Die Pandemie trifft Familienunternehmen in allen Branchen. Tobias Ragge, CEO der HRS Group, über Herausforderungen und Chancen der Krise.

“Die Ausbreitung des Coronavirus und die damit zusammenhängende Krise haben kaum eine Branche so hart getroffen wie die Reisebranche. Grenzschließungen rund um den Globus, umfassende Beschränkungen des täglichen Lebens in vielen Ländern und damit ein Stillstand internationaler Reiseströme sind für die Reise- und Tourismusbranche Szenarien, die die Krise nach 9/11 und die Finanzkrise in den Schatten stellen. Da HRS weltweit als Mittler zwischen Unternehmen und Hotels agiert, sind natürlich auch wir von dieser Krise hart getroffen und sehen uns mit einem Umsatzeinbruch von über 90 Prozent konfrontiert.

Entsprechend waren wir gefordert, unseren Kurs deutlich und schnell zu ändern: Bis dato haben wir uns ausschließlich auf die Schaffung von Innovationen für unsere Kunden und die erfolgreiche Erschließung neuer Märkte konzentriert. Von jetzt auf gleich kam das Arbeiten im Krisenmodus mit einem harten Kosten- und Liquiditätsmanagement hinzu. Wir haben auf den Einbruch mit unterschiedlichen Maßnahmen reagiert und haben unseren Geschäftsbetrieb neu ausgerichtet. So haben wir unsere Kosten drastisch reduziert und unser Arbeitspensum, sofern es ohne Einschnitte für unsere Kunden möglich war, temporär dem neuen Bedarf angepasst.

Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter und mein Management-Team, die all diese Maßnahmen solidarisch mittragen. An dieser Stelle möchte ich die Arbeit unserer Regierung und das System unseres Sozialstaates ausdrücklich loben: Als Unternehmer mit über 35 Niederlassungen weltweit sehe ich im internationalen Vergleich die Vorzüge unserer sozialen Absicherung. Das Kurzarbeitergeld vermeidet eine Massenarbeitslosigkeit und gibt den Menschen Sicherheit. Die Unternehmen in Deutschland, viele davon familiengeführt, haben wesentlich dazu beigetragen, ein solches System in Deutschland aufzubauen. Es ist schön zu sehen, dass sie zur richtigen Zeit wieder davon profitieren.

Nach der erfolgreichen Sicherung unserer Geschäftstätigkeit richten wir den Blick wieder nach vorne, auch wenn die Zukunft noch sehr ungewiss ist. Ich erwarte, dass es vermutlich noch 18 bis 24 Monate dauern wird, bis wir im Bereich Corporate Travel von einer Normalisierung sprechen können. Die Krise wird zudem die Branche nachhaltig prägen: Hygiene- und Sicherheitsstandards werden eine vollkommen neue Bedeutung erhalten. Reiseströme werden sich verändern und werden zunehmend lokaler. Und auch die Marktstruktur wird sich verändern, da viele vor allem mittelständisch geprägte Hotels um ihr Überleben kämpfen. Unser Fokus richtet sich daher derzeit auf die umfassende Analyse der Märkte und Prognose künftiger Reiseströme, um unsere Kunden bei der Nachjustierung ihrer Reiseprogramme bestmöglich zu beraten.“

Tobias Ragge, CEO, HRS Group, 1.500 Mitarbeiter

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