Reiche Erben fordern eine höhere Vermögensteuer, weil sie keine Unternehmer sind. Kolumnist Johannes Sill findet diese Aussage lachhaft.

Anfang des Jahres spülte mir mein Algorithmus einen Text ins Postfach. „Reiche Erben fordern nur deshalb eine höhere Vermögenssteuer, weil sie selbst keine Unternehmer sind“, hieß der Titel. Nach knapp 6.000 Zeichen darüber, dass Unternehmer finanziell gegeißelt werden und am Ende sehr arm sind, weil sie ja all ihr Geld ins Unternehmen stecken müssten, findet die Kolumne mit der folgenden Aussage ihren beißenden Schluss: „Man möchte diesen jungen Enthusiasten zurufen: Nehmt Euer Vermögen und gründet Unternehmen, schafft Arbeitsplätze, engagiert Euch sozial, aber gebt Euch nicht der Hybris hin, die Welt ändern zu wollen.“ Da kann man doch nicht anders und muss zurückrufen.

Zunächst mal: Für höhere Steuern plädieren also nur unverdient reich gewordene Erben? Ein ernsthafter Blick auf die Webseite der Initiative taxmenow lässt erkennen, dass neben Kindern aus Unternehmerfamilien wie Antonis Schwarz sich dort auch Selfmade-Unternehmer wie Ralph Suikat, Peter Reese oder Michael Horbach für höhere Steuern aussprechen.

Zudem entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass die genannte Finanzkolumne den Titel „Geld & Werte“ trägt. Letzteres Keyword hat der Autor scheinbar ungenutzt liegen lassen, von Artikel 14 Absatz 2 des Grundgesetzes ganz zu schweigen. Wenn Schwarz und seine Freunde sich für politische Ideen engagieren, dann ist das nicht nur okay, sondern im Sinne des Grundgesetzes, für den gesellschaftlichen Diskurs wertvoll und gewinnbringend. Gegenfrage: Wenn ein gewisser Herr Maschmeyer 200.000 Euro an die FDP – in Unternehmerkreisen die vermeintlich Richtigen – spendet, wäre das für „Geld & Werte“ ein ähnlicher Aufreger?

Der Maschmeyer schafft zumindest Arbeitsplätze, hört man es schon zurückkommen. Aber: Antonis Schwarz spendet Gewinne, die er am Kapitalmarkt erzielt, an politische Initiativen und gesellschaftliche Projekte. Schafft er somit nicht auch Arbeitsplätze und erhält diese, wenn er erfolgreichen Unternehmen Kapital zukommen lässt?

Zum Schluss: Natürlich gibt es Unternehmer, die die Welt verändert haben. Ob es die Herren Benz oder Daimler sind, die Mobilität demokratisierten, oder heutige Gründer, von denen viele mehr in die Gesellschaft hinein wirken wollen als für den oder die Gesellschafter. Wenn dann reiche Erben in deren Modelle investieren – weil sie davon überzeugt sind oder sich nicht anmaßen wollen, selbst eine bessere Geschäftsidee zu haben –, dann sollte man das nicht abstrafen. Mit dem eigenen Geld den Fortschritt anzukurbeln ist auch eine sehr gute Idee. Und ohne Fortschritt hätten alle Unternehmerdynastien, deren Geld übrigens auch der „Geld & Werte“-Kolumnist verwaltet, gar nicht erst entstehen können.

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