Die Pandemie als eine Zeit der Entspannung und Entschleunigung? Für Felix Kroschke, Geschäftsführer und Nachfolger aus der NextGen, ist diese Einstellung eine Farce.

Häufig höre ich andere Leute sagen, dass ihnen die Corona-Krise die Möglichkeit bietet, einen Gang runterzuschalten, die zurückliegenden Jahre zu reflektieren, eine innere Ruhe zu entwickeln. Jedoch kenne ich keinen einzigen Unternehmer, der dies über die vergangenen zwölf Monate sagen würde. Das bedeutet aber keineswegs, dass in den diesen zwölf Monaten Krisenmanagement die einzige Führungsaufgabe war.

Als Nachfolger in dritter Generation fragt man sich, welchen Fußabdruck man hinterlassen möchte. NextGen zu sein muss mehr bedeuten als: „Wir machen jetzt alles digital und haben gepflegte Social-Media-Profile.“ Alle mir bekannten Unternehmerpersönlichkeiten (und dazu zähle ich auch meinen Vater und meinen Onkel) mussten häufig ihre Komfortzone verlassen, um einen Sprung nach vorne zu machen. Mit einem Gang runter mag man vielleicht mehr innere Ruhe entwickeln, doch mit unternehmerischem Geist verträgt sich diese Form des persönlichen Lockdowns nicht.

Die seit vielen Monaten bestehende Krise war und ist wirtschaftlich schmerzhaft. Ich wurde aus meiner Komfortzone und der Erfolgsverwöhntheit etablierter Strukturen rausgeschmissen. Die berüchtigten „nuits blanches“ des Unternehmertums hatten mich ergriffen. Ich war weit weg davon, einen Gang runterzuschalten. Gewonnen habe ich dadurch meine drei K:

  • Kampfgeist: Die Ungewissheit war groß. Das Vertrauen in die Politik war zu schwach ausgeprägt (die Bazooka des Olaf Scholz ist dann wohl doch eher etwas für den Träumer oder den Fan militärischer PC-Spiele). Die Plattitüde „man darf sich nicht unterkriegen lassen“ wurde während dieser Krise zu unserer Realität. Allerdings war mir von Anfang an klar, dass ich gemeinsam mit meinem Bruder, der zugleich mein Geschäftsführungskollege ist, das Unternehmen aus eigener Kraft durch diese Krise führen muss. Das Wort Kampfgeist mag martialisch klingen, doch ich assoziiere damit Energie, Spirit und Selbstbewusstsein.
  • Kreativität: In dieser Krise konnte ich auf kein mir bekanntes Tool-Set zurückgreifen. Bislang unbekannte Fragen und neue Probleme tauchten auf, die sich einer standardisierten Lösung verwehrten. Das Kapital der Krise war und ist Kreativität.
  • Kultur: Wir sind als Unternehmen zusammengewachsen. Trotz räumlicher Distanz wird mehr kommuniziert, ehrlicher kommuniziert, werthaltiger kommuniziert. Ich durfte erfahren, dass die vielen Kolleginnen und Kollegen meinem Bruder und mir vertrauen, dass sie hinter uns stehen, dass sie ebenfalls Kampfgeist entwickelt haben.
    Sofern ich es schaffe, diese drei K nachhaltig aufrechtzuerhalten, dann waren die vergangenen zwölf Monate weder Traum noch Trauma, sondern eine Chance. Meinem Traum, Unternehmer zu sein, bin ich nähergekommen, indem ich einen Gang raufgeschaltet habe.

Ganz im Sinne von Ernst Frestl (einem österreichischen Schriftsteller): „Neue Herausforderungen sind wunderbare Gelegenheiten, Neues über sich selbst zu erfahren.“

Info

Felix Kroschke leitet das Familienunternehmen Christoph Kroschke GmbH zusammen mit seinem Bruder Philipp in dritter Generation. Felix Kroschke, Diplom-Jurist und Betriebswirt, verantwortet die Bereiche Controlling, Finanz- und Rechnungswesen, IT, Business-Development und M&A. 

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