Über Geld spricht man nicht? Gewinnverwendung in Familienunternehmen

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken

Die Studie „Let’s talk about money“ verlangt deutschen Familienunternehmen viel ab: Sie sollen über Geld sprechen. Und obwohl sich die Kultur in dieser Hinsicht allmählich verändert, gilt in vielen deutschen Unternehmerfamilien immer noch das Motto: Über Geld spricht man nicht, Geld hat man.

Trotzdem gelang es PricewaterhouseCoopers gemeinsam mit Intes in Zusammenarbeit mit der DBU, eine Befragung unter gut 180 Familienunternehmen zu genau diesem Thema durchzuführen: Wie hoch ist die Ausschüttung an die Gesellschafter? Wie ist diese Höhe geregelt? Und wie wichtig ist den Gesellschaftern eigentlich das Geld?

Gar nicht so wichtig, wie man im ersten Moment vielleicht denkt. Das Prinzip „Business first, Family second“ zeigt sich deutlich in den Ausschüttungsquoten. Sie sind konservativ und niedriger als vielleicht vermutet. Dabei muss man jedoch zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden: Bei Personengesellschaften fällt – anders als bei Kapitalgesellschaften – die Einkommenssteuer beim Gesellschafter an; sie muss also gleichsam mit ausgeschüttet werden. Der Effekt ist so stark, dass eine Ausschüttungsquote von 45 Prozent bei Personengesellschaften mit einer Quote von 25 Prozent bei Kapitalgesellschaften gleichgesetzt werden kann. Trotzdem liegt die Ausschüttungsquote bei Familienunternehmen in der Rechtsform einer Personengesellschaft zu fast zwei Dritteln bei unter 30 Prozent.


Externer Inhalt von Datawrapper

Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen.

Externer Inhalt von Datawrapper

Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen.


Auf Englisch spricht man von einem „accident waiting to happen“, wenn ein System auf eine sehr wahrscheinlich eintretende Situation nicht vorbereitet ist. Ein solcher „accident waiting to happen“ ist die Regelung zur Gewinnverwendung in 30 Prozent der deutschen Familienunternehmen, denn sie ist nicht vorhanden. In weiteren 17 Prozent gibt es sie zwar, aber sie ist nicht rechtlich bindend. Die wahrscheinlich eintretende Situation ist, dass Gesellschafter – besonders Gesellschafter, die nicht im Unternehmen tätig sind und vielleicht sogar im Ausland leben – wenig Verständnis dafür haben werden, wenn die wirtschaftliche Situation in Deutschland schlecht ist. Mit Alter und Größe des Familienunternehmens wächst die Wahrscheinlichkeit, dass es solche Gesellschafter gibt, und immerhin sind die meisten dieser „Großen“ besser vorbereitet. Doch auch bei kleineren Gesellschafterkreisen kann es zu Konflikten kommen, die durch vorher vereinbarte, klare Regeln entschärft werden können.


Externer Inhalt von Datawrapper

Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen.


Gesellschafter deutscher Familienunternehmen sehen das Unternehmen nicht als Cash Cow. Dividenden, Ausschüttung und Entnahmemöglichkeiten rangieren auf einer Skala von 1 bis 5 bei 2,35 und sind die zweitunwichtigsten unter den abgefragten Werten. Viel wichtiger ist es Gesellschaftern, Einblick in das Unternehmen zu haben und Verantwortung übernehmen zu können.


Externer Inhalt von Datawrapper

Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen.


Die Ausschüttungsquote bei Stammesgesellschaften liegt deutlich über denen in Einzel- oder Großfamilien, schreibt die Studie „Let’s talk about Money“: „Das lässt vermuten, dass höhere Ausschüttungen die Verbundenheit zum Unternehmen und im Gesellschafterkreis sicherstellen oder aber Konflikte zwischen den Stämmen durch Geld befriedet werden sollen.“ Geld ist also nicht alles – aber es hilft.

Hat an der Uni Bamberg Germanistik, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuvor arbeitete sie als Redakteurin am Zukunftsinstitut von Matthias Horx. Bei dem Magazin brand eins in Hamburg entdeckte sie ihre Liebe zum Wirtschaftsjournalismus, der sie seit März 2023 beim wir-Magazin frönen darf.