Bereits Ende März wurden die Verträge unterzeichnet, seit Ende Juni darf der Deal auch offiziell über die Bühne gehen: die Unternehmensgruppe Dr. August Oetker KG (Dr. Oetker) kauft die Galileo Lebensmittel GmbH & Co. KG (Galileo). Galileo hat seinen Hauptsitz in Landkreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz. Das Unternehmen ist auf Tiefkühl-Pizzasnacks spezialisiert.
Nachdem Ende März die Parteien die komplette Übernahme unter Stillschweigen beim Preis über die Bühne brachte, fehlte noch die Zustimmung des Bundeskartellamts. Dessen Präsident Andreas Mundt nahm Ende Juli zum Deal Stellung. Für das Kartellamt sei Galileo zwar ein bedeutender Hersteller für Handelsmarken auf dem Markt für Tiefkühlpizza, aber durch die Übernahme werde Dr. Oetker „weder zum Marktbeherrscher, noch sind die Zuwächse im Gesamtmarkt sehr bedeutsam“.
Nach Einschätzung des Amtes würden Oetker und Galileo zwar im Markt für Tiefkühlpizza auf hohe gemeinsame Marktanteile kommen und an die Grenze der Vermutungsschwelle für eine marktbeherrschende Stellung erreichen – aber die Nestlé-Wagner-Gruppe sei als wichtigster Wettbewerber ebenfalls in einer sehr bedeutenden Marktposition. Und für den Markt für kleine tiefgekühlte Pizzaprodukte erwartet das Kartellamt sogar eine Besserung der Marktlage. „Bezogen auf das Segment TK-Mini-Pizza, das bislang von Nestlé-Wagner als einzigem Markenhersteller dominiert wurde, könnte sich die Fusion eher als günstig für den Wettbewerb erweisen“, heißt es in einer Mitteilung des Amtes, die schlussendlich grünes Licht gibt.
Oetker und Galileo: Zwei Familienunternehmen finden zusammen
Dr. Oetker erwirtschaftete im Jahr 2022 einen Umsatz von vier Milliarden Euro. Galileo macht zu Geschäftszahlen keine Angaben. Die Galileo Lebensmittel KG beschäftigt rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was andeutet, in welchen Größenverhältnissen der Deal stattgefunden hat. Bei Oetker arbeiten allein im Werk in Wittlich im rheinland-pfälzischen Landkreis Bernkastel-Wittlich knapp 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Bereits im März betonte Albert Christmann in seiner Rolle als Sprecher der Oetker-Geschäftsführung, dass Galileo – selbst Familienunternehmen – hervorragend zu den Werten, Zielen und der Strategie von Dr. Oetker passen würde. Stefano La Vecchia ist Gründer und zusammen mit Manuela La Vecchia Kommanditist der Galileo Lebensmittel GmbH & Co. KG. Stefanos Vater Giuseppe La Vecchia gründete 1975 die Pizza-Fabrik „Peppinos Pizza“ in Trier. 1990 entschied er sich für den Unternehmensverkauf. Seine Kinder riefen drei Jahre später die Galileo Lebensmittel GmbH ins Leben.
Familie La Vecchia soll laut Medienberichten weiterhin mit dem bisherigen Management das Unternehmen führen. Zudem will Dr. Oetker die gesamte Belegschaft übernehmen. Das Geschäft von Galileo werde sich nicht verändern, so Stefano La Vecchia.
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Galileo könnte der Deal positive Veränderungen mit sich bringen. Jerome Franzt kommissarischer Geschäftsführer der Gewerkschaft für Nahrung Genuss und Gaststätte (NGG) prognostizierte im März, dass sich durch die mögliche Übernahme – falls bei Galileo-Dr. Oetker Tarifverträge eingeführt werden – sowohl der Lohn als auch die betriebliche Mitbestimmung bei Galileo verbessern könnte.
Hat Internationalen Journalismus in Magdeburg studiert. Schrieb schon davor für die Südwest Presse in seiner Heimat Ulm. Sammelte zudem Auslandserfahrung bei der Allgemeinen Zeitung in Windhoek, Namibia, sowie bei Kwanza TV in Daressalam, Tansania. Seit 2017 Redakteur bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA und Mitglied im Redaktionsteam des wir-Magazins.

