Wie bereitet man einen Erbprinzen auf die Nachfolge vor? Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern will bei der Übergabe an seinen Sohn vieles anders machen.

Weiß gezuckert im winterlichen Glanz liegt das Schloss Sigmaringen auf einer kleinen Anhöhe an der Donau und wirkte wie im Märchen, wäre da nicht die nahegelegene Einkaufsstraße des gleichnamigen Städtchens. Touristen warten vor dem Schlosseingang auf die nächste Führung. 950 Jahre in 90 Minuten – Geschichte im Zeitraffer. Die Hohenzollern gehören zu den ältesten und bekanntesten deutschen Adelsgeschlechtern. Seit dem 16. Jahrhundert sind die Linien geteilt in das schwäbische Fürstenhaus und die preußische Königsdynastie. Beide Familienzweige haben die europäische Politik in den vergangenen Jahrhunderten mitgeprägt. Heute sind aus den Regenten von einst Unternehmer geworden. Von seinem Büro aus, in einem Seitentrakt des Schlosses, steuert Fürst Karl Friedrich den Familienbesitz der schwäbischen Hohenzollern, der seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergereicht wird.

Seine Rollen als Fürst, Unternehmer und Familienoberhaupt hat er sich nicht selbst ausgesucht. Wie seine Vorfahren hat er den Titel und das damit verbundene Vermögen als Erstgeborener von seinem Vater geerbt. Seine zwei Brüder wurden mit dem Pflichtteil abgefunden. Auch das ist Tradition bei den schwäbischen Hohenzollern, kein Kind geht leer aus. „Der Spagat, das Erbe zu erhalten, die Lasten zu tragen und genügend zur Seite zu legen, um der kommenden Generation ihren Pflichtteil auszahlen zu können, ist nicht einfach“, erzählt Seine Hoheit – wie es offiziell heißt. Sein Vater musste sogar fünf Geschwister abfinden. Bislang ist es immer gelungen, die Fürstenfamilie gilt als wohlhabend.

Dennoch ist es für jede Generation ein Kraftakt, denn der Großteil des Vermögens ist illiquide. Zum Erbe gehören neben den fürstlichen Immobilien 15.000 Hektar Forst und mit dem Großen Arber im Bayerischen Wald ein ganzer Berg samt Skibetrieb. Das Herzstück bildet jedoch das Unternehmen Zollern. Vor 300 Jahren begann die Hohenzollern- Familie mit der Verhüttung von Bohnerz. Heute, elf Generationen später, ist Zollern auf die Herstellung von Stahlprofilen, Gleitlagern, Gießerei- und Antriebstechnik spezialisiert und eine international aufgestellte Firmengruppe mit 600 Millionen Euro Umsatz und 3.200 Mitarbeitern.

 Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern in seinen Lehrjahren

Fürst Karl Friedrich wurde mit 33 Jahren von seinem Vater ins kalte Wasser geworfen. Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium hatte er einige Jahre bei einer Bank in New York gearbeitet. Zurück in Sigmaringen musste er sich in alle Geschäftsbereiche gleichzeitig einarbeiten, Mitarbeiter führen und Lobbyarbeit in Politik und Wirtschaft betreiben. „Das war nicht einfach“, gesteht der Fürst. Es dauerte zwei Jahre, bis er sich einen Überblick verschafft hatte. Danach kannte er sich in der Land- und Forstwirtschaft, im Tourismus und im Weinbau genauso gut aus wie mit der Unternehmensgruppe Zollern. Zunächst arbeitete der Erbprinz als Generalbevollmächtigter, später auch als Verwaltungschef der Fürstlichen Hofkammer. „Meinem Sohn möchte ich das nicht zumuten“, sagt der Fürst. Stattdessen werde er ihm, wenn die Zeit gekommen ist, erst einmal einen einzelnen Geschäftsbereich übertragen. Der 25-jährige Erbprinz Alexander Friedrich hat gerade seinen Bachelor in International Business abgeschlossen und ein Praktikum bei einem Automobilzulieferer absolviert.

Info

Die erste urkundliche Nennung der Zollern geht auf das Jahr 1061 zurück. Kern des Herrschaftsbereiches der Grafen von Zollern bildet die Burg Hechingen bei Hechingen. 1534 wird Graf Karl I. mit der Grafschaft Sigmaringen belehnt. Im Rahmen der Erbfolge entstehen 1576 die Linien Haigerloch (1634 wieder erloschen), Hechingen und Sigmaringen der schwäbischen Hohenzollern. 1623 erfolgt die Erhebung in den Reichsfürstenstand. 1806 erringen die Fürsten von Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern- Sigmaringen die volle Souveränität in ihren Fürstentümern, die sie 1850 an das stammverwandte preußische Königshaus abtreten. Nach dem Aussterben der Linie Hohenzollern- Hechingen im Mannesstamm 1869 nehmen die Angehörigen der Sigmaringer Linie den Titel Fürst bzw. Prinz und Prinzessin von Hohenzollern ohne weiteren Zusatz an.

Neben einem Universitätsabschluss erwartet der Vater, dass sein Sohn ein paar Jahre Berufserfahrung bei einem anderen Unternehmen sammelt, bevor er in die fürstlichen Aufgaben eingewiesen wird. Neben dem Erstgeborenen hat Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern noch drei jüngere Töchter aus erster Ehe mit Alexandra Schenk Gräfin von Stauffenberg. Wenn es nach dem Fürsten ginge, hätte auch eine Erbprinzessin die Nachfolge antreten können. „Meine Töchter sind aber froh, dass sie sich der Verpflichtung entziehen können“, sagt der Vater.

Das letzte Wort des Fürsten von Hohenzollern

Auch beim Thema Rückzug will Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern einiges anders machen. „Als ich in der Hofkammer anfing, war mein Vater Ende 50 und wollte sich demnächst zur Ruhe setzen. Das schob er dann von Jahr zu Jahr vor sich her“, berichtet der Fürst. Erst mit 75 ließ der Vater die Zügel etwas lockerer – aus gesundheitlichen Gründen. Die letzten zehn Jahre vor seinem Tod führte der Erbprinz faktisch die Unternehmen, das letzte Wort hatte aber noch immer der Vater. „Das war teilweise sehr frustrierend: Ich habe etwas konzipiert und mein Vater sagte nein.“ Die Reform des Forstbetriebes habe er gar ohne das Wissen seines Vaters durchgeführt, aus Angst, dieser könne im letzten Moment noch die Bremse ziehen. Wie hält man das aus?

Info

Neben ausgedehnten forst- und landwirtschaftlichen Flächen und Immobilien sind auch Beteiligungen und Kapitalvermögen seit Generationen fester Bestandteil des Fürstlich-Hohenzollern’schen Vermögens. Aktuell hat das Fürstenhaus Hohenzollern Direktinvestments bei folgenden Unternehmen:

Die Firma Zollern wurde 1708 gegründet und hat sich in den vergangenen 300 Jahren von einem Eisenwerk zu einem international auf gestellten Unternehmen mit 15 Werken und Niederlassungen in Europa, Amerika und Asien entwickelt. Weltweit erwirtschaften 3.200 Mitarbeiter rund 600 Millionen Euro Umsatz in den Geschäftsfeldern Gießereitechnik, Stahlprofile, Antriebstechnik, Maschinenbauelemente und Lagertechnik. Seit 1989 ist die Familie Merckle hälftig an Zollern beteiligt.

Die Prinz von Hohenzollern Capital GmbH & Co. KG wurde 2006 gegründet und ist eine Beteiligungsgesellschaft für Gründer und Start-ups mit dem Fokus auf Biotechnologie, Energie- und Umwelttechnik, Informationstechnologie, Medizintechnik und Touristik. Die PvH Capital hält derzeit acht Equity-Beteiligungen und mehrere stille Beteiligungen.

Darüber hinaus gehören zur Hohenzollern-Gruppe: die EZS Sigmaringen, ein Handwerksbetrieb für Elektrotechnik mit 30 Mitarbeitern, die Cosi-Elektronik GmbH, ein Systemhaus für ganzheitliche IT-Lösungen mit 70 Mitarbeitern, die Prinz von Hohenzollern GmbH, eine Vermarktungsgesellschaft für Wein, Sekt und Weinbrand aus badischen Anbaugebieten, sowie zwei Baumärkte in Sigmaringen und Bad Saulgau. Außerdem besitzt die fürstliche Familie den Großen Arber im Bayerischen Wald samt Arber-Bergbahn. Auf die Burg Hohenzollern, den Stammsitz der Familie von Hohenzollern, erhebt das schwäbische Fürstenhaus ebenso Anspruch wie das preußische Haus.

„Ich habe es mit Gleichmut genommen und mich mehr um die Firma Zollern gekümmert.“ Vielleicht ist es gerade diesem Umstand zu verdanken, dass der Fürst sich in erster Linie als Unternehmer fühlt und nicht als Verwalter des Familienvermögens. Nach dem Tod seines Vaters strukturierte er die Hofkammer erst einmal um. Die Hofkammer heißt heute Unternehmensgruppe und funktioniert wie eine moderne Holding.

Weil er den traditionellen Geschäftsfeldern etwas entgegensetzen wollte – „unsere Unternehmen sind mindestens 100 Jahre alt“ –, gründete der Fürst vor sieben Jahren eine Venture-Capital-Gesellschaft. Die Prinz von Hohenzollern Capital GmbH & Co. KG investiert in Wachstumsmärkte und in neue Technologien wie Bio-, Medizin-, Energie- und Umwelttechnik. Derzeit hält die Gesellschaft acht Beteiligungen an Start-up-Unternehmen sowie mehrere stille Beteiligungen. „Ich wollte in etwas Zukunftsträchtiges investieren. Etablierte Unternehmen sind aber zu teuer, daher habe ich mich für Start-ups entschieden“, sagt der Fürst. Doch nicht nur die Renditechancen locken ihn. Mit jungen Leuten Ideen zu entwickeln macht ihm Spaß. Die Zeit dafür muss er sich gut einteilen, denn ein Viertel der Arbeitszeit verschlingen allein repräsentative Aufgaben und die Lobbyarbeit. Und auch die anderen Unternehmensteile erfordern seine Aufmerksamkeit, vor allem jetzt, da die schwächelnde Konjunktur auf das Unternehmen Zollern durchschlägt.

Anders als sein Vater möchte Fürst Karl Friedrich seinem Sohn das Feld früher überlassen. „Mit 67 möchte ich in Rente gehen. Dann bin ich noch jung genug, um mich anderen Dingen zu widmen“, sagt der heute 60-Jährige. Jung genug, um seiner Leidenschaft, der Jazzmusik, zu frönen. Schon jetzt steht Fürst Karl Friedrich – kurz „Charly“ – im Schnitt einmal im Monat als Saxofonist mit seiner Band „Charly and the Jivemates“ auf der Bühne. Eine zweite Band, die „Royal Groovin Band“, wird gerade gegründet. Erbprinz Alexander Friedrich bleiben damit noch sieben Jahre, um sich auf seine Lebensaufgabe vorzubereiten. Mit dann 32 Jahren würde er die volle Verantwortung übernehmen. Wie sein Vater wird auch der zukünftige Fürst neue Wege finden müssen, um das Erbe zu mehren. Schließlich muss er eines Tages seine drei Schwestern auszahlen.

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