Wer als Gesellschafter eines Familienunternehmens zum Traualter schreitet, wird von Eltern und Mitgesellschaftern mehr oder weniger vehement zum Abschluss eines Ehevertrags gedrängt. So unangenehm die Einmischung in das Privatleben auch ist, so sinnvoll ist sie auch.

„Ich finde das richtig. Warum sollte mein Ehemann ein Anrecht auf das Lebenswerk meines Vaters haben.“ So einfach ist das mit dem Thema Ehevertrag. Zumindest für Carola Landhäuser. Als Carola Landhäuser mit 21 heiratete, war sie bereits Gesellschafterin des väterlichen Familienunternehmens, der Horstmann Group (heute 350 Millionen Euro Umsatz; 1.500 Mitarbeiter). Ihre Eltern legten ihr damals nahe, einen Ehevertrag abzuschließen. Für Carola Landhäuser war das kein Problem. Erleichternd kam hinzu, dass auch ihr Ehemann Vermögen in die Ehe einbrachte und eine komplette Gütertrennung beiden Partnern vernünftig erschien. So einfach wie bei Carola Landhäuser läuft die Sache selten.

Das Thema Ehevertrag wird in den meisten Familien erst angesprochen, wenn es wirklich aktuell wird, also zum Zeitpunkt der Hochzeit. Mal mehr und mal weniger vehement drängen die Eltern ihre Kinder dazu, noch schnell einen Notartermin zu machen, bevor es zum Traualtar geht. Für die jungen Leute ist das nicht gerade angenehm. Müssen sie doch die Zukünftige oder den Zukünftigen bitten, auf alle Ansprüche auf Zugewinn aus der Unternehmensbeteiligung zu verzichten. „Für meine Frau war der Gedanke gewöhnungsbedürftig“, erinnert sich Peter Müller*(40), Inhaber einer Wellpappenfabrik in dritter Generation. Das Argument „Mein Großvater hat das so gewollt.“ habe seine Frau jedoch überzeugt.

Wer stemmt sich schon gegen den Wunsch des verstorbenen Großvaters seines Liebsten. Aber es geht nicht nur um die Fortführung einer Tradition. Eheverträge haben in Familienunternehmen eine betriebswirtschaftliche Logik. Sie können im Extremfall über Sein oder Nichtsein eines Unternehmens entscheiden. Ohne Ehevertrag hat die Ehefrau im Scheidungsfall Anspruch auf die Hälfte des Zugewinns aus dem Vermögen des Ehegatten. Je nach Länge der Ehe und Wachstumstempo des Unternehmens können das erhebliche Beträge sein, die normalerweise nicht bar verfügbar sind. Unternehmer investieren Gewinne oft direkt wieder ins Unternehmen. Und auch die Wertsteigerung, die eine Beteiligung im Laufe einer Ehe erfahren hat, steht zwar in den Büchern, ist jedoch selten auf dem Konto eines Unternehmers vorhanden. Kommt es zur Scheidung und fordert das angeheiratete Familienmitglied sein Recht, kann das existenzbedrohende Folgen für das Unternehmen haben. Bei den aktuellen Scheidungsraten ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass das ein oder andere scheidende Familienmitglied auf seine Rechte pocht. So geschehen bei einer Unternehmerfamilie mit mehreren Töchtern.

„Bei meiner Schwester wurde der Ehevertrag irgendwie vergessen“, berichtet eine der Töchter: „Jetzt klagt der Exmann sein Recht ein. Das ist gerade ein ziemliches Problem.“ Um dieses Problem wissend, verpflichten die meisten Familienunternehmen ihre Gesellschafter schon im Gesellschaftervertrag zum Abschluss eines Ehevertrags. Dabei muss es gar keine komplette Gütertrennung sein wie im Fall von Carola Landhäuser. Es reicht auch eine modifizierte Zugewinngemeinschaft, bei der der Ehepartner lediglich auf den Zugewinn aus der Unternehmensbeteiligung verzichtet, jedoch nicht auf den aus anderen Vermögenswerten.

„Diese Variante wählen viele Unternehmer“, berichtet Dr. Karin Ebel, langjährige Beraterin von Unternehmerfamilien, „oder sie sichern ihre Ehepartner anderweitig ab, zum Beispiel über Lebensversicherungen, Rentenversicherungen oder Immobilien.“ Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass der Unternehmer nicht alle Vermögenswerte im Unternehmen gebunden hat, sondern beizeiten ein Privatvermögen aufgebaut hat.

Info

1. Der Ehevertrag regelt nur, was im Scheidungsfall mit dem gemeinsamen Vermögen geschieht, nicht im Todesfall. Hierzu braucht es eine gesonderte letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag).
2. Wird kein Ehevertrag abgeschlossen, gilt die Zugewinngemeinschaft. Damit teilen sich die Ehepartner alle Wertsteigerungen, die während der Ehe entstanden sind – auch die der Unternehmensbeteiligung.
3. Die meisten Berater empfehlen, die Notwendigkeit zum Abschluss eines Ehevertrags für alle Gesellschafter schon im Gesellschaftervertrag festzulegen.

Wenn das nicht der Fall ist, ist der Ehepartner vielleicht nicht ohne weiteres bereit, einem Ehevertrag zuzustimmen. Mit gutem Grund. Zumindest dann, wenn es sich um Mütter handelt, die ihrem Unternehmergatten nach Hintertupfingen gefolgt sind, hierfür ihren Job aufgegeben und mehrere Kinder großgezogen haben. Sie wollen sich im Scheidungsfall abgesichert wissen. „Es gibt durchaus Fälle, in denen sich zukünftige Schwiegertöchter weigern, einen solchen Vertrag zu unterzeichnen“, berichtet Dr. Karin Ebel von ihren Erfahrungen.

Kein Ehevertrag, kein Gesellschafter

Aber was, wenn die Heirat tatsächlich ohne Ehevertrag stattfindet, der Gesellschaftervertrag aber ein solches Dokument verlangt? „Dann sieht der Gesellschaftervertrag meistens vor, dass der Gesellschafter seinen Anteil zurückgeben muss.“ So weit ist es tatsächlich auch schon gekommen. Ebel kennt einen Fall, bei dem mehrere Junggesellschafter sich der Forderung des Gesellschaftervertrags gefügt haben und ihren Ehepartnern einen Ehevertrag abverlangt haben. Als dann einer aus der Reihe tanzte und dem Wunsch seiner Frau folgte, die aus grundsätzlichen Erwägungen keinen Ehevertrag wollte, wurde dieser aus dem Gesellschafterkreis ausgeschlossen. Während die Senior-Gesellschafter vielleicht noch ein Auge zugedrückt hätten, hätten die anderen Junior-Gesellschafter die mögliche Sonderbehandlung sicher als hochgradig ungerecht empfunden. „Manche heiraten erst gar nicht, um dem Thema aus dem Weg zu gehen“, berichtet Ebel.

Heikel wird es auch dann, wenn die Angetraute zum Zeitpunkt des Abschlusses des Ehevertrags schwanger ist. Einige Gerichtsurteile haben solche Eheverträge für ungültig erklärt, weil eine Zwangslage der Frau ausgenutzt bzw. der besonderen Schutzbedürftigkeit nicht Rechnung getragen worden sei. „Da heutzutage immer mehr Paare erst dann zum Traualter schreiten, wenn der Nachwuchs schon unterwegs ist, sollte man die Rechtmäßigkeit solcher Verträge prüfen“, rät Ebel.

Viele nehmen das persönlich

So nüchtern und sachlich gehen die wenigsten jungen Gesellschafter das Thema an. Viele Ehegatten empfinden die Forderung nach einem Ehevertrag als Affront. Schließt es sie doch von einem elementaren Bereich der Familie ihres Partners aus: vom Familienunternehmen. Sie nehmen das persönlich. Kommunikation ist der Knackpunkt. „Es würde schon helfen, wenn man erklärt, dass es einfach nur darum geht, dass niemand sein Einzelinteresse über das Gemeinschaftsinteresse am Unternehmenserhalt stellt“, ist Ebels Erfahrung.

Aber selbst wenn die Logik dahinter verstanden wurde, ist das Thema immer noch schwierig. Der Druck der Eltern wird als unangemessene Einmischung in extrem private Fragestellungen angesehen. Der Notartermin kurz vor der Hochzeit stört Stimmung und Vorfreude, und die anderen Gesellschafter geht es überhaupt nichts an, wie man sein Vermögen mit seinem Ehepartner teilt. Zumindest Letzteres muss man auch nicht offenlegen. „Es reicht, wenn der Notar bestätigt, dass der abgeschlossene Vertrag im Einklang mit dem Gesellschaftervertrag steht“, erläutert Ebel. Die Details des Ehevertrags gehen tatsächlich nur das Paar selbst etwas an.

Und der Zwang zum Ehevertrag hat auch seine Vorteile. Unternehmerkinder wollen nicht ihres Geldes wegen geheiratet werden. Wenn von Anfang an klar ist, dass die Unternehmensbeteiligung nicht in den gemeinsamen Besitz übergeht, kann das auch Vorteile haben. Ein Ehevertrag regelt allerdings nur das Prozedere im Scheidungsfall, nicht aber im Todesfall. Deswegen wird in der Praxis mit dem Ehevertrag häufig auch ein Erbvertrag abgeschlossen. Viele Familien verlangen von den Angeheirateten einen Verzicht auf den gesetzlichen Pflichtteil im Erbfall. So etwas regelt ein Erbvertrag. Im Gegensatz zum Testament kann ein Erbvertrag nicht einseitig geändert werden. Auch Peter Müller hat mit dem Ehevertrag gleichzeitig auch einen Erbvertrag geschlossen. Seine Motivation war allerdings eine andere: „Während meine Frau im Ehevertrag auf Vermögen verzichtet, konnte ich sie im Erbvertrag als Begünstigte einsetzen.“ Dieser Ausgleich war ihm wichtig.

Richtig kompliziert wird das Thema Ehe- und Erbvertrag bei Patchworkfamilien. Hinterlässt ein verstorbener Unternehmer Ehefrau, Exfrau und Kinder unterschiedlicher Generationen, ist eine Erblösung, die alle zufriedenstellt, extrem schwierig. Die bestehenden Ehe- und Erbverträge müssen im Einklang mit dem Gesellschaftervertrag und dem gesetzlichen Erbrecht stehen. Sie sollten dem Unternehmen möglichst nicht schaden und idealerweise von allen Parteien als gerecht empfunden werden. Eine Situation, die recht häufig bei solchen Familien vorkommt: Der Unternehmer stirbt und hat seine Anteile seinen Kindern aus erster und zweiter Ehe vermacht. Da die Kinder der zweiten Frau jedoch noch nicht volljährig sind, übernimmt diese – falls keine anderslautenden Verträge vorliegen – automatisch die Rolle des Verwalters dieser Anteile. Dann sitzen plötzlich die Kinder aus der ersten Ehe mit der zweiten Frau des Vaters in der Gesellschafterrunde. Nicht selten einen hochexplosive Konstellation. „Patchwork sollte in Unternehmerfamilien verboten werden“, scherzt Ebel.

*Name von der Redaktion geändert

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