An der Beschreibung der damaligen Situation des Verkaufs unseres Familienunternehmens ist nichts zu ändern. Heute würde ich nicht mehr behaupten, dass man keine Familie gründen kann, wenn man die Geschäftsführung für ein Familienunternehmen in der Größe übernimmt. Ich weiß heute, dass beides parallel geht, und es gibt dafür zum Glück auch gute Beispiele. Ich habe einige Nachfolgerinnen auf diesem Weg begleitet.
Zusätzlich habe ich rückblickend gesehen, dass ich sehr viel Zeit in den Aufbau meiner eigenen Unternehmensberatung gesteckt habe, ich bin immer noch sehr viel unterwegs. Die Balance zu finden, sich ausreichend Zeit für Kinder und Ehemann zu nehmen und sich parallel um die eigene Firma und die professionelle Beratung der Kunden mit ihren Themen zu kümmern, ist nicht weniger herausfordernd.
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Wir als Familie hätten uns damals nach dem Verkauf mehr professionelle Hilfe nehmen sollen, die uns beim Abschied, den Herausforderungen des „Neu-Sortierens“ und der Ausrichtung als Familie inklusive Identitätsfindung unterstützt. Beispiele von ähnlichen Fällen hätten uns geholfen, gut durch diesen Prozess des Abschiednehmens zu kommen.
Heute hat sich glücklicherweise viel in Sachen „Familienarbeit“ getan und verändert. Die Themen rund um die Familienarbeit sind transparenter geworden, es wird mehr dazu geforscht und berichtet. Es ist dank dem „wir“-Magazin und den Veranstaltungen keine Seltenheit mehr, über Themen zu sprechen, die Unternehmerfamilien beschäftigen. So findet man besser und schneller Sparringspartner aus anderen Unternehmerfamilien in ähnlichen Situationen.
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Es gibt wesentlich mehr Fortbildungen, zum Beispiel Ausbildungen zur Gesellschafterkompetenz oder die Beiratswerkstatt, sowie Veranstaltungen wie die „wir“-Tage und Beratungsangebote zu verschiedenen Themen wie etwa Geschwistercoaching, Frauen in Nachfolge, Philanthropie und so weiter. Parallel hat sich die Wissenschaft weiterentwickelt, etwa an der Hochschule St. Gallen, in Witten oder an der WHU wird viel geforscht zu den Bereichen Inhaberschaft, Familie, Unternehmen sowie Beirat. Auch die psychologischen Aspekte der Familienarbeit werden intensiver betrachtet und erforscht und helfen, zum Beispiel mit Genogrammarbeit Situationen besser meistern zu können. Frauen und Töchter in der Nachfolge gibt es immer mehr. Leider wächst die Zahl nur sehr langsam.
