Unser Gastautor Felix Kroschke ist Familienunternehmer in dritter Generation. Warum wir in Deutschland froh sein sollten, Familienunternehmen zu haben, erklärt er in seinem Beitrag.

Rainer Kirchdörfer, seit Anfang 2020 Vorstand der Stiftung Familienunternehmen und Politik, titulierte seinen Gastbeitrag in der FAZ vom 8.12.2021 wie folgt: „Auf den Pranger können wir verzichten.“ Er nimmt dabei Bezug auf ein in der Öffentlichkeit und in den Medien, selbst in seriösen Informationsformaten, gezeichnetes Bild von Unternehmer/innen, das mit der Wirklichkeit nicht viel gemein hat. Seiner Meinung nach werden Klischees bedient und die Vorbehalte gegenüber Unternehmerpersönlichkeiten äußere sich in einer von Misstrauen geprägten Regulierung.

Auch ich musste in den vergangenen Jahren als Nachfolger in dritter Generation in einem seit über 60 Jahren bestehenden Familienunternehmen derartige Erfahrungen sammeln. Dabei ist die volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen unbestritten. So ist die Beschäftigtenzahl in den TOP 500 Familienunternehmen innerhalb von neun Jahren fast sechs Mal stärker gewachsen als in den DAX-27-Unternehmen – ausgenommen die DAX-notierten Familienunternehmen Beiersdorf AG, Henkel AG & Co. KGaA und Merck KGaA . Über 30 Prozent aller Unternehmen, die mehr als 250 Mitarbeitern beschäftigen, sind Familienunternehmen. Als Familienunternehmer kennst Du keine geregelten Arbeitszeiten, kein Wochenende, kein Urlaub – wenn das Unternehmen Dich braucht, bist Du immer verfügbar.

In den letzten zwei Jahren einer sich in endlosen Wellen hinziehenden Pandemie (ich habe das Zählen aufgegeben, welche Welle aktuell geritten wird) wurde aber auch die soziale und gesellschaftliche Verantwortung von Familienunternehmen deutlich. Wir tragen einen essenziellen Teil zu der Bewältigung der Pandemie bei. In Zeiten größter Unsicherheit reagieren wir mit Augenmaß, mit einer hohen Geschwindigkeit und scheuen nicht vor Investitionen, die sich der üblichen Renditeerwartung entziehen. Wenn die Politik noch keine klare Maßgabe gefasst hat, hatten die Familienunternehmen schon Antworten parat. Die Pandemiebewältigung und der Gesundheitsschutz sind Team-, aber in jedem Familienunternehmen, das ich kenne, auch Chefsache. Auch wenn die Pandemie zunächst überwältigend und in allen Facetten negativ daherkam, Familienunternehmen gestalten, suchen nach Lösungen und neuen Möglichkeiten – egal, in welcher Situation.

Familienunternehmer am Pranger?

Gleichzeitig konnte ein Zusammenbruch der Wirtschaft mit einer Flut an Insolvenzen und Massenarbeitslosigkeit bisher verhindert werden. Die Wirtschaft steht auch nach zwei Jahren Pandemie stabil da, auch wenn einige Branchen in existentieller Weise betroffen sind. Dies ist auf ein stabiles Fundament an Familienunternehmen zurückzuführen. Haben sie dafür den Pranger verdient? Die gesellschaftliche Verantwortung von Familienunternehmen ist in der Pandemie noch unverzichtbarer geworden.

Und so schließt auch Rainer Kirchdörfer seinen FAZ-Beitrag mit den versöhnlichen Worten, denen ich in ihrer Wahrhaftigkeit nichts hinzuzufügen habe: „Unserer zur Fragmentierung neigenden Gesellschaft können die Unternehmen das geben, was am dringlichsten fehlt: gelebten Zusammenhalt.“

Info


Felix Kroschke leitet das Familienunternehmen Christoph Kroschke GmbH zusammen mit seinem Bruder Philipp in dritter Generation. Familienunternehmer Felix Kroschke, Diplom-Jurist und Betriebswirt, verantwortet die Bereiche Controlling, Finanz- und Rechnungswesen, IT, Business-Development und M&A.

Aktuelle Beiträge

Immobilienvermögen
Wie Unternehmerfamilien in die Assetklasse Immobilien investieren
Studie sichern »
Studie sichern »
Immobilienvermögen