NextGen: Auch Erben will gelernt sein

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Noch in diesem Jahrzehnt werden im Zuge des „Great Wealth Transfer“ gewaltige Vermögenswerte an die nachfolgenden Generationen übertragen. Zwischen 2020 und 2025 sollen laut einer Studie der Unternehmensberatung Bain & Company weltweit 19,5 Millionen mehr junge Menschen im Alter zwischen 20 und 45 Jahren über ein Nettovermögen von mindestens 1 Million US-Dollar verfügen. Ob es sich dabei um Kapital handelt, das in Unternehmen gebunden ist oder um liquides Vermögen: Erben bedeutet immer auch, Verantwortung zu übernehmen.

Dr. Patrick Zenz-Spitzweg, Geschäftsführer und Leiter Private Mandanten, FERI Trust GmbH
Dr. Patrick Zenz-Spitzweg, Geschäftsführer und Leiter Private Mandanten, FERI Trust GmbH / Foto: Feri

Dabei stellen die Fragen, wann und wie Familienvermögen auf die nächste Generation übertragen werden soll, die Beteiligten vor große Herausforderungen. Schließlich werden im Zuge einer Vermögensnachfolge traditionelle Führungs- und Investmentstile sowie Verantwortlichkeiten häufig in Frage gestellt und verändert. Das FERI Cognitive Finance Institute hat sich in einer aktuellen Untersuchung mit der disruptiven Kraft des Generationenwechsels auseinandergesetzt. Demnach wollen die nachfolgenden Jahrgänge existierende Werte und bestehende Normen in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Finanzsystem nachhaltig verändern. Finanzielle und kommerzielle Interessen treten dabei hinter universelle Ziele wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit zurück.

Blick über den Tellerrand

Junge Vermögensinhaber setzen sich der Untersuchung zufolge zunehmend mit globalen gesellschaftlichen Themen auseinander und wollen systemische Veränderungen aktiv unterstützen. Dies bestätigt auch eine Umfrage des Instituts für Familienunternehmen und Mittelstand der WHU – Otto Beisheim School of Management unter mehr als 100 NextGens, die größere Vermögen entweder bereits verwalten oder in Zukunft erben werden. Danach möchten viele der Befragten ihre privilegierte Situation zugunsten sozialer und ökologischer Zwecke nutzen. Die junge Generation interessiert sich deshalb verstärkt für nachhaltiges und wirkungsorientiertes Investieren. Sie ist auch deutlich aufgeschlossener, wenn es um technische Innovationen im Finanzsektor wie etwa Kryptowährungen oder digitale Assets geht.

Vertrauen schaffen

Britta Süßmann, stellvertretende Direktorin, FERI Family Office, FERI Trust GmbH
Britta Süßmann, stellvertretende Direktorin, FERI Family Office, FERI Trust GmbH / Foto: Feri

Im Rahmen eines Vermögensübergangs können demnach Spannungen entstehen, die zu Streitigkeiten und damit zu Risiken für das Familienvermögen führen. Hier ist ein Interessenausgleich wichtig, um die Einheit der Familie und ihrer Vermögenswerte zu sichern. Große Vermögen haben oft eine lange Geschichte und sind eng mit den Leistungen der Vorgängergenerationen verbunden. Diese haben meistens hart für das Erreichte gearbeitet, und sie wollen, dass die Kinder oder Enkel das Erbe auch in Zukunft in ihrem Sinne verwalten.

Um einen Bruch zu vermeiden, sollte frühzeitig beiderseitiges Verständnis und Vertrauen aufgebaut werden. Wird der zukünftige Vermögensinhaber sukzessive oder auch nur „auf Probe“ an die neuen Herausforderungen herangeführt, lässt sich häufiger eine konstruktive Lösung finden, als wenn der Nachfolger in eine Rolle hineingedrängt wird, die nicht zu ihm passt.

Kann sich die Familie dagegen nicht einigen, muss mit externer Unterstützung ein Mittelweg gefunden werden. Ein solcher kann beispielsweise in einer disquotalen Gewinnverteilung liegen: Hierbei übernehmen einzelne Familienmitglieder die wirtschaftliche Verantwortung für bestimmte Bereiche wie etwa nachhaltige Investments, Immobilien oder auch nur eine Betriebsstätte oder Sparte. Der Gewinn und das Risiko werden dann nicht allen zu gleichen Teilen, sondern nur dem jeweiligen Familienmitglied zugewiesen. Hierdurch wird die Hürde zur Übergabe von Verantwortung gesenkt und gleichzeitig Vertrauen geschaffen. Insgesamt hilft eine klare Abgrenzung von Verantwortungsbereichen, Missverständnisse und Konflikte innerhalb der Familie zu vermeiden.

Nachhaltig investieren, aber richtig

Um das übertragene Vermögen zukunftsfähig zu verwalten, sollten junge Vermögensinhaber komplexe Finanzinstrumente verstehen und wissen, wie man ein diversifiziertes Portfolio aufbaut und Risiken minimiert. Dafür braucht die NextGen passende Anlagekonzepte, die sich Zukunftsthemen und globalen Herausforderungen widmen. Bei nachhaltigen und wirkungsorientierten Finanzanlagen hat man es mit einem jungen und dynamischen Markt mit einer Vielzahl an Anbietern und Standards zu tun. Dies gilt vor allem für die vergleichsweise illiquiden Investments auf den Private Markets.

Info

Die Generation Z – auf dem Weg in ein neues Zeitalter

Der Generationenwechsel wird bestehende Strukturen in nahezu allen Lebensbereichen massiv verändern. Was dies für Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Finanzsystem bedeutet, untersucht das FERI Cognitive Finance Institute in der aktuellen Ausgabe der Reihe „Cognitive Comment“ mit dem Titel „Generation Z – Potentiale der jungen Generation für globale Disruption“. Das FERI Cognitive Finance Institute setzt sich intensiv mit zukunftsrelevanten Themen aus den Erkenntnisräumen Finanzsystem, Umwelt, Politik, Gesellschaft, Technik und Wirtschaft auseinander und veröffentlicht hierzu laufend aktuelle Studien und Kommentare. Weitere Informationen: www.feri-institut.de

Außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen, Energie- oder Infrastrukturprojekte, die ökologische oder gesellschaftspolitische Ziele verfolgen, liegen voll im Trend. Dabei sind Private-Markets-Investments wie Venture Capital und Private Debt weitaus komplexer als traditionelle Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen. Die Bewertung von Chancen und Risiken setzt hier spezielle Markt- und Produktkenntnisse voraus. Der Zugang zu den Private Markets ist zudem begrenzt und steht nur qualifizierten Investoren offen. Die Unterstützung durch einen professionellen Vermögensverwalter ist hier unverzichtbar, wenn man eine Anlagestrategie entwickeln möchte, die nicht nur einen „Impact“ erzielt, sondern das Vermögen auch langfristig sichert.

Persönlicher Kontakt bleibt wichtig

Die Vertreter der NextGen sind vernetzter und technologisch fitter als jede andere Generation zuvor. Ihre privaten Finanzangelegenheiten haben sie bereits nachhaltig von der realen Welt in den virtuellen Raum verlagert, und sie sind vielfach die treibende Kraft für die digitale Transformation im Familienunternehmen. Doch bei aller Aufgeschlossenheit gegenüber digitalen Medien und Künstlicher Intelligenz wollen viele junge Vermögensinhaber auf den persönlichen Kontakt nicht verzichten: Vermögensberatung ist grundsätzlich ein sensibles Thema, bei dem es nicht nur um Geld allein, sondern auch um die eigenen Wertvorstellungen geht. Finanzprodukte können zudem sehr komplex sein und erfordern oft eine detaillierte Erklärung. Finanzielle Entscheidungen können auch emotional herausfordernd sein, insbesondere wenn sie im Zusammenhang mit einem Erbe stehen.

Eine erfolgreiche Vermögensübertragung, die den Interessen aller Familienmitglieder gerecht wird, setzt eine langfristige und generationenübergreifende Planung voraus. Ein unabhängiger Partner wie ein Family Office hilft der Familie dabei, Vertrauen zwischen den Generationen zu schaffen und den Nachfolgern eine klare Perspektive zu geben.