Beim Wiederlesen musste ich an einigen Stellen schmunzeln. Aber bei den wesentlichen Dingen würde ich heute tatsächlich sehr ähnlich antworten.
Der Satz „Weniger als 100 Prozent ist bei uns eine Katastrophe“ klingt vielleicht etwas drastisch, aber an der Haltung dahinter hat sich nichts geändert. Wenn man mit Kunstwerken, Kulturgütern, Umzügen, Akten oder sensiblem Hightech-Equipment arbeitet, also mit wertvollen, nicht ersetzbaren Objekten, gibt es bei Qualität und Sicherheit keinen Raum für Kompromisse.
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Auch Diskretion gehört für mich unverändert zu unserem Geschäft. Vertrauen entsteht über Jahre und manchmal Jahrzehnte. Das gilt in der Kunstlogistik ebenso wie bei internationalen Umzügen und Relocation-Projekten. Wer mit seinem privaten Umfeld oder seiner Familie in ein neues Land zieht, gibt uns schließlich nicht einfach nur Möbel und Umzugskartons an die Hand, sondern einen sehr persönlichen Teil seines Lebens. Ein Kunde muss deshalb wissen, dass wir mit seinen Werten ebenso verantwortungsvoll wie diskret umgehen. Und auch die Freude an den schwierigen Aufgaben in der Projektlogistik ist geblieben. Wenn etwas nicht nach Schema F funktioniert, wird es für uns meistens erst interessant.
2010 habe ich gesagt: „Wir machen all das, was nicht standardisierbar ist.“ Den Gedanken finde ich noch immer richtig, würde ihn heute aber ergänzen. Unsere Lösungen sind häufig individuell – die Prozesse dahinter dürfen es nicht immer sein. Heute brauchen wir klare Strukturen, digitale Systeme, definierte Qualitätsstandards und ein professionelles Management, damit wir weltweit zuverlässig dieselbe Qualität gewährleisten können. Das ist wahrscheinlich eine der größten Veränderungen der vergangenen Jahre: Wir sind Spezialisten für das Außergewöhnliche geblieben, haben aber gelernt, das Unternehmen darum herum deutlich systematischer aufzustellen.
2010 war Hasenkamp noch sehr stark auf meine Person zugeschnitten. Ich war viel unterwegs, sehr nah bei den Kunden und insbesondere bei großen Projekten häufig persönlich eingebunden. Aufgrund des Wachstums sind grundsätzlich andere Strukturen als vor 20 Jahren entstanden. Man braucht lokale Entscheidungsträger, die die Nähe zum Kunden haben. Man ist dann stark und für die Zukunft gerüstet, wenn die Auswahl des Führungskreises gelungen ist. Die Abhängigkeit von meiner Person reduziert sich dann automatisch.
Gerade bei einer Unternehmensnachfolge muss man akzeptieren, dass die nächste Generation manches anders macht. Sonst übergibt man zwar einen Titel, aber nicht wirklich die Verantwortung. Mein Sohn Thomas führt das Unternehmen heute in fünfter Generation gemeinsam mit einem externen Geschäftsführer. Meine Rolle hat sich damit natürlich verändert. Eine Überzeugung vertrete ich aber nach wie vor sehr nachdrücklich: Der Verkauf ist die Königsdisziplin. Gerade als Inhaber muss man nah am Kunden bleiben. Nur dort erfährt man, wie sich die Nachfrage verändert, was künftig gebraucht wird – und zugleich, wo die eigene Organisation heute noch Schwächen hat.
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Unternehmerische Verantwortung bedeutet für mich zunächst einmal, dafür zu sorgen, dass das Unternehmen langfristig erfolgreich im Markt besteht. Darüber hinaus müssen wir wirtschaftliche und ökologische Verantwortung miteinander verbinden. Das darf kein Widerspruch sein. Bei Hasenkamp haben wir diesen Gedanken beispielsweise konsequent auf unsere Depotneubauten übertragen. An mehreren Standorten in Europa setzen wir auf Geothermie, Photovoltaik und grünen Strom und können die Gebäude dadurch vollständig CO2-frei betreiben.
In einem Familienunternehmen denkt man ohnehin nicht in Quartalen oder Geschäftsjahren, sondern in Generationen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: In welchem Zustand übergebe ich das Unternehmen an die nächste Generation? Genau darin sehe ich den Kern unternehmerischer Verantwortung.
Das Aufspüren neuer Nachfrage und diese dann professionell mit hoher Qualität und nachhaltigen Lösungen zu befriedigen, wird auch künftig Wachstum ermöglichen. Neue Technologien eröffnen zusätzliche Wettbewerbsvorteile, und auch die Expansion in neue Märkte stimmt mich optimistisch. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass gerade in unserem Geschäft Erfahrung, persönliches Vertrauen, handwerkliches Können und die Fähigkeit, in ungewöhnlichen Situationen pragmatische Lösungen zu finden, nicht an Bedeutung verlieren werden.
Das Unternehmen hat sich seit 1903 immer wieder verändert. Dasselbe wird auch in den kommenden Jahrzehnten notwendig sein. Die Aufgabe einer Unternehmerfamilie besteht aus meiner Sicht darin, Veränderung zuzulassen, ohne die Haltung und die Werte zu verlieren, die das Unternehmen stark gemacht haben.
Wenn uns das gelingt, bin ich für die nächsten Jahre sehr zuversichtlich.
