Sind Gremien von Familienunternehmen Teil der Digitalisierung oder müssen Impulse von anderer Stelle kommen? Rouven Dresselhaus über die Rolle des Beirats.

“Das große Rad, an dem man in einem Handelsunternehmen zwischen Einkauf auf der einen Seite und Verkauf auf der anderen Seite drehen kann, ist die innerbetriebliche Effizienz. Hier bietet die Digitalisierung große Chancen, etwa in der Automatisierung der Lagerhaltung, aber auch für umfassendere Aufgaben wie die Einführung eines ERP-Systems, wie wir es in meiner Zeit als Beirat bei Dresselhaus angestoßen haben. Das geht bis hin zum Aufbau eines komplett Kennzahlen-getriebenen Geschäfts, einer Business-Intelligence, so wie es in der Start-up-Welt oft der Fall ist. Nur so kann man in der eigenen Branche zum Innovationsführer werden und auch bei den Kunden die Digitalisierung gleich mit vorantreiben.

Als Eigentümer und Beirat muss man sich die Frage stellen: Wie sieht das Unternehmen in 20 Jahren aus, wie in 100 Jahren? Daraus muss man die entsprechende Strategie ableiten. Wenn darin festgeschrieben ist, dass die Digitalisierung im Unternehmen eine fundamentale Rolle spielt, dann ist es nur logisch, dass man entsprechende Kompetenzen braucht und auch ins Unternehmen holt, idealerweise als CDO und im Beirat.

Wie alles im Unternehmen, das konstant weitergetrieben werden und besser gemacht werden soll, braucht es auch für digitale Themen einen ultimativen Verantwortlichen. Heutzutage kann sich niemand mehr einen Beirat leisten, der keine eigene Meinung zu digitalen Themen entwickeln kann. Die muss nicht immer richtig sein. Aber zumindest so fundiert, dass man innerhalb des Beirats und auch mit der Geschäftsführung und – sofern vorhanden – mit einem Chief Digital Officer Debatten führen kann, die dem Unternehmen gerecht werden. Das ist für mich die fundamentale Verantwortung jedes Beirats. Es gibt einige spannende Fälle, wo diese Rolle durch einen Vertreter der NextGen ausgefüllt wird. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Als junger Berufstätiger in einem Beirat, in dem manche Mandate länger bestehen, als man selber alt ist, muss man sich erst mal Gehör verschaffen. In meinem Fall ist die Offenheit mit der Zeit aber enorm gestiegen.”

Rouven Dresselhaus, Gründer und Geschäftsführer, Cavalry Ventures, und ehem. Beirat, Joseph Dresselhaus GmbH & Co. KG, 700 Mitarbeiter

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