Christina Rehm agiert als Beirätin im Familienunternehmen. Wo sieht sie die Schlüssel für eine erfolgreiche Transformation, wie sie sie selbst schon begleitet hat?

„Wir sind seit 120 Jahren erfolgreich – warum sollen wir etwas verändern?“ Das ist ein Satz, der in der Vergangenheit so oder ähnlich sicherlich in vielen Familienunternehmen gefallen ist. Gleichzeitig haben sich viele Unternehmen in den letzten Jahren daran gewöhnt, sich verändernden Rahmenbedingungen wie beispielsweise Klimawandel und Nachhaltigkeit, unsicheren ökonomischen und politischen Kontexten und nicht zuletzt der Digitalen Transformation zu stellen und oft hinterherzulaufen. Dies hat für Unternehmen unweigerlich zu vielen ungeplanten Veränderungen auf allen Ebenen des Unternehmens geführt.

Eine besondere Herausforderung für Familienunternehmen ist, dass diese oft schleichenden Veränderungen (das Innen) auch von allen Mitgliedern der Familie wahrgenommen werden und in den Gesprächen der Unternehmerfamilie ankommen. Nicht zuletzt erfordern die genannten, von außen in das Unternehmen hineinwirkenden Kräfte von der Unternehmerfamilie, sich diesen neuen Rahmenbedingungen (das Außen) zu stellen.

Das heißt aber, dass Traditionen, Strukturen und Hierarchien im System der Unternehmerfamilie regelmäßig auf den Prüfstand – und im Zweifelsfall ganz neu – gedacht werden müssen. Dabei dürfen jedoch Identität, Werte und Erfolgsfaktoren nicht aus dem Auge verloren werden. Und das ist eine gewaltige Herausforderung, wenn man als Familienunternehmen bestehen will. Eine Unternehmerfamilie, so unterschiedlich die Persönlichkeiten auch sein mögen, hat eine gemeinsame Identität und ein Selbstverständnis, welche über Generationen hinweg gewachsen sind. Ein „das hat schon immer so funktioniert“ wird mit sich verändernden Rahmenbedingungen – und ihrem Diktat zur Veränderung – in Zukunft nicht mehr funktionieren.

Wie gelingt nun diese Transformation der Unternehmerfamilie – das heißt, sich einer unsicheren Zukunft zuzuwenden, ohne seine Identität zu verlieren? Wir sind drei wesentliche Schritte gegangen:

Bereitschaft zur Veränderung

Wir beschäftigen uns schon lange mit Fragestellungen rund um das Thema Nachhaltigkeit. Wer tut das nicht? Richtig ins Rollen kam das Thema im Gesellschafterkreis aber erst mit der Einbeziehung der nächsten Generation in die Diskussion mit der Absicht, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Hier zeigten sich schnell die Grenzen der Belastbarkeit unserer gewachsenen Strukturen und gelebten familiären Beziehungen. Die neue Generation hat neue Impulse in die Unternehmerfamilie eingebracht, wie beispielsweise die Bereitschaft zu neuen Arbeitsformen. Ebenso wurde die Familie bunter im Sinne unterschiedlicher Lebensentwürfe, andersartiger Erfahrungen in der globalen Arbeitswelt und neuen sinnstiftenden Werten und Zielen für das Unternehmen. Dies hat dazu geführt, dass neue, alternative Kommunikationswege erschlossen und vorhandene gewachsene soziale Machtpositionen aufgebrochen wurden.

Expertise einholen

Damit aber die Transformation der Unternehmerfamilie gelingt und die Veränderungen Außen und Innen nicht den strategischen Prozess für eine gute gemeinsame Zukunft zerstören, haben wir uns entschlossen, den geschlossenen Kreis der Unternehmerfamilie aufzubrechen und Rat und Expertise von außen geholt. Uns ist bewusst, dass mit Veränderungen oft Ängste und Unsicherheiten verbunden sind, die gemeinsam geklärt und diskutiert werden müssen. Externe bringen immer einen Blick von außen mit und können Dinge oft klar und direkt ansprechen, die in der Familie selbst nicht diskutiert werden. Für uns hat es zudem neue Perspektiven in die Gestaltung unserer Strukturen gebracht und somit unseren Transformationsprozess in der Familie in einem formalen Rahmen angestoßen.

Verzahnung der Veränderung des Unternehmens mit der Veränderung der Unternehmerfamilie

Ein weiteres wichtiges Element für uns und die Zukunftsfähigkeit von Familienunternehmen, welches mit der Transformation der Unternehmerfamilie wechselwirkt, ist die Besetzung des Beirates mit neuen Kompetenzen und kommunikativen Persönlichkeiten. Diesen Baustein haben wir schon vor etwa zwei Jahren angestoßen und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die neuen Beirätinnen und Beiräte wirken wie Katalysatoren: Sie bringen nicht nur neue Ideen, sondern auch eine neue Diskussionskultur zwischen Gesellschaftern und Geschäftsleitung, womit der wichtige Austausch zwischen den beiden Transformationsprozessen gestärkt und gestützt wird.

Ich bin gespannt auf die Herausforderungen, die sich in Zukunft noch ergeben werden und welches die nächsten Schritte auf unserem Transformationsweg sein werden.

Info


Dr. Christina Rehm ist Geschäftsführerin Innovation&Transfer an der HFT Stuttgart und Mitglied einer Unternehmerfamilie sowie Beirätin.

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