Immer mehr Family Offices diversifizieren ihr Vermögen über Direktbeteiligungen in mittelständische Firmen. Gleichzeitig wachsen die Familienunternehmen im Hintergrund ebenfalls anorganisch. Wer die Strategien zusammenführt, ist für die Zukunft bestens gewappnet.

Gerade für Eigentümer großer Vermögen sind Direktbeteiligungen an mittelständischen Firmen interessant. Immobilien sind stark im Wert gestiegen, teils in abenteuerliche Dimensionen. Der Zins wird aktuell wieder ein Thema, deshalb werden Anlagealternativen und insbesondere „echte Assets“ gesucht. Viele Family Offices haben in der vergangenen Dekade gute Erfahrungen mit den Renditen ihrer Private-Equity-Investments gemacht und suchen nun den direkten Weg zu Beteiligungen. Aus Sicht vieler inhabergeführter Unternehmen sind diese eine willkommene Alternative zum reinen Finanzinvestor. Die Argumentation „von Unternehmer zu Unternehmer“, eine langfristige Ausrichtung der Beteiligung, verständliche deutsche Verträge und die Bereitschaft zu einer minderheitlichen Beteiligung verfangen positiv.

Lokale Vorteile für Family Offices

Dr. Elmar Jakob, Geschäftsführender Gesellschafter, IPONTIX CORPORATE FINANCE

Dr. Elmar Jakob, Geschäftsführender Gesellschafter, IPONTIX CORPORATE FINANCE / Foto: Ipontix

In jüngerer Vergangenheit wollen Vermögenseigentümer mit diesen Direktbeteiligungen nicht nur eine bestimmte Rendite erzielen, sondern darüber hinaus etwas bewirken. Dieser Impact kann unterschiedliche Ziele haben: Klimaschutz etwa, die Bekämpfung von Hunger, sauberes Wasser, eine gute Gesundheitsversorgung, das Mitarbeiter- und Patientenwohl sowie der Tierschutz, beispielsweise in der Fleischproduktion.
Die Nachfolgergeneration treibt diesen Trend aktiv weiter. Jüngere Familienmitglieder treten häufig mit einem anderen Ziele-Kanon an als ältere Familienmitglieder und schieben die Beteiligungsauswahl Richtung Impact statt Rendite. Tatsächlich muss es kein Entweder-oder sein, sondern ein Fokus auf Impact kann sich auch in der Rendite positiv bemerkbar machen. Konkret: Wird in einem Krankenhaus auf Mitarbeiter- und Patientenwohl geachtet, entstehen langfristig Qualitäten und Zufriedenheiten, die sich in den Zahlen widerspiegeln.

Es lohnt sich immer, Direktbeteiligungen mit einem klaren Fokus anzugehen. Opportunismus ist langfristig kein Erfolgsmodell. Die erste Frage, die sich Unternehmer und Investoren dafür stellen müssen, ist, in welcher Branche nach Direktbeteiligungsmöglichkeiten gesucht werden soll. Manche Family Offices bevorzugen Branchen, in denen sie selbst erfahren sind, beispielsweise aus dem eigenen Familienunternehmen. Andere suchen genau das Gegenteil, um das Risiko zu diversifizieren und Interessenkonflikten aus dem Weg zu gehen. Weitere Kriterien sind das jeweilige Beteiligungsvolumen – Minderheit oder Mehrheit – und die geografische Region. Viele Family Offices schätzen eine regionale Nähe zur eigenen Ansässigkeit, zumindest aber einen Unternehmenssitz der künftigen Beteiligung im deutschsprachigen Raum.

Bei der Ansprache potentieller Zielunternehmen ist der direkte Kontakt zum Zielunternehmen – mit einem eigenen Team oder erfahrenen Marktteilnehmern – produktiver als die Teilnahme an einer Auktion. Die Geschwindigkeit einer Auktion ist zumeist von Family Offices schwerlich mitzugehen. Zudem ist der preisliche Wettbewerb innerhalb der Auktionen für ein Family Office „kompliziert“. Fast immer gibt es einen Finanzinvestor, der die Unternehmensbewertung weiter nach oben schraubt.

Kontrollierte Offensive

Auch Familienunternehmen selbst sind vermehrt im Beteiligungssegment aktiv. Sie stehen vor der Herausforderung, ihren Marktanteil zu verteidigen oder auszubauen – beispielsweise über anorganisches Wachstum. Vor allem bei Automobilzulieferern und Medizintechnikherstellern gibt es starke Konsolidierungstendenzen. Die Globalisierung und große international aufgestellte Marktteilnehmer sind Treiber dieser Entwicklung.

Hinzu kommt die fortschreitende Digitalisierung. Ein Maschinenbauer etwa benötigt immer mehr Software für seine Produkte, Daten gewinnen für nahezu jedes Geschäftsmodell an Relevanz. Viele Familienunternehmen müssen diese Brücke vom Marktführer in einer traditionellen Branche zum Technologieführer beschreiten. Hier helfen Zukäufe, um schnell die kritische Masse an gut ausgebildeten Mitarbeitern in der IT und idealerweise fertige Produktlösungen zu erhalten. Es ist die Lebensrealität vieler erfolgreicher Familienunternehmen und Hidden Champions, in reizvoller Landschaft zu domizilieren. Leider lassen sich 100 Softwareingenieure mitunter nur ungern motivieren, ad hoc die Reise in Randregionen Deutschlands anzutreten, wenn auch in Metropolen wie München oder Berlin attraktive Arbeitsplätze warten. Auch hier hilft ein proaktiver Ansatz: Was benötige ich als Unternehmen und wo finde ich ein kleines Schnellboot, das mich und meine Kunden in die Zukunft führt?

In manchen Fällen liegen die Ziele nah beieinander. Family Offices gehen Beteiligungen ein, bei denen das eigene Familienunternehmen strategisch helfen kann, indem es Produkte herstellt, Zugang zu Kunden hat oder die Regulatorik übernehmen kann. Vielleicht ist später das Familienunternehmen sogar der geeignete Eigentümer, wenn es nicht nur um eine Minderheit, sondern um das große Ganze geht.

Eine Direktbeteiligungsstrategie ist häufig aber auch als bewusster „Risiko-Hedge“ formuliert. Direktbeteiligungen werden in einer Branche gesucht, die nicht zyklisch oder anders zyklisch reagiert als das eigene Familienunternehmen. Investitionen im Gesundheitswesen sind besonders gut mehrheitsfähig im Gesellschafterkreis, da die Branche ein strukturelles Wachstum aufweist, da sie auf demographische Entwicklungen antwortet und je nach Geschmack den eigenen Impact-Anspruch trifft.

Effiziente Plattformlösungen

Finden Arztpraxen oder Handwerksbetriebe keine Nachfolger, bilden sich häufig Plattformen, die einer einfachen Logik folgen: Über eine vernünftige Zukaufstrategie formt man eine kritische Unternehmensgröße und steuert aus einer Holdingfunktion heraus betriebswirtschaftliche Themen effizient. Eine solche Plattformstrategie ist – gut gemacht – eine Fleißaufgabe.

Wenn Langfristigkeit sowie Impact-Gedanken noch dazukommen, wird es besonders rentierlich. Im Gesundheitswesen werden wir in den kommenden Jahren viele dieser Plattformen sehen. Gleiches gilt für den Handwerkssektor, vor allem für Heizungs- und Sanitärbetriebe, die Solarkompetenz haben.

Family Offices können sich hier sehr sinnvoll als gute (Mit-)Eigentümer positionieren. Da viele Family Offices eher minderheitlich orientiert sind, werden Plattformen auch auf übergeordneter Ebene entstehen. Mehrere Family Offices agieren in Syndikaten, um Investmentideen gemeinsam umzusetzen und so auch unterschiedliche Branchenschwerpunkte synergetisch zu nutzen und gleichzeitig einen Diversifikationseffekt zu erzielen.

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