Als Unternehmensnachfolge bezeichnet man den geplanten Übergang von Eigentum und/oder Führung eines Unternehmens auf eine Nachfolge-Person (Nachfolgerin oder Nachfolger) oder -Struktur (Überführung in eine Familienholding oder eine Familienstiftung). Für Familienunternehmen ist dieser Prozess oft die bedeutendste strategische Entscheidung einer Generation – und zugleich eine der emotional aufreibendsten.
Die erfolgreiche Unternehmensnachfolge ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland von enormer Bedeutung. Denn immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer suchen Nachfolger, aber werden nicht fündig. Die Konsequenz: Die Zahl der Unternehmer, die ihren Betrieb schließen wollen, erreichte 2024 einen Höchstwert und für 92 Prozent ist ein mangelnder Nachfolger der Grund. Schätzungen zufolge stehen pro Jahr 30.000 Übergaben von Familienunternehmen an, die circa 480.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen.
Bei der Frage, welche Themen bewegen Familienunternehmen liegt nicht überraschend daher mit Blick auf den Bereich Familie das Thema „Nachfolge“ auf dem ersten Platz. Im Zusammenhang damit geht es auch oft darum, Konflikte zu managen, Streitigkeiten zu verhindern und als Eigentümerfamilie die passende Strategie für die Unternehmensnachfolge zu finden. Beispielsweise, ob ein Familienmitglied ins Unternehmen einsteigen darf/soll und wenn ja, unter welchen Vorzeichen.
Zugleich ist der Anteil an Frauen in der Nachfolge nach wie vor gering. In den letzten zehn Jahren lag der Anteil von Frauen an den Nachfolgern in Deutschland zwischen 21 und 23 Prozent und ist zuletzt auf 21 Prozent leicht zurückgegangen. Im wir-Podcast gingen Prof. Dr. Nadine Kammerlander (seit 2015 Professorin an der WHU – Otto Beisheim School of Management und dort Inhaberin des Lehrstuhls für Familienunternehmen) sowie Claudia Rankers (Gründerin und Inhaberin des Rankers Family Office), die sich stark für das Thema Frauen als Unternehmerinnen engagiert, der Frage nach: Schließen Frauen die Nachfolgelücke?
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Unternehmensnachfolge nicht unbedingt daran scheitert, dass sich niemand findet. „Nachfolge scheitert nicht an fehlenden Kandidaten. Sie scheitert an fehlenden Prozessen, die Vertrauen und kulturelle Passung fördern“, schreiben Felix Huzel, Dr. Michael Meier und Luise Pellens von der Personalberatung Egon Zehnder in ihrem Gastbeitrag für das wir-Magazin. Daher gilt es, die Unternehmensnachfolge mit viel Weitsicht zu planen.
Dieser Artikel erklärt, wie Unternehmensnachfolge im Familienunternehmen funktioniert: welche vier Grundformen es gibt, was familieninterne Übergaben gelingen lässt, wann ein Verkauf oder eine Stiftungsgründung die klügere Wahl ist — und warum Frauen heute eine andere, stärkere Rolle in der Nachfolge einnehmen als noch eine Generation zuvor.