Impact für Patienten, Mitarbeiter und Gesellschaft: Im Gesundheitswesen Geld anzulegen, bringt mehr als nur Rendite – aber wie investieren?

Family Offices, Stiftungen und Versorgungswerke beteiligen sich zunehmend mit Eigenkapital an Unternehmen. Anleihen sind aus Renditegründen nicht mehr so attraktiv und Immobilienpreise erreichen schwindelerregende Höhen, bei denen die Mietrendite nur noch bedingt Freude bereitet. Direktbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen erscheinen als eine sinnvolle Alternative. Neben der Beteiligung an Private-Equity-Fonds steigt der Appetit, selbst zu entscheiden, und somit die Bereitschaft, sich direkt an Unternehmen zu beteiligen.

Dr. Elmar Jakob, Geschäftsführender Gesellschafter / Managing Partner, IPONTIX CORPORATE FINANCE Beratungsgesellschaft mbH

Foto: IPONTIX

Für viele dieser Investoren nimmt dabei der Fokus auf nachhaltige Anlagen zu. Oberste Maxime der Anlagepolitik ist ein Substanzerhalt nach Inflation. Eine bestimmte Renditegröße wird angestrebt. Immer größeren Raum bei der Investitionsentscheidung nimmt aber die Sinnhaftigkeit der Anlage ein.

Veränderndes Arbeitsumfeld

Ein Trend lässt sich seit einiger Zeit im Gesundheitswesen beobachten. Aus einer Reihe von Gründen bilden sich hier Plattformstrategien aus, die darauf hinauslaufen, dass „Filialketten“ von Ärzten oder zum Beispiel Physiotherapeuten entstehen. Warum ist das so? Auch in diesen Berufsgruppen verändern sich die Anforderungen an das Arbeitsumfeld. Arbeitszeiten sollen flexibler werden, um Familiengründungen oder Altersteilzeit zu unterstützen.

Hier setzen Plattformstrategien an, die eine Praxis-Infrastruktur bereitstellen und so zum Beispiel der Zahnärztin die beschriebene Ausprägung ihres beruflichen Daseins bieten. Themen wie Abrechnung, Finanzierung, Marketing, Personal, Recht, IT/Praxissoftware und Einkauf werden oft zentral vorgehalten. Die Behandlung des Patienten findet so in ärztlicher Verantwortung in der Praxis statt, die betriebswirtschaftlichen Prozesse werden zentral aus einer Art Holding heraus bereitgestellt. Hinter den heute schon zahlreich am Markt zu beobachtenden Plattformstrategien stehen häufig – teils sichtbar, teils unsichtbar – Finanzinvestoren, mitunter mit durchaus ambitionierten Renditeansprüchen.

Positiv: Zahnärzte können durch diese Private Equity-finanzierenden Plattformen ihre Praxis zu ordentlichen Preisen verkaufen, die sonst eventuell nicht realisierbar wären. Aber: Sind diese nun in Plattformen geführten Praxen immer im Sinne der Patienten und der Mitarbeiter?

Patienten- und Mitarbeiterwohl

Hier setzen vernünftige Family Offices an, die dem Patienten- und Mitarbeiterwohl ausreichenden Platz einräumen. Was ist Patientenwohl? Was wünschen wir uns bei einem Arztbesuch? Ausreichend Zeit ist für jede vernünftige Diagnose erstrebenswert. Eine Diagnose und die erforderliche Therapie dem Patienten verständlich zu erklären, ist ebenfalls eine Zeitfrage. Entsprechend ist die „Taktung“ der Patienten ein wichtiger Parameter für das Patientenwohl. Zeit ist aber aus der Perspektive des Investors nicht selten Geld beziehungsweise Rendite.

Mehr Zeit bedeutet Qualität

Plattformen im Gesundheitswesen, in die Family Offices investieren, differenzieren sich hier durch ein bewusst anderes Setzen von Zielen. Zeit ist oft ein Ausdruck von steigender Qualität. In der Onkologie kommt nach einer Diagnose dem Erklären, dem Beruhigen und dem Steuern der zeitnah zu erfolgenden nächsten Therapieschritte große Bedeutung zu. In der Phlebologie (Venenerkrankungen) wird eine Thrombose besser erkannt, wenn das Ultraschallgerät nicht nur zwei Minuten im Einsatz ist. In der Jugendhilfe oder der psychotherapeutischen Behandlung von Kindern, die nicht nur seit der Pandemie „übergelaufen“ sind, ist Zeit der Parameter überhaupt.
Im Prinzip ist es einfach: Mehr Zeit bedingt bessere Qualität, die in bessere Heilerfolge mündet. Dieser „Impact“ äußert sich in Gesundheit und Zufriedenheit, zunächst beim Patienten. Diese Genesung hat aber eine volkswirtschaftliche Bedeutung: geringerer Krankenstand, längere Möglichkeit der Erwerbstätigkeit und so ein längeres Einzahlen in Sozialversicherungssysteme.

Breiter ausgelegt geht es um die Förderung verschiedener Nachhaltigkeitsziele, auch des nachhaltigen Konsums oder um Themen wie Sozial- und Umweltverträglichkeit. Das Sozialunternehmertum hatte immer Schwierigkeiten, eine vernünftige, nicht staatsfinanzierte Finanzierungsbasis zu erhalten. Hier eröffnen sich nun mit Family Offices, die aus Verantwortungsgründen Impactorientiert investieren, neue Möglichkeiten im Gesundheitswesen und darüber hinaus.

Win-Win-Win-Situation

Das Beispiel Gesundheitswesen zeigt einprägsam, welche Vorteile nachhaltiges Investieren mit sich bringt. Neben der Umwelt (Environmental) bedingt die Berücksichtigung der Kriterien Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance) eine große Chance auf zufriedene Patienten und zufriedene Mitarbeiter.

Zufriedene Patienten empfehlen ihre Ärzte oder Therapeuten. Zufriedene Mitarbeiter im Gesundheitswesen sind der wichtigste Garant für ein insgesamt funktionierendes Gesundheitswesen, in dem viele Arbeitsplätze schwer besetzt werden können und die Demographie-Situation herausfordernd ist.

Wenn Nachfolgelösungen im Gesundheitswesen in Plattformen aufgehen, bei denen Eigentum verpflichtet und Impact ernst genommen wird, ist viel gewonnen: für die Unternehmen, die Gesellschaft und die Investoren.

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