigentlich erreichen, und zwar mit dem gesamten Vermögen, also mit dem Unternehmen, den Immobilien, der Kunst, dem liquiden Vermögen? Was ist das Ziel des Ganzen? Wenn man sich daran orientiert, dann wurde man zwar auch von der Finanzkrise erwischt, aber sie hat einem nicht das Genick gebrochen. Schlimm ist es immer dann, wenn man sich verspekuliert und das Risiko im Vorfeld nicht richtig eingeschätzt hat. Wenn alle Familienunternehmer die strategische Klarheit, die sie in ihrem Unternehmen haben, in ihrem Privatvermögen hätten, wären sie weiter.