Single Family Office: Pro und Contra

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Nach dem Verkauf des Familienunternehmens stand mein Vater Silvius Dornier vor der Frage, wie er das Vermögen verwalten lassen sollte. Er wollte vor allem unabhängig von den Banken sein, daher entschied er sich bereits in den 1980er Jahren für die Gründung eines Single Family Offices“, sagt Claudius Dornier, Sohn von Silvius Dornier. So oder ähnlich argumentieren viele Unternehmerfamilien, die sich für die Gründung einer eigenen Vermögensverwaltung entschieden haben. Doch was sind neben dem Wunsch nach Unabhängigkeit weitere wichtige Kriterien? Schließlich bieten neben bankennahen Family Offices auch unabhängige Multi Family Offices umfangreiche Dienstleistungen für die Strukturierung, Verwaltung und Kontrolle des Vermögens an.

„Das Thema Diskretion spielt bei vielen Familien eine ganz wichtige Rolle“, sagt Peter Brock, Leiter des Bereichs Family Office Services bei EY. „Viele Vermögensinhaber fühlen sich wohler, wenn sie ihr Vermögen eng bei sich haben und selbst kontrollieren.“ Mit einer eigenen Vermögensverwaltung können Familien nicht nur die Mitarbeiter auswählen, denen sie ihre Anlagen anvertrauen, sondern auch selbst entscheiden, wie stark sie sich in den Prozess einbringen wollen. Zudem bietet das Family Office eine Struktur, mit der in Anspruch genommene Dienstleistungen einschließlich der Rechts- und Steuerberatung koordiniert werden können. „Im Single Family Office laufen alle Fäden zusammen“, sagt Brock.

Single Family Offices (SFOs) erfüllen häufig aber noch weitere Funktionen, die über die Professionalisierung der Vermögensverwaltung und -kontrolle hinausgehen: Sie beschränken nicht nur den Zugriff einzelner Familienmitglieder auf das Familienvermögen und beugen so der Zersplitterung vor, sondern erleichtern auch die Übertragung auf die nächste Generation. Zudem gewinnt das Thema Family Governance an Bedeutung. Im Rahmen des Family Offices werden gemeinsame Ziele und Werte formuliert, die Rechte und Pflichten der Gremien und Familienmitglieder geregelt sowie Mechanismen zur Konfliktlösung erarbeitet. Für Familien, die das Familienunternehmen verkauft haben, kann das SFO so zu einem verbindenden und identitätsstiftenden Element werden.

Hürden und Nachteile

Dass trotz aller Vorteile der Aufbau eines SFO nicht einfach ist, weiß Patrick Zimmermann, der seit dem Verkauf des Fleisch- und Wurstherstellers ZIMBO gemeinsam mit seinem Vater Reinhold das Portfolio aus Kapitalmarkt- und Agrarinvestments, Immobilien und Direktbeteiligungen im familieneigenen Family Office Zimmermann Investment betreut. „Für uns war von Anfang an klar, dass wir für unser Vermögen selbst verantwortlich sein wollten – auch für schlechte Entscheidungen. Ausschlaggebend war, dass wir zur richtigen Zeit die richtigen Mitarbeiter gefunden haben, um eine entsprechende Struktur aufzubauen.“ Die Familie Zimmermann konnte einige Wegbegleiter aus dem Unternehmen für das Family Office gewinnen. Wäre dies nicht gelungen, hätten sie ihren Plan wohl verworfen, räumt Zimmermann ein. Denn der Erfolg der Vermögensverwaltung hängt wesentlich von der Qualität der Mitarbeiter ab. Und die sind nicht leicht zu finden, vor allem, wenn sich der Standort nicht in einer der Metropolen, sondern wie im Fall von Zimmermann Investment in der sauerländischen Provinz befindet.

Eine weitere Hürde für den Aufbau eines eigenen Family Offices sind die Kosten. Die Anlaufkosten lassen sich nur schwer beziffern. Die Investitionen für die Einrichtung einer Infrastruktur einschließlich der Klärung der rechtlichen und steuerlichen Fragen, die Einrichtung einer IT-Plattform etc. bezeichnet Zimmermann als „sehr hoch“. Die Betriebskosten werden in Beraterkreisen mit einer Bandbreite von 30 bis 120 Basispunkten angegeben, je nachdem, wie das Vermögen der Familie strukturiert ist und welche Leistungen selbst erbracht oder zugekauft werden. Die Unternehmensberatung Cap Gemini veranschlagt die jährlichen Fixkosten für ein Full-Service Family Office mit 1 Million US-Dollar. Folglich lohnt sich ein eigenes Family Office erst ab einem dreistelligen Millionenbetrag.


Kostenverteilung für ein Single Family Office (USA)

SFO mit drei Mitarbeitern

Quelle: The cost of complexity, understanding family office costs, Family Office Exchange, 2011, aus: EY und Credit Suisse (Hrsg.), EY Family Office Guide: Pathway to success family and wealth management, 2016


SFO mit zwölf Mitarbeitern und einem Chief Investment Officer

Quelle: The cost of complexity, understanding family office costs, Family Office Exchange, 2011, aus: EY und Credit Suisse (Hrsg.), EY Family Office Guide: Pathway to success family and wealth management, 2016


Dr. Marc Herzog, Geschäftsführer von Family Office Consulting, findet eine solche Aussage viel zu pauschal. Auch bei kleineren Vermögen im mittleren zweistelligen Bereich sei ein kleines SFO denkbar. „Möglicherweise reicht sogar eine Teilzeitkraft, um das Vermögen zu verwalten, es muss ja nicht gleich ein ganzes Team sein“, gibt Herzog zu bedenken. „Familien, die mit dem Gedanken spielen, eine eigene Vermögensverwaltung zu gründen, sollten sich erst einmal grundsätzlich fragen, was verändert werden soll.

Welche Struktur kann sich die Familie vorstellen? Welche Leistungen sollen auf jeden Fall selbst erbracht und welche zugekauft werden? Und welche Chancen würde ein SFO eröffnen?“ Insbesondere wenn ein gewisses Know-how in Bezug auf Assetklassen wie beispielsweise Immobilien oder Direktbeteiligungen schon vorhanden sei, lohne es sich, ein SFO in Erwägung zu ziehen.

Eine Möglichkeit, um die Kosten für den Verwaltungsapparat zu reduzieren und von weiteren Größenvorteilen zu profitieren, ist die Öffnung für zusätzliche Investoren. Häufig öffnen sich Single Family Offices nur in Teilbereichen, um ihre Spezialwissen in einer Assetklasse anderen Familien zugänglich zu machen.

Die Familie Dornier investiert über ihre vermögensverwaltende Einheit Do-Investment seit vielen Jahren gemeinsam mit anderen Familien und Stiftungen in agrar- und forstwirtschaftliche Flächen sowie in klassische liquide Kapitalmarktanlagen. „Durch die teilweise Öffnung für andere Investoren lassen sich zum einen Synergien heben, zum anderen konnten wir unser Team und damit unsere Expertise erweitern“, sagt Dornier. Ein positiver Nebeneffekt sei überdies die Vergrößerung des Netzwerkes.

„Selbst wenn ein SFO mit Family & Friends investiert, kann es niemals so breit und professionell aufgestellt sein wie ein voll integriertes Multi Family Office“, sagt Christian Freiherr von Bechtolsheim, Vorstand beim Multi Family Office Focam. Er vertritt den deutschen Zweig einer niederländischen Unternehmerfamilie. Gemeinsam mit Andreas Jacobs, Erbe der gleichnamigen Kaffeedynastie, und einem weiteren Kollegen gründete er im Jahr 2000 Focam mit dem Ziel, das eigene Familienvermögen zu verwalten und gleichzeitig ein Geschäftsmodell daraus zu machen. „Bei einem SFO besteht die Gefahr, dass sich die Familie nur auf wenige Assetklassen konzentriert und nicht ausreichend breit diversifiziert, weil das Know-how fehlt“, sagt von Bechtolsheim. Fachleute für alle Assetklassen vorzuhalten ist teuer. „Wenn man zu viel Leistung zukaufen muss, lohnt sich der Betrieb eines SFO ab einem gewissen Punkt nicht mehr.“

Marc Hocks, Vorstand bei der Tresono Family Office AG, sieht in der Abhängigkeit des Family Officers von seinem Principal einen weiteren potentiellen Nachteil. „Je nach Persönlichkeit kann es für den Family Officer schwer sein, bei Investmententscheidungen standhaft zu bleiben und nicht dem Bauchgefühl seines Arbeitsgebers nachzugeben – vor allem in Krisenzeiten. Jeder Vermögensinhaber sollte sich vorher genau überlegen, was er von seinem Family Officer erwartet.“