Colja Dams führt die Marketing- und Kommunikationsagentur VOK DAMS. Einst Fotostudio seines Vaters, ist das Unternehmen heute weltweit aktiv. Als einer der großen Player im Markt kommt die Agentur gut durch die Pandemie. Das globale Wachstum ist vor allem ein Projekt von Colja Dams als Vertreter der zweiten Generation.

Unternehmer Colja Dams steigt über Wuppertal in die Lüfte. Er gewinnt an Höhe, die Häuser unter ihm werden kleiner. Nach kurzem Flug sinkt er wieder und landet gekonnt auf dem Dach eines Hochhauses. Dort steht schon eine Bühne für ihn bereit, auf der er über die Vorzüge der hybriden Events sprechen wird. Wer denkt, Colja Dams sei ein versierter Flieger, der täuscht sich. Die Flugeinlage des 46-jährigen Unternehmers findet komplett im virtuellen Raum statt. Eigentlich steht der Geschäftsführende Gesellschafter der VOK DAMS GRUPPE vor einer grünen Wand, einem Green Screen, in seinem Homeoffice – oder besser: in seinem Homestudio.

Doch auch bei einem Experten für direkte Marketingkommunikation und Events klappt nicht alles. „Hier ist ein kleiner Fehler in meinem Heimstudio aufgetreten“, tönt es nach der Flugeinlage aus einem komplett schwarzen Bildschirm. Einen Neustart später ist er wieder zu sehen – und hat auch die Erklärung für die Panne: Offenbar seien einige Einstellungen abhandengekommen, als er am Vortag mit seinen Kindern im Studio lustige Videos gemacht habe.

Cooler als früher

Führt der Unternehmer etwa schon die dritte Generation ans digitale Eventgeschäft heran? Zumindest wissen seine Kinder etwas mit dem Job des Vaters anzufangen, sagt Dams. Bei ihm und seinem Vater Volkwart Dams – genannt „Vok“ – war das zu seiner eigenen Schulzeit etwas anderes: „Meine Kinder sagen: ‚Der Papa macht Events und Marketing.‘“ Das sei heute und vor allem durch die Eindrücke der Pandemie greifbarer geworden, meint Dams. „Ich sagte damals, dass mein Vater direkte Kommunikation macht. Das kam in der Schule nicht so cool rüber.“

Ähnliche Freiheiten, wie sie seine Kinder im heimischen Studio erleben, gewährte ihm sein Vater bei seinem Einstieg als zweite Generation ins Familienunternehmen. Wie sehr ihm das bei seiner Entwickelung geholfen hat, bemerkte Colja Dams aber erst später. „Da kann ich ihm heute nur dankbar sein. In den ersten Jahren habe ich das gar nicht wahrgenommen, wie bewusst er die Entscheidung getroffen hat, mir das Steuer zu übergeben, mir Freiheiten zu lassen und seine neue Rolle zu finden.“ Das war Ende der neunziger Jahre. Seit 1998 ist Colja Dams Geschäftsführender Gesellschafter von VOK DAMS.

Namensgeber und Gründer Vok Dams machte sich 1962 mit vd-Werbefoto in Wuppertal selbständig – 1975 wurde das Unternehmen eine GmbH. Für Messen erstellte er übergroße sogenannte Multivisionen. Das kam zu dieser Zeit gut an, erinnert sich sein Sohn. „Die Unternehmen auf den Messen kamen dann auf meinen Vater zu und meinten, ob er sich nicht auch um den Rest der Kommunikation kümmern könnte.“

So entwickelt sich die heutige Agentur, die sich auf B2B-Events und Kommunikation spezialisiert hat. „Sobald ein Unternehmen eine Marke mit Menschen teilen möchte, kommen wir ins Spiel – das aber überwiegend im Corporate-Bereich und nicht direkt an den Endkonsumenten orientiert“, sagt Dams. Ein Umstand, der 20 Jahre nach seinem Einstieg eine entscheidende Rolle für das Fortbestehen des Unternehmens spielen würde.

Weg vom zentralen Führungsstil

Dass sich das ehemalige Fotostudio zu einem globalen, digital orientieren Player entwickelt hat, geht auf den Einstieg der zweiten Generation zurück. Ende der neunziger Jahre entschied sich Colja Dams, ins Unternehmen einzusteigen, und fand zentral geführte Strukturen vor, die auf seinen Vater zugeschnitten waren. Die Marke VOK DAMS hatte seinerzeit bereits eine exponierte Stellung in Deutschland, aber Colja Dams sah mehr Potential – außerhalb der Bundesrepublik.

„Damals hatte ich das Gefühl, dass wir Schätze im Unternehmen haben, die es zu heben gilt. Dafür musste die zentrale Führungsstruktur, die zum Aufbau der Marke sicherlich die richtige gewesen war, dezentralisiert werden“, sagt Dams. Verantwortung abzugeben, um seine großen Visionen umzusetzen, lernte er im operativen Geschäft schnell. „Ich kam mit Ende 20 ins Unternehmen. Einige Mitarbeiter waren schon lange im Unternehmen – da habe ich gelernt, dass man Verantwortung delegieren und verteilen muss, um nach vorn zu kommen.“

Ein Gründerkopf wie sein Vater, der zum Generationenwechsel rund 35 Mitarbeiter unter sich hatte, habe noch den Überblick behalten und von oben führen können, sagt Dams. Aber bei einem international tätigen Unternehmen, wie sich der Nachfolger VOK DAMS in Zukunft vorstellte, müsse mehr Agilität herrschen und Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt werden.

Knapp 20 Jahre nachdem Colja Dams die Unternehmensnachfolge antrat, erwirtschaftete VOK DAMS 2018 einen Umsatz von 50 Millionen Euro und zählte weltweit knapp 300 Mitarbeiter. Unter seiner Ägide wurden Niederlassungen in China, Dubai, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den USA eröffnet. Jede Einheit wurde ausgestattet mit vollverantwortlichen Entscheidern, die sich an einer eigens erarbeiteten Guideline der Marke orientieren. Dann kam Corona.

VOK DAMS: Schnelle Autos und klassische Messen

Der Geschäftsführer fast in englischer Kürze zusammen, wie die Pandemie ihn und sein Unternehmen getroffen hat: „First one in, last one out.“ Live-Events waren vor der Pandemie der größte Umsatzbringer der Agentur gewesen – bevor diese wieder erlaubt würden, würden alle anderen Wirtschaftszweige wieder laufen, sagte der Geschäftsführer schon 2020 voraus. Schnelle Autos an Flughäfen vorstellen, interne Events und Jubiläen für Unternehmen organisieren – und natürlich klassisch B2B-Messen veranstalten: Dams zählt einige Beispiele aus dem Vor-Corona-Alltag auf. Das war nun alles nicht mehr möglich.

Über 90 Prozent an Umsatz gingen in den ersten Monaten verloren. Dennoch fiel der Umsatz im ersten Jahr der Pandemie insgesamt lediglich um 10 Prozent auf 45 Millionen Euro. Wie kam es zum schnellen Turnaround?

Dams sieht mehrere Gründe dafür. So sei das Know-how für digitale Events, auf die überall umgesattelt werden musste, bereits im Unternehmen gewesen. VOK DAMS hatte vor pandemischen Zeiten circa 20 Prozent des Umsatzes digital erwirtschaftet. Daher konnte schnell komplett auf digitale Lösungen umgestellt werden.

Durch Pandemie werden Events skalierbar

Dabei machte sich auch die Fokussierung auf kundeninterne und B2B-Events bezahlt. „Der Kundenstamm ist uns nicht weggebrochen. Die Art, die Kommunikation und Veranstaltungen auf den Weg zu bringen, hat sich lediglich verlagert“, sagt Dams. VOK DAMS war auch im digitalen Raum weiterhin verantwortliches Unternehmen und Veranstalter.

Dams und sein Team profitierten dabei von etwas, was viele Start-up-Gründungen befördert: Skalierung. Der Markt für Live-Event-Agenturen – wie sich VOK DAMS selbst bezeichnete – ist von kleinen, lokalen Firmen geprägt. Skalierbarkeit ist bei Präsenzkonferenzen und anderen Events vor Ort schwierig zu erreichen. Regionale Unterschiede und verschiedene Zielgruppen beschränken die Möglichkeiten zu wachsen.

Im digitalen Raum bestand hingegen die Chance, Ansätze aus vorherigen Projekten auf neue digitale Lösungen zu übertragen. Die Mitarbeiterzahl blieb über das erste Jahr der Pandemie hinweg unverändert, doch durch die neuen Angebote änderten sich die Anforderungen an die Belegschaft. In diesem neuen, rein digitalen Tätigkeitsfeld brauchte es mehr Digital-Fähigkeiten als klassisches Event-Know-how. In Zukunft werde Eventmanagement sowohl Digital- als auch Vor-Ort-Fähigkeiten erfordern, sagt Dams. Die rein digitalen, virtuellen Messen, die zu Beginn der Pandemie veranstaltet und nachgefragt wurden, seien ein Relikt dieser Zeit und nicht zukunftsfähig. „Der digitale Zwilling einer realen Messe mit Online-Ständen, die so aufgebaut sind wie in echt, und große virtuelle Hallen, durch die ein digitaler Teilnehmer laufen muss, sind Geschichte.“

Der chinesische Markt als Retter

Was hingegen bleiben werde, seien hybride Events. Dams rechnet damit, dass 60 Prozent aller Events künftig vor Ort stattfinden und zugleich auch auf Bildschirme in aller Welt übertragen werden. Mit diesem Format hat seine Agentur schon vor, aber vor allem während der Corona-Beschränkungen Erfahrungen gesammelt. „Wir haben Events aus China, als dort kein Lockdown war, weltweit übertragen“, blickt Dams zurück. Viele Kunden in China führten Messen vor Ort durch, bei denen die Keynotes und Diskussionen online übertragen wurden. So machte sich der Schritt, nach China zu gehen, kurioserweise in dem Moment bezahlt, als der von dort kommende Virus die weltweite Wirtschaft lahmlegte.

Denn schon vor dem Eintritt Chinas in die Welthandelsorganisation (WTO) 2001 war die Wuppertaler Agentur in China vertreten. Vor allem die Automobilindustrie sei hier einer der Treiber gewesen, sagt Dams. Aufgrund der Mitgliedschaft Chinas in der WTO seien noch mehr Events nachgefragt worden.

Durch die neuen Angebote und die veränderten Kommunikationswünsche der Kunden habe sich VOK DAMS trotz weltweitem Corona-Chaos mit digitalen Angeboten viele langfristige Verträge gesichert, sagt Colja Dams. Und das in einer Zeit, in der der Eigenkapitalanteil der Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft im Durchschnitt von 50,2 Prozent (2019) auf 37,8 Prozent (2021) gesunken ist. In derselben Umfrage des Research Institute for Exhibition and Live-Communication (R.I.F.E.L.), in dem Colja Dams als Vorstandsvorsitzender fungiert, sagte über die Hälfte der befragten Unternehmen, dass sie externe Finanzmittel für einen Neustart benötigen. Gleichzeitige habe sich das Ranking bei den Hausbanken verschlechtert.

Für Colja Dams persönlich bleibt eine große Herausforderung, die nicht mit Zahlen beantwortet werden kann: die Nachfolge. Kann er sich seine Kinder abseits der Videos im heimischen Studio im Unternehmen vorstellen? „Es ist schon eine Art Traum von mir, dass auch die dritte Generation bei VOK DAMS landet. Aber ich habe selbst die Chance bekommen, das frei und ohne Druck zu entscheiden. So werde ich das auch an meine Kinder herantragen.“

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