Niklas Köllner und Philip Köllner führen seit 2013 als Geschäftsführer den Konsumgüterspezialisten WENKO-WENSELAAR. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Geht das gut?

„Du könntest am Telefon etwas geduldiger sein und nicht so schnell explodieren, wenn Du Dich ärgerst“, findet Philip Köllner. „Und Du könntest echt mal in die Pötte kommen mit Deinen Plänen und Konzepten“, schießt Niklas Köllner zurück. Die Brüder tauschen gerne kleine Nickligkeiten aus. Allerdings gilt ausnahmslos: Streit und länger anhaltende Diskussionen werden stets hinter fest verschlossen Türen ausgetragen. Das ist Familienmaxime.

Gemeinsam sind die Brüder seit 2013 Mitglieder der Geschäftsführung der WENKO-WENSELAAR GmbH & Co. KG. Niklas Köllner, älter als sein Bruder Philip, verantwortet den stationären Handel, Philip Köllner den Versandhandel und E-Commerce. Beide wollen das, was ihre Großeltern und ihr Vater in Hilden bei Düsseldorf aufgebaut haben, weiterentwickeln: Das Unternehmen beschäftigt heute 420 Mitarbeiter, setzt knapp über 113 Millionen Euro um und erwirtschaftet etwa 45 Prozent des Umsatzes im Ausland. Produziert wird an 80 Standorten in 20 verschiedenen Ländern. WENKO ist ein Entwickler und Anbieter von Produkten, die das Wohnen einfacher und praktischer machen sollen. Das Sortiment umfasst alles von Kleiderbügeln bis zu Wäschesammlern, von WC-Sitzen bis zu dreidimensionalen Abflussstöpseln, von Glas-Accessoires zur Stauraumoptimierung bis zur Befestigungstechnik „ohne Bohren“, in der WENKO eigenen Angaben zufolge die Nummer eins in Europa ist.

Niklas Köllner: Der geborene Verkäufer

Im Showroom überschlägt sich Niklas Köllner fast. Er führt durch die bunten Reihen und könnte sicherlich zu jedem der rund 2.000 ausgestellten Produkte eine Entstehungsgeschichte erzählen, gespickt mit Anekdoten. So wie zum Beispiel zum LED-Duschvorhang mit der Brooklyn Bridge, die beim Duschen leuchtet. Mag die Finesse eines Teils auch noch so winzig sein, Niklas Köllners Begeisterung dafür ist groß. „Es gibt nichts Schöneres als die Entstehung einer Idee zu begleiten und dann den Vertrieb hierfür mitzugestalten.“ Viel Leidenschaft und die Liebe zum Detail – sie treiben nicht nur ihn an, sondern sollen auch die Mitarbeiter dazu anstiften, die Produkte permanent zu hinterfragen und zu testen, um sie zu optimieren.

Natürlich sind auch Trendscouts weltweit unterwegs auf der Suche nach Innovationen. Denn WENKO lebt vom Innovationsgeist: Etwa 320 Produkte der vergangenen zwei Jahre wurden mit Schutzrechten versehen, jedes Jahr bringen die Hildener etwa 480 Produktneuheiten auf den Markt. Etwa ein Drittel aller Produkte ist nicht älter als drei Jahre.

Philip Köllner: Der Personaler

Motivierte und kreative Leute, Designer und Produktdesigner zieht es aber eher in die hippen Agenturen ins benachbarte Düsseldorf. Warum für ein Unternehmen arbeiten, das Haushaltswaren verkauft? „Wir arbeiten schon länger an einer übergreifenden Personalstrategie, um Mitarbeiter zu finden, zu binden und zu entwickeln. Das gab es in der Vergangenheit nicht“, sagt Philip Köllner, der einige Zeit später zu seinem Bruder Niklas Köllner im Showroom dazustößt. Die Früchte der Anstrengungen kommen mittlerweile zum Tragen. Die IHK Düsseldorf prämierte WENKO WENSELAAR im vergangenen Jahr in der Kategorie Aus- und Weiterbildung. „Das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter liegt bei 31 Jahren. Das macht uns attraktiv für junge Leute. Wichtig ist aber das Zusammenspiel zwischen altgedienten, erfahrenen Mitarbeitern und den Jüngeren, die sich zum Beispiel in den neuen Medien oftmals besser auskennen“, sagt Philip Köllner.

Der jüngere der beiden Brüder treibt die konzeptionelle Arbeit für die geplante neue Personal- und Führungsstruktur voran. Eine zweite Führungsebene muss her, seit das Unternehmen in den vergangenen Jahren im Durchschnitt etwa um 15 Prozent gewachsen ist. „Wir sind zufrieden“, sagt Philip verschmitzt. „Auch mit den Ergebnissen.“ Ihre Stärken und unterschiedlichen Talente machen ihre Führung schlagkräftig, sind sie überzeugt. „Du bist konzeptionell stark“, sagt Niklas Köllner. „Und Du bist stark in der Umsetzung“, sagt Philip Köllner.

Stratege und Macher im Gleichschritt?

Während Niklas Köllner die Kostenseite auf Vordermann gebracht hat – geschraubt hat er unter anderem an der Lieferantenkette und den Zahlungsmodalitäten, am Management von Währungsrisiken und Fuhrpark, an Versicherungen und natürlich an den Controllinginstrumenten –, arbeitet Philip Köllner an der ganz großen Linie: effiziente Strukturen in Einkauf, Vertrieb und E-Commerce, in der Führung, in der Logistik und in der gesamten Organisation – immer um den Ausgleich der unterschiedlichen Interessen bemüht.

Eine echte erste Bewährungsprobe im Miteinander durchleben beide seit dem vergangenen Jahr. Der ausgleichende Stratege Philip und der temperamentvolle Macher Niklas treffen bei der größten Investition in der Unternehmensgeschichte aufeinander: 12 Millionen Euro werden in den Bau einer neuen Logistikhalle mit einer automatisierten Förderbandlage gesteckt, die Kapazitäten werden somit verdreifacht. Bereits heute wird weltweit alle 1,28 Sekunden ein Produkt von WENKO verkauft.

Philip fragte sich während der Planungsphase mehrfach: „Wird mein Bruder sich an jeder kleinen Kostenpositionen aufhängen?“ Für Niklas stand eine andere Frage mehrfach im Raum: „Wieso vergeht wieder so viel Zeit, bis der geänderte Entwurf mit seinen Varianten fertig ist?“ Doch bei aller Unterschiedlichkeit ist den Brüdern einiges gemein: „Der starke Familiensinn und der Spaß an der Arbeit. Das lebt unser Vater uns immer noch vor“, sagt Philip Köllner. Außerdem haben beide Betriebswirtschaft an der European Business School in Oestrich-Winkel studiert und waren während und nach dem Studium viel im Ausland. Englisch, Französisch und Spanisch sind ihre Sprachen. „Unser Vater hat großen Wert darauf gelegt, dass wir viel sehen, viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen kennenlernen. Er hat uns beigebracht, dass vieles in unserem Leben – auch der Geschäftserfolg – von Menschen abhängt, mit denen wir zusammenarbeiten“, resümiert er. Um ihre gegenseitige Abhängigkeit wissen Niklas und Philip. Sie könnten kaum enger zusammenarbeiten: Sie teilen sich ein Büro. So weiß jeder, was der andere macht und wie es dem anderen geht: Freud und Leid, Frust und Lust können sie voreinander nicht verbergen. Aus dem Weg gehen können sie sich nicht. Auch nicht den Konflikten – und das ist gut.

Info

Der Name WENKO steht für die Anfangsbuchstaben der Gründernamen: Das Ehepaar Wietze Wenselaar und Maria Köllner gründete 1959 eine Firma und stellte Deutschlands ersten metallisierten Bügelbrettbezug her. Sohn Hanns-Joachim Köllner übernahm 1968 die Geschäfte und baute das Unternehmen zu einem international agierenden Hersteller und Vermarkter von Produkten für den Haushalt aus, allen voran für die Bereiche Wohnen, Bad, Wäsche und Küche. In den Jahren 2002 und 2004 stiegen die Söhne Niklas Köllner und Philip Köllner in die Firma ein, seit 2013 sind sie Mitglieder der Geschäftsführung. Tochter Ina Köllner hat sich in Hamburg mit einem eigenen Modeschmuck-Label selbständig gemacht. Die Mehrheit der Unternehmensanteile hat Hanns-Joachim Köllner jeweils zu gleichen Teilen an seine drei Kinder übertragen.

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