Warum Cornelius Dornier für seinen Vater Silvius arbeitet

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„Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nicht für die Familie zu arbeiten,“ sagt Cornelius Dornier, der Sohn des Stifters Silvius Dornier, während er durch die Ausstellung des Dornier Museums führt, „aber dann war die Verlockung einfach zu groß.“ Der 48-Jährige ist Projektleiter des Luftfahrt- und Technikmuseums in Friedrichshafen und Enkel des legendären Flugzeugkonstrukteurs Claude Dornier. Zu jedem Ausstellungsstück weiß Cornelius Dornier eine Geschichte zu erzählen, viele Exponate hat er selbst beschafft: das weltweit letzte Exemplar der Do29 beispielsweise, ein Aufklärungsflugzeug, das er dem Generalinspekteur der Bundeswehr abgerungen hat. Besonders stolz ist Dornier auf den originalgetreuen Nachbau der Wal N25, eines hochseetauglichen Flugboots, mit dem Polarforscher Roald Amundsen 1925 einen gewagten Flug in die Arktis unternahm, von dem er beinahe nicht zurückgekehrt wäre.

Vor 100 Jahren nahm hier in Friedrichshafen alles seinen Anfang. Ferdinand Graf von Zeppelin holte den jungen Maschinenbauingenieur Claude Dornier zu sich und richtete ihm 1914 ein eigenes Entwicklungsbüro ein, die Abteilung Do. Die Fliegerei steckte damals noch in den Kinderschuhen, seit dem ersten Motorflug der Gebrüder Wright waren erst elf Jahre vergangen. Claude Dornier nutzte die Gunst der Stunde und galt bald als genialer Konstrukteur und Erfinder. Zwei Weltkriege und mehrere Neuanfänge später entwickelte sich das Unternehmen Dornier in den sechziger Jahren vom Flugzeugbauer zur Technologieschmiede, vor allem für Medizin- und Raumfahrtechnik, mit zuletzt 10.000 Mitarbeitern.

Heute ist das Unternehmen Geschichte, ebenso wie die Flugsaurier im Hangar am Friedrichshafener Flughafen. Knapp 30 Jahre ist es her, dass die Familie Dornier ihr Unternehmen an Daimler- Benz veräußerte. Vorausgegangen waren eine schwere Krise und langwierige Auseinandersetzungen im Gesellschafterkreis. Vier von sieben Kindern des Gründers waren in Führungspositionen im Unternehmen aktiv. Es bildeten sich zwei Fraktionen, schließlich blieb nur noch der Verkauf. „Doch selbst wenn die Familie an einem Strang gezogen hätte, gäbe es das Unternehmen heute wahrscheinlich nicht mehr“, vermutet Cornelius Dornier. Die Dimensionen des Flugzeugbaus seien heute einfach zu groß für ein Familienunternehmen.

Silvius Dornier gründet die Dornier Stiftung

Irgendwann entstand die Idee für das Museum. Silvius Dornier, der älteste noch lebende Sohn Claude Dorniers, gründete die Dornier Stiftung für Luft- und Raumfahrt und investierte insgesamt 40 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen. „Mein Vater hat sein gesamtes Berufsleben in dieser Firma verbracht. Er wollte nicht, dass alles, was dort entstanden ist, einfach verschwindet“, erklärt Cornelius Dornier die Beweggründe seines heute 86-jährigen Silvius Dornier. „Er wollte den Errungenschaften der Mitarbeiter und der Firma ein Forum geben.“ Außerdem sollte der Pioniergeist befeuert werden, vor allem bei der Jugend, sagt Dornier. „Mein Großvater Claude Dornier hat die Dinge immer hinterfragt und neu gedacht. Er war einer der Ersten, der Flugzeuge aus Metall gebaut hat.“ Auch die nachfolgende Generation habe sich diesen Geist bewahrt und viele neue technische Entwicklungen auf den Weg gebracht. „Wir wollen zeigen, dass alles möglich ist.“

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Claude Dornier wurde 1884 in Kempten geboren und studierte in München Maschinenbau. 1910 trat er in die Versuchsabteilung der Luftschiffbau Zeppelin GmbH ein. Ferdinand Graf von Zeppelin wurde sein Mentor und richtete ihm 1914 ein eigenes Entwicklungsbüro ein, aus dem 1917 die eigenständige Abteilung Do wurde. Während des Ersten Weltkrieges baute Dornier Riesenflugboote und Jagd- und Aufklärungsflugzeuge für die Kaiserliche Marine und Fliegertruppe. Neben Hugo Junkers (der im Zweiten Weltkrieg von den Nazis enteignet wurde) war Dornier der Erste, der Flugzeuge aus Metall baute. Um dem im Versailler Vertrag festgelegten Bauverbot für Flugzeuge zu entgehen, errichtete Dornier nach dem Ersten Weltkrieg Produktionsstätten in der Schweiz und in Italien. In den zwanziger Jahren feierte Dornier vor allem mit den Wal-Flugbooten und kleinen Verkehrsflugzeugen wie der Merkur und dem Komet II unternehmerische Erfolge. 1929 startete die Do X, das damals größte Flugzeug der Welt seinen Jungfernflug mit 169 Passagieren an Bord. Im Zuge der Wirtschaftskrise kaufte Dornier 1932 dem Zeppelin-Konzern die Anteile an der Dornier-Metallbauten GmbH ab und wurde somit selbst zum Unternehmer.

Dass er einmal das Dornier Museum aufbauen würde, hätte sich Cornelius Dornier nicht träumen lassen. Er war 19 Jahre alt, als sein Vater Silvius Dornier das Unternehmen verkaufte. Ihn hatte es – wie seine sechs Geschwister – ohnehin nicht ins Unternehmen gezogen. Er besaß weder das technische Talent noch den Ehrgeiz, sich mit den Errungenschaften seines Großvaters zu messen. „Meine Geschwister und ich waren realistisch und bescheiden genug zu wissen, dass wir in der Firma nichts hätten werden können“, sagt Cornelius rückblickend. Er ging ins Marketing und gründete sein eigenes Unternehmen. 2005 stellte sich dann die Frage, wer das Museumsprojekt leiten sollte. „Für meinen Vater war klar, dass es jemand aus der Familie sein sollte. Ich hatte immer eine Affinität zu Architektur und kannte mich mit Marketing aus, so fiel die Wahl auf mich“, sagt Dornier. Er habe von vornherein gewusst, wie sich das Museum anfühlen sollte: „Ein lebendiger, inspirierender Ort. Kinder und Jugendliche, die ins Museum kommen, sollen einen magischen Moment erleben und sich für die Technik begeistern.“

Herausforderungen und Erkenntnisse

Die Umsetzung war keine leichte Aufgabe: Die Suche nach einem passenden Ort, die Auswahl des Architektenentwurfs und die Beschaffung der Exponate dauerten insgesamt vier Jahre. Auch die inhaltliche Umsetzung war nicht einfach. Insbesondere die Rolle Claude Dorniers als Rüstungsunternehmer unter den Nazis musste aufgearbeitet werden. Um die notwendige Distanz zu schaffen, holte sich Dornier mit Dr. Christa Tholander und Dr. Martin Pabst zwei erfahrene Historiker ins Haus. Berichte von Zeitzeugen und ehemaligen Zwangsarbeitern, Filme zum Luftkrieg über England sowie Bilder von der Bombardierung Friedrichshafens und der Zerstörung der Dornier-Werke dokumentieren heute das dunkle Kapitel Dorniers unter den Nationalsozialisten. Die Zeit während des Dritten Reiches sei für seinen Großvater nicht einfach gewesen, ist sich der Enkel sicher. Schließlich sei er väterlicherseits Franzose gewesen. „Insgesamt hat mich die intensive Beschäftigung mit dem Leben meines Großvaters und der Unternehmensgeschichte sehr berührt“, sagt Cornelius Dornier. „Die Achtung für das, was hier in 70 Jahren Unternehmensgeschichte entstand, ist durch meine Arbeit an dem Museumsprojekt noch größer geworden.“

Während Cornelius Dornier gemeinsam mit zwei familienfremden Vorständen der Dornier Stiftung für Luft- und Raumfahrt für die Umsetzung und das operative Geschäft verantwortlich ist, sitzen seine Brüder David, Daniel und Iren im sechsköpfigen Beirat. Vater Silvius Dornier ist Stiftungsvorstand auf Lebenszeit. Trotz seines Alters sei er nach wie vor der Patriarch, der im Hintergrund die Richtung weise, sagt Cornelius.

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In den dreißiger Jahren profitierte Dornier von der Wiedergründung der deutschen Luftstreitkräfte und von Bauund Entwicklungsaufträgen der Nationalsozialisten. Zwischen 1932 und 1938 stieg die Zahl der Mitarbeiter von 559 auf 12.605. Während des Zweiten Weltkrieges baute Dornier vor allem Jagdflugzeuge und Bomber und beschäftigte neben Ostbzw. Zwangsarbeitern auch KZ-Häftlinge. Gegen Ende des Krieges wurden die Dornier-Werke weitgehend zerstört. Mit dem Potsdamer Abkommen wurde den Deutschen der Bau von Flugzeugen erneut untersagt, und Dornier versuchte, mit der Fertigung von Maschinen aller Art das Unternehmen am Leben zu halten. Claude Dorniers ältester Sohn Peter baute nach Kriegsende den Webmaschinenhersteller Lindauer Dornier auf.

Einen Neubeginn im Flugzeugbau startete Claude Dornier ab 1951 mit seinem Sohn Claudius in Spanien. Mitte der fünfziger Jahre lief die Flugzeugproduktion in Deutschland wieder an, Dornier baute Passagiermaschinen für den zivilen Luftverkehr und wurde Kunde der Bundeswehr. 1967 baute Dornier den weltweit ersten Senkrechtstarter.

Inzwischen bringen sich auch andere Mitglieder der Großfamilie im Museum ein. Die derzeit laufende Sonderausstellung „Mit Carbonfaser in die Zukunft“ hat Cornelius zusammen mit seinem Cousin Peter umgesetzt. Peter Dornier jun. ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Lindauer Dornier GmbH, eines Webmaschinenbauers für Spezialfolien und -gewebe wie Carbon, den sein Vater Peter Dornier sen. 1950 als Tochtergesellschaft des Dornier-Konzerns gegründet hat. Auch Cornelius’ Tante Ellen Dornier, die Witwe von Donatus Dornier, unterstützt das Museum – vor allem finanziell. Das Museum verfügt zwar über ein Stiftungsvermögen von 9 Millionen Euro, doch dies reiche für den Unterhalt nicht aus, sagt der Projektleiter. „Ein Museum ist kostspielig und immer ein Zuschussgeschäft, ohne Idealismus geht es nicht.“ Cornelius freut sich sehr über das Engagement der Familie. „Als mein Vater das Museum ins Leben gerufen hat, konnte er es nicht allen in der Familie recht machen, umso mehr freuen wir uns über diese Entwicklung.“

Mission erfüllt? „Nein, so etwas hört nie auf“, sagt Dornier und lacht. Seine Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass der Geist des Gründers weiterhin lebendig bleibe und das Museum viele Besucher anziehe. Gerade werden im Eingangsbereich die Stände für den Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ 2014 aufgebaut, das Museum ist einer der Veranstalter des jährlichen Wettbewerbs. Die nächsten Pioniere sind schon im Anmarsch.

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Bereits Anfang der sechziger Jahre hatte Dornier die Diversifizierung des Konzerns eingeleitet und die Geschicke des Unternehmens in die Hände seiner Söhne gelegt. Obwohl er sich bereits 1962 aus der aktiven Geschäftsführung zurückgezogen hatte, nahm er bis zu seinem Tod 1969 als Vor sitzender des Entwicklungsrates Einfluss. Nach dem Tod des Firmengründers leitete Sohn Claudius Dornier zehn Jahre lang das Unternehmen. Dorniers Söhnen gelang es, die Technologie aus der Luftfahrt auf andere Bereiche zu übertragen. Systematisch wurden die Sparten Raumfahrt, Verteidigungstechnik, Elektronik und Medizintechnik aufgebaut. Zu den herausragenden Erfindungen zählen der Nierenlithotripter zur Zertrümmerung von Harnsteinen sowie Satelliten und Raumsonden.

1985 verkaufte die Familie Dornier zunächst 68 Prozent des Unternehmens an Daimler-Benz und trennte sich in den folgenden Jahren sukzessive von den restlichen Anteilen. Von dem ehemaligen Dornier-Konzern befindet sich heute ausschließlich der Webmaschinenhersteller Lindauer Dornier im Besitz der Familie von Peter Dornier.