Geld verdienen und die Welt verändern. Durchaus vereinbare Ziele, findet Stephen Brenninkmeijer. Er war über 30 Jahre lang Unternehmer und engagiert sich seit fast zehn Jahren als Social-Impact-Investor. Mit Rendite und sozialem Erfolg ist er zufrieden.

Stephen Brenninkmeijer, Sie sind 2006 aus einer operativen Rolle bei C&A ausgestiegen. Was machen Sie heute?

Heute bin ich ein Social-Impact-Investor.

Das müssen Sie erklären.

Ich investiere, also „for profit“, in Unternehmen, die drei Kriterien erfüllen: Sie müssen ein stabiles Geschäftsmodell haben, das es erlaubt, eine Rendite zu erwirtschaften. Sie müssen einen sozialen Aspekt haben, und sie müssen skalierbar sein.

Wie kam es dazu?

Ich war schon seit 2002 auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld. Philanthropie interessierte mich. Spannender aber noch fand ich die Möglichkeit, Kapital zur Verfügung zu stellen, um unternehmerische Aktivitäten im sozialen Bereich zu fördern, die normalerweise keinen Zugang zu Kapital haben. Die Idee: Privates Kapital nutzen, um soziale Veränderungen durchzuführen und gleichzeitig dabei eine Rendite zu erwirtschaften. Neu war die Idee nicht. Venture Philanthropy gibt es im angelsächsischen Raum schon seit 20 Jahren. Als ich dann Klaus Tischhauser, den Gründer von responsAbility, einem globalen Mikrofinanzierer mit Sitz in der Schweiz, traf, war das der Startschuss. Ich wurde der erste große Ankerinvestor bei responsAbility, und im Gegenzug unterstützte mich Klaus Tischhauser beim Aufbau meines eigenen Social-Impact-Fonds (Andromeda Fund). Beides entwickelte sich hervorragend. Ich habe mittlerweile mit Willows Investments schon meinen zweiten Fonds aufgelegt.

Worin investiert Willows Investments?

Es gibt vier Themenfelder, die mich interessieren: Finanzinfrastruktur, Bildungswesen, soziales Unternehmertum und psychische Gesundheitsförderung.

Können Sie Beispiele nennen?

Das schon erwähnte Schweizer Unternehmen responsAbility ist eines meiner Investments im Bereich Mikrofinanzierung und Fair Trade. Das Unternehmen hat mittlerweile Büros in der ganzen Welt und ist in mehr als 70 Ländern operativ tätig. ResponsAbility hat heute 1,2 Milliarden Euro under Management. Auch bin ich in dem Bostoner Unternehmen Accion Investments investiert, das auch in dem Feld von Micro Finance arbeitet. Im Bereich Soziales Unternehmertum bin ich z.B. beim britischen Fonds „Bridges Ventures“ investiert. Eines der Portfolio-Unter- nehmen ist ein Betreiber eines Call Centers, der Obdachlose einstellt, um nur ein Beispiel zu nennen. Einen ähnlichen Fokus hat auch die deutsche Initiative „Social Ven- ture Fund“. Das Unternehmen investiert in Sozialunternehmen, die innovative Antworten auf drän- gende soziale oder ökologische Fragen liefern. Ein Beispiel ist ein Unternehmen, das Menschen mit Autismus als Spezialisten im Berufsumfeld einbindet. Im Bereich Education gehören beispielsweise die PhormsSchulen zu meinen Projekten. Phorms hat mittlerweile in Deutschland acht Schulen, die eine global ausgerichtete bilinguale Schulausbildung ermöglichen. Im Bereich „geistige Gesundheit“ fördere ich eine Privat klinik in den Niederlanden, die Sucht, Depression und Burn-out behandelt. Diese Leiden sind leider in unserer Gesellschaft noch immer nicht als therapiebedürftige Krankheitsbilder anerkannt.

Stellen Sie ausschließlich Kapital zur Verfügung?

Ich stelle in der Regel Eigenkapital zur Verfügung. Aber je nach Investment bin ich Sparringspartner oder sitze in einzelnen Gremien. Zum Beispiel beim Social Venture Fund. Der hat gute Ansätze, muss aber noch fokussierter werden, vor allem beim Thema Rendite. Da fordere ich das aktuelle Management heraus, damit die noch besser werden. Auch bei People Tree, einem Portal für fair gehandelte, ökologisch schonend hergestellte Textilien, engagiere ich mich über meine Rolle als reiner Geldgeber hinaus. Schließlich geht es da um Mode. Davon verstehe ich ein bisschen.

Info

Stephen Brenninkmeijer gehört zur fünften Generation der Unternehmerfamilie, die die Textilkette C&A 1841 gegründet hat und noch heute mehrheitlich besitzt. Er war bis zum Jahr 2006 fast 30 Jahre lang operativ für das Unternehmen tätig. Heute ist er Social-Impact-Investor. Er lebt mit seiner Familie in London.

Machen Sie das für die Gesellschafterfamilie oder auf eigene Rechnung?

Diese Projekte sind meine Privatsache.

Welche Projekte begeistern Sie?

Ich komme gerade erst aus Nairobi zurück. Da unterstützen wir durch responsAbility eine Firma, die mit ungefähr 300 umgebauten Mini-Vans ein Transportunternehmen aufgebaut hat. Die bauen gerade auf ihrem Gelände ein Hotel für ihre Fahrgäste. Da ist eine irre Dynamik drin

Was war Ihr erfolgreichstes Investment?

Finanziell gesehen war das Celtel, ein Anbieter von Mobiltelefonie im östlichen Afrika. Aber das war auch ein Ausnahmeinvestment. Ich war nur acht Monate investiert und konnte meinen Einsatz verdreifachen.

Was hat überhaupt nicht funktioniert?

Ich hatte in das südafrikanische Unternehmen Freecom investiert. Das Unternehmen hat gebrauchte, aber funktionsfähige Computer aus Europa und den USA nach Südafrika importiert, um sie dort u.a. an Schulen weiterzuverkaufen. Aus verschiedenen Gründen gelang es uns nicht, einen starken südafrikanischen Co-Investor zu finden. Es war fast unmöglich, das Unternehmen von Europa aus zu kontrollieren. Da ging einiges schief. Die Idee war gut, die Umsetzung schlecht. Ich habe mein Geld am Ende verloren.

Kommt man beim Social Impact Investing nicht zwangsläufig an den Punkt, wo beide Ziele nicht mehr miteinander vereinbar sind. Das heißt, der Social Impact ist groß, aber die Rendite gering oder umgekehrt?

Nicht zwangsläufig. Das hängt auch vom Lebenszyklus ab. Ich investiere eigentlich nicht in die ganz frühen Phasen (Early Stage), in denen Sie eigentlich nur mit Spenden weiterkommen. So etwas macht in Deutschland z.B. Ashoka. Die unterstütze ich zwar auch, aber das ist eher „Charity“, also ohne Renditeerwartung. Beim Social Impact Investing konzentriere ich mich auf reifere Firmen.

Machen Sie denn auch „Charity“?

Natürlich. Ich bin Gründungsmitglied von NFTE (Network for Teaching Entrepreneurship). Wir unterrichten mittlerweile in fünf Ländern „Unternehmertum an Schulen“. In Deutschland waren wir mit unseren Programmen im vergangenen Jahr an 160 Schulen. Außerdem bin ich Board Member bei der Schwab Foundation, und ich unterstütze auch Ashoka. Das ist alles „not for profit“.

Sie widmen dem Thema 100 Prozent Ihrer Zeit?

Ja, das ist richtig. Weil es mir Spaß macht. Es ist unglaublich bereichernd, Leute aus der ganzen Welt zu treffen, die sich für soziale Themen einsetzen. Die intellektuelle Auseinandersetzung ist sehr inspirierend.

Und rechnet sich dieser Einsatz?

Ich habe das einmal durchgerechnet. Die Reisekosten und mein Grundgehalt auf der einen Seite und die Rendite auf der anderen. Die Rechnung geht auf. Aber das Ganze lohnt sich natürlich auch auf der nicht monetären Seite.

Was ist ihr aktuelles „Baby“?

Wir wollen in London eine Social Stock Exchange gründen, an der sich Social Impact Enterprises mit Kapital versorgen können. Die meisten Social-Impact-Firmen haben große Probleme, sich mit Kapital zu versorgen. Potentielle Geld geber und Sozialunternehmen finden einander nicht. Eine Börse für Sozialunternehmen ist eine schwierige Sache und ziemlich ehrgeizig, besonders die Frage, wie man die Plattform mit Liquidität versorgt. Aber wir haben schon 2 Millionen Britische Pfund dafür zusammen.

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