Ulrich Schmid-Maybach ist Unternehmer, Stifter und Family Officer. Der rote Faden, der seine diversen Aktivitäten zusammenhält, ist das Leben und Schaffen seines Urgroßvaters Wilhelm Maybach. Die Familie feiert in diesem Jahr den 175. Geburtstag des berühmten Konstrukteurs.

Vor ungefähr 20 Jahren saß Ulrich Schmid-Maybach auf dem Rückflug von den Filmfestspielen in Cannes zufällig neben einem Arzt. Dieser arbeitete in einem Entwicklungsprojekt in Ostafrika und erzählte, wie er junge Ärzte fortbildete. Für Schmid-Maybach eine Wende: Seine Gedanken waren viele Jahre um Erbe und Herkunft gekreist, ohne dass sie ihm eine Richtung gewiesen hatten.

Ulrich Schmid-Maybach ist Urenkel von Wilhelm Maybach, Konstrukteur und Entwickler des ersten Mercedes. Der Name Maybach steht für Qualität, Design und Luxus. Als die Daimler AG im Jahr 2002 das Auto mit dieser Marke wieder in ihr Portfolio nahm, fungierte Schmid-Maybach als Markenbotschafter und war in dieser Rolle weltweit bei VIP-Events unterwegs.

Heute sieht der Deutsch-Amerikaner Ulrich Schmid-Maybach sein „Heritage“ differenzierter. Dazu gehören natürlich Ingenieurskunst, Erfindergeist und Innovation, aber auch die Philanthropie, wie Schmid-Maybach sagt. „Menschenliebe in ihrer ureigenen Form, ein Mensch hilft dem anderen.“ Sein Urgroßvater Wilhelm Maybach war mit zehn Jahren ein mittelloser Waisenjunge geworden. „Weil Menschen wie Gustav Werner und Gottlieb Daimler das Talent in ihm gesehen und ihn gefördert haben, konnte Wilhelm das erschaffen, von dem wir heute noch zehren.“

Ulrich Schmid-Maybach

Foto: Maybach Foundation

Die Spuren, die das Fordern und Fördern in der Familie Maybach hinterlassen haben, zeichneten sich für Ulrich Schmid-Maybach nach dem Rückflug aus Cannes endlich klarer. Im Jahr 2005 gründete er in seiner Heimatstadt San Francisco die Maybach Foundation mit dem Zweck, talentierte junge Menschen mit einem Mentoring zu unterstützen, die nicht aus privilegierten Familien stammen oder mit herausfordernden Lebensumständen konfrontiert sind. Der Mentee kann unterschiedliche Talente haben und sich bewerben. Einen passenden Mentor zu finden sei alles andere als trivial, sagt Schmid-Maybach. „In erster Linie muss der Mentor zuhören können und verstehen: Es geht nicht um ihn selbst, sondern um den Mentee. Es geht nicht darum, dem Mentee kluge Ratschläge zu geben, sondern darum, eine Bindung, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Wir machen keine Leadership-Guru-Seminare.“

Die Mentoring-Projekte sind vielfältig, junge Menschen in Kultur, Medizin und Forschung werden gefördert. Das erste Projekt hatte an die Bekanntschaft im Flugzeug angeknüpft, der Arzt half mit seinem Netzwerk. Der Mentor: David Bangsberg, ein weltweit anerkannter HIV-Forscher aus den USA. Sein Mentee: Conrad Muzoora, ein junger Medizinstudent aus Uganda, der unter anderem mit einem Stipendium der Foundation an der Harvard School of Public Health studieren konnte. Er kehrte zurück in seine Heimat, wo er als „Role Model“ junge Wissenschaftler unterstützt. Heute bildet er westliche Ärzte darin fort, wie im afrikanischen Gesundheitssektor gearbeitet wird.

Es folgten weitere Mentoring-Programme, unter anderem in der Forschung für nachhaltigen Fischfang und in Ernährungslehre in den USA, ein Fotoprojekt beim Wiederaufbau des World Trade Center, die Begleitung des ersten schwarzen Polo-Spielers im südafrikanischen Nationalteam. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist der Maler, Bildhauer und Filmregisseur Julian Schnabel, der als Mentor den jungen gehörlosen, in Belgien geborenen Vahakn Arslanian unterstützt.

Luxus, Hightech und Philanthropie

All diese Aktivitäten müssen finanziert sein. Neben dem Einwerben von kleinen und großzügigen Spenden verantwortet Schmid-Maybach das Stiftungskapital, das aus dem Privatvermögen gespeist ist. „Es ist mit der Foundation ein bisschen so, als würden Sie in ein Start-up investieren. Natürlich ist es risikobehaftet“, sagt er über Aufbau und Finanzierung seiner gemeinnützigen Organisation. Dass die Familie genügend Mittel für die Foundation aufbringt – dafür sorgt Schmid-Maybach nicht nur als Gründer und President, sondern auch als Unternehmer und Family Officer. Im Jahr 2010 hat er Maybach Icons of Luxury mitgegründet, eine Manufaktur mit fünf Stores weltweit, die Luxusartikel wie Brillen und Lederwaren entwirft und herstellt. Außerdem verwaltet er das Vermögen seiner Mutter, Enkelin von Wilhelm Maybach, und seiner Geschwister, die andere Berufswege in Kunst und Kultur eingeschlagen haben. Er selbst hat International Management studiert. Geboren und aufgewachsen ist er in San Francisco, wo er das Aufstreben des Silicon Valley von Beginn an miterlebt hat.

Allein durch die physische Nähe zum Valley hat er direkten Kontakt in die Start-up-Szene und kann in Unternehmen rund um Machine-Learning, Bio- und Infotech, Artificial Intelligence oder Kryptowährung investieren. „Wir haben auch einen guten Blick für unsere Investments in Indien, Russland und auch ein bisschen in Westafrika“, sagt Schmid-Maybach. Immobilien sind jedoch die größte Asset-Klasse im Portfolio. „Wir können aufgrund der steuerlichen Flexibilität in den USA sehr langfristig investieren und planen“, erklärt er und ergänzt: „Immobilien in Europa sind uninteressant. Der Gewinn, den wir in der Immobilienbranche in den USA erzielen können, ist wesentlich höher.“

Wenn ihn schon nicht die Investmentperspektiven nach Europa locken, dann sind es seine Pläne zur Weiterentwicklung seiner Stiftungsaktivitäten. Im Jahr 2014 begann die zweite Phase der Maybach Foundation, wie Schmid-Maybach erzählt. Die Foundation erwarb den Schnelltriebwagen SVT Schnellzug Typ Köln, der in den dreißiger Jahren zu den sogenannten Fliegenden Zügen gehörte: Diese erreichten eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde – dank der damals bahnbrechenden technologischen Entwicklung des schnelllaufenden Dieselmotors, zu der Karl Maybach, Sohn von Wilhelm, maßgeblich beigetragen hat.

Die Geschichte als Antrieb

Die Stiftung finanziert die Restaurierung dieses Zuges mit dem Ziel, ihn in Friedrichshafen auf dem Gelände des Zeppelin Museums auszustellen. Nicht nur das: Ulrich Schmid-Maybach ist seit 2011 mit der Stadt Friedrichshafen im Gespräch, um ein Maybach Museum unter dem Dach des Zeppelin Museums zu errichten. Zwei Archivare und ein Geschäftsleiter sind in Deutschland von der Maybach Stiftung festangestellt (die anderen fünf Vollzeitkräfte arbeiten in den USA). Mehr als 3.000 Objekte, Fotos und Dokumente sind bisher zusammengetragen und archiviert worden. Schließlich ist Friedrichshafen unweigerlich mit der Familiengeschichte Maybach verwoben, seit Wilhelm Maybach und Ferdinand Graf von Zeppelin im Jahr 1912 ihre drei Jahre zuvor gegründete Maybach-Motorenbau GmbH (bis 1918: Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH) hier ansiedelten. 1969 wurde das Unternehmen in MTU Friedrichshafen umbenannt.

Mit Friedrichshafen verbindet Ulrich Schmid-Maybach Kindheits-und Jugenderinnerungen. Jeden zweiten Sommer verbrachten er und seine Familie in Deutschland, meist südlich von München. Er begleitete seine Mutter, die viele Jahre im Aufsichtsrat von MTU saß, bei den Aufsichtsratssitzungen und absolvierte Praktika bei MTU. „Ich sitze auf dieser Familienkiste“, sagt Schmid-Maybach und lacht. „Aber es verschließt einem auch die Türen zu anderen Dingen, die man vielleicht gern machen würde“, sagt er. Ob er auch die Vorzüge von Mentoring erfahren habe? „Ich wünschte, ich hätte mehr davon gehabt und wäre offener gewesen. Man meint oft, man kann und weiß alles. Aber man kommt schneller und besser voran mit der Unterstützung von anderen erfahrenen Leuten“, sagt Schmid-Maybach. Aus diesem Grund will er parallel zu der historischen Arbeit in Deutschland das Mentoring-Programm weiter auszubauen. „How can you scale?“, fragt er immer wieder. Schmid-Maybachs Ziel ist es, eine Art Multiplikatoreffekt zu schaffen. Ein Kompendium über die Grundzüge des Mentorings hat die Stiftung herausgegeben und stellt es Interessierten zur Verfügung. Und ehemalige Mentees sollen selbst als Mentor aktiv werden. Dann sähe Schmid-Maybach das Erbe seines Urgroßvaters weitergetragen.

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