Wie Brunata-Metrona Kreislaufwirtschaft macht

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Petra Schmucker, woher kommt der Name Brunata-Metrona?

Petra Schmucker: Der Name Brunata ist an sich schon ein Doppelname: Der Name setzt sich zusammen aus Brun und Ata. Es gab einen Herrn Brun in Dänemark und eine Firma Ata aus der Schweiz, die zusammen Heizkostenverteiler entwickelt haben. Daraus entstand eine Firma Brunata in Dänemark. Mein Großvater hat dann in den 1950er Jahren eine Lizenz dieser Firma erworben und Brunata Wärmemesser München gegründet. Zeitgleich vergab Brunata Dänemark Lizenzen an drei weitere Unternehmen in Deutschland. Seit den 1980er Jahren treten wir im Südwesten Deutschlands unter Metrona auf, weil dort ein anderes Unternehmen unter dem Namen Brunata aktiv ist, und in unserem restlichen Gebiet unter Brunata-Metrona, um die Zusammengehörigkeit der Firmen zu verdeutlichen.

Sie sind also in ganz Deutschland aktiv?

Schmucker: Die Brunata-Metrona-Gruppe hat drei voneinander unabhängige Standorte: Hürth bei Köln, Hamburg und München. Ich leite die Brunata-Metrona GmbH & Co. KG in München zusammen mit meinem Cousin Christoph Schmucker, das Unternehmen gehört auch der Familie Schmucker. In Hamburg führt ein Mitglied der Unternehmerfamilie Hagen, der die Brunata Wärmemesser Hagen GmbH & Co. KG (so heißt der Hamburger Standort) gehört, gemeinsam mit einem externen Geschäftsführer das Unternehmen. Die Brunata-Metrona GmbH in Hürth gehört der GEW Köln AG. Insgesamt beschäftigen wir in München 800 Mitarbeiter.
Wir bieten Dienstleistungen für die Immobilienwirtschaft an. Ursprünglich spezialisierten wir uns auf Heiz- und Wasserkostenabrechnungen. Dafür werden in Mehrfamilienhäusern Messgeräte eingebaut, zum einen für Wasser, also Wasserzähler, und zum anderen für Wärme, die man über Heizkostenverteiler oder über Wärmezähler misst. Alle Geräte werden heute über Funk ausgelesen in einem integrierten System. In dieses System sind in den vergangenen Jahren auch noch die Rauchmelder integriert worden.

Wilhelm Mauß lebt Kreislaufwirtschaft mit seiner Firma Lorenz Meters.
Wilhelm Mauß lebt Kreislaufwirtschaft mit seiner Firma Lorenz Meters. / Foto: Lorenz

Und diese Wasserzähler kommen von Ihnen, Herr Mauß?

Wilhelm Mauß: Wir sind Hauptlieferant für Wasserzähler bei Brunata-Metrona. 1990 hat die Familie Schmucker Lorenz Meters gekauft; ein Teil gehört auch der Familie Hagen. Zu diesem Zeitpunkt war ich jedoch noch nicht Geschäftsführer der Firma Lorenz; das war Herr Lorenz, der 2003 in den Ruhestand ging. Die Wohnungswirtschaft, für die Brunata-Metrona steht, ist eine unserer beiden großen Kundengruppen – die andere sind die kommunalen Wasserversorger.

Kurz nach Ihrem Antritt als Geschäftsführer hatten Sie eine revolutionäre Idee, und zwar Wasserzähler im Abo-Modell anzubieten …

Mauß: Genau. Der kommunale Versorger Hamburg Wasser und Brunata-Metrona haben uns unterstützt bei der Umsetzung unseres Product-as-a-Service-Konzepts. Heute ist es ein Paradebeispiel für Kreislaufwirtschaft im deutschen Mittelstand geworden; dabei ist es eigentlich aus der Not heraus geboren: Die Zähler sind aus Messing, und das wurde Anfang der 2000er Jahre plötzlich sehr viel teurer.

Wie haben Sie reagiert?

Mauß: Große Wettbewerber haben ihre Standorte in Niedriglohnländer verlagert, und sie haben Messing ersetzt durch Kunststoff. Wir als kleine Firma – wir hatten damals 60 Mitarbeiter, heute sind es 350 – mussten uns etwas anderes einfallen lassen. Messingzähler werden normalerweise nach sechs bis acht Jahren durch eue ersetzt. Wir haben uns gefragt: Wozu eigentlich? Man kann doch auch die alten zurücknehmen, reinigen und warten und neu einsetzen – zumal wenn es sich um Produkte handelt, die eine hohe Qualität haben.

Was sind die Vorteile dieser neuen Vorgehensweise für das Unternehmen?

Mauß: In Zeiten von Rohstoffmangel wird man resilienter, wenn man Material wiederverwendet. Es ist aber auch einfach menschlich, nichts verschwenden zu wollen – für einen Schwaben vielleicht erst recht. Wenn ein Produkt „designed for remanufacturing“ ist, ist das ökonomisch ein Riesenvorteil, ökologisch aber auch.

Schmucker: Im Gegensatz zu Messing würde Plastik sich verformen, wenn man versuchen würde, es auf diese Weise wiederzuverwenden.

Mauß: Und das könnte schlimmstenfalls einen Wasserschaden verursachen. Bei Messing zu bleiben und es wiederzuverwenden hat aber nicht nur ökonomische und ökologische Vorteile, sondern hat in unserem Fall auch dazu geführt, dass wir Arbeitsplätze in Deutschland nicht nur erhalten, sondern auch neu schaffen konnten. Ein sozialer Benefit gewissermaßen.

Frau Schmucker, welche Art von Vorteil hat für Sie die wichtigste Rolle gespielt? Der ökonomische, der ökologische oder der soziale?

Schmucker: Weniger Plastik wegwerfen zu müssen hat mich spontan angesprochen. Uns als Familienunternehmen war es aber auch wichtig, in Deutschland zu produzieren – neben dem sozialen Aspekt auch aus pragmatischen Gründen: So haben Sie alles in erreichbarer Nähe.

Welche Aspekte der Idee der Kreislaufwirtschaft können Sie bei sich selbst umsetzen?

Schmucker: Lorenz war sicherlich der Vorreiter mit den Messing-Wasserzählern. Es ist unser erklärtes Ziel, die anderen Geräte ebenfalls „for remanufacturing“ zu designen. Teilweise gelungen ist uns das schon bei den Heizkostenverteilern, deren Innenleben wiederverwendet werden kann – nur das Gehäuse nicht; das ist aus Plastik und vergilbt zu sehr.

Lorenz war nicht Ihre einzige Akquisition. Ist das Aufkaufen kleinerer Unternehmen Teil Ihrer Innovationsstrategie?

Schmucker: Unser Ziel ist es, Energie zu sparen. Das ist der treibende Faktor hinter dem Ausbau unseres Produktportfolios. 2021 haben die Unternehmen der Brunata-Metrona-Gruppe eine Firma für Elektro-Ladeinfrastruktur gekauft und zeitgleich die Firma Blue Metering gegründet, um als zertifizierter Messstellen-Betreiber Daten auch über Strom zu erhalten. So haben wir die Möglichkeit, Kunden ihre Energiedaten vollständig zur Verfügung zu stellen. Doch die Erfahrung hat gezeigt: Es reicht nicht, den Kunden und Bewohnern im Sinne von Smart Metering ihre eigenen Verbrauchsdaten zur Verfügung zu stellen, um sie zum Sparen zu motivieren. Wir brauchen Systeme, die automatisiert, ohne diese Feedbackschleifen funktionieren. Deswegen haben wir im vergangenen Jahr die Firma My Warm gekauft.

Was ist deren Geschäftsmodell?

Schmucker: Der größte Hebel zum Energiesparen ist es, die Heizung richtig einzustellen. My Warm macht das über hydraulische Abgleiche. Früher gab es nur ein aufwendiges Berechnungsverfahren, das unter anderem die Größe der Räume einbezieht. My Warm hingegen arbeitet mit Messwerten und Echtzeitdaten, so dass man vom tatsächlichen Bedarf und Verbrauch ausgeht statt von einem hypothetischen.

Haben Sie eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung?

Schmucker: Ja, die Brunata-Metrona-Gruppe hat eine gemeinsame FuE-Tochterfirma, die Metrona Union. Aber auch in den zugekauften Firmen wird viel geforscht. Darüber hinaus haben wir auch eine Kooperation mit der Hochschule Zwickau, arbeiten also auch Hand in Hand mit der akademischen Forschung.

Zudem sind Sie auch sehr abhängig von der Politik.

Schmucker: Oh ja, Energieverbrauch ist in den vergangenen Jahren politisch stark reglementiert worden. Da gab es sehr viele neue gesetzliche Vorschriften, die zum Teil auch sehr schnell umgesetzt werden mussten. Zum Glück sind wir groß genug, um da entsprechend reagieren zu können. Unsere IT ist sehr kompetent, und die Zusammenarbeit mit vielen kleinen Firmen, die eine eigenständige Geschäftsleitung haben – wie die Firma Lorenz mit Herrn Mauß – hat sich sehr bewährt. Wir vertreten unsere Interessen gegenüber der Politik aber auch aktiv in den entsprechenden Gremien und Ausschüssen.

Über Ihr Geschäftsmodell ist Brunata-Metrona eng mit Megatrends wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung, aber über die Politik auch mit globalen Krisen und Entwicklungen verzahnt. Wie sichern Sie die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens?

Schmucker: Durch das Thema Smart Metering sind wir zu Big-Data-Experten geworden. Früher schrieben wir die Zählerstände mit Kuli auf Papier. Heute arbeiten wir mit großen Mengen digitalisierter Messdaten und verbessern kontinuierlich den Umgang damit. Brunata-Metrona München hat auch eine KI-Abteilung innerhalb der IT aufgebaut. Das drängendste Zukunftsthema ist derzeit sicherlich die CO₂-Einsparung. In Zukunft wird auch das Thema Wasser wieder wichtiger werden.

Hat an der Uni Bamberg Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin am Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Bei dem Magazin brand eins in Hamburg entdeckte sie ihre Liebe zum Wirtschaftsjournalismus, der sie seit März 2023 beim wir-Magazin frönen darf.