US-amerikanische Unternehmer, die damit planen ihr Unternehmen zu veräußern, haben das Gefühl, die beste Chance dafür verpasst zu haben. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage, die die Schweizer Großbank UBS auf den Weg gebracht hat. UBS befragte Mitte April 2023 insgesamt 539 Unternehmer – 416 davon planen den Unternehmensverkauf in den nächsten fünf Jahren. 123 der befragten Unternehmer haben ihr Unternehmen bereits veräußert. Der Umsatz der relevanten Unternehmen lag jeweils bei mehr als 1 Million US-Dollar.
Unternehmensverkauf früher angehen und planen
Die Mehrheit der Unternehmer sorgt sich darum, einen fairen und angemessenen Preis für ihre Unternehmung zu erhalten. 61 Prozent der Befragten sind bei der aktuellen Wirtschaftslage äußerst besorgt darüber, dass die Unternehmensbewertungen auf einem niedrigen Niveau sind. Vier von zehn Unternehmen bedauern, das Geschäft nicht früher aufgegeben beziehungsweise verkauft zu haben.
Die UBS sieht die Problematik unter anderen darin, dass verkaufsbereite Geschäftsinhaber den Zeitaufwand in Vorbereitung auf eine mögliche Transaktion unterschätzen. 81 Prozent der befragten Unternehmer, die einem Unternehmensverkauf auf den Weg gebracht haben, wünschten laut Umfrage, sie hätten mehr Zeit für die Vorbereitung eines Verkaufs aufgewendet. Lediglich 27 Prozent der Befragten nahmen sich mehr als 24 Monate Zeit bei der Vorbereitung der Transkation. Knapp ein Drittel der Befragten verbrachte weniger als ein Jahr damit, sich auf etwaige Deals vorzubereiten.
Wer nicht früh genug plane, so die Ergebnisse der UBS, verpasse oft den richtigen Zeitpunkt für eine zufriedenstellende Transaktion. Drei große Hürden macht die Schweizer Großbank aus, die einem schnellen Deal zu einem passenden wirtschaftlichen Zeitpunkt im Wege stehen. 34 Prozent der Unternehmer hatte keine Fachleute an der Hand, die beim Abschluss des Verkaufs assistieren können. Die gleiche Anzahl der Unternehmer schilderte, dass es an Strukturen fehlte, Steuern zu minimieren und Erträge abzuschirmen. Immerhin 31 Prozent der Unternehmer hatte noch keine Unternehmensbewertung durchgeführt als es zum Verkauf hätte kommen sollen.
Noch schwerer wiegen aber Fragen nach der Verwendung des neu gewonnenen, liquiden Familienvermögens. Vier von zehn Unternehmern gaben an, dass sie zum passenden Verkaufszeitpunkt ihre Erben nicht in den Dialog über das Familienvermögen miteinbezogen hatten. Zudem hatten 37 Prozent keinen Nachlassplan, als der ideale Deal ins Haus stand.
Für die Zeit nach der Transaktion schauen rund drei Viertel der Unternehmensverkäufer entspannteren Zeiten entgegen, denn sie freuen sich, zu Reisen und Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Wie in den USA oft üblich wollen sich 45 Prozent nach dem Unternehmensverkauf für die Gemeinschaft oder wohltätige Zwecke engagieren. Immerhin 52 Prozent haben aber noch nicht genug vom Unternehmertum: Sie wollen ein neues Unternehmen gründen. Ob sie dann früher an den Verkauf denken? Danach hat die Umfrage nicht gefragt.
Hat Internationalen Journalismus in Magdeburg studiert. Schrieb schon davor für die Südwest Presse in seiner Heimat Ulm. Sammelte zudem Auslandserfahrung bei der Allgemeinen Zeitung in Windhoek, Namibia, sowie bei Kwanza TV in Daressalam, Tansania. Seit 2017 Redakteur bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA und Mitglied im Redaktionsteam des wir-Magazins.

